Wen die Lektüre der Kommentare & Kurzanalysen zu der Vermutung veranlasst, dass die Printausgabe noch ausführlicher Hintergründe analysiert und Beiträge zur Diskussion stellt, hat Recht. Die oder der sollte gleich ein Abo bestellen (und ein Buch aus dem VSA: Verlag als Prämie erhalten). Wer weitere Argumente benötigt, nimmt zunächst ein Probeabo.

Attac hat gemeinsam mit Medico international, dem Institut Solidarische Moderne und Publik-Forum die Initiative Flüchtende aufnehmen und Fluchtursachen beseitigen! gestartet. Die Redaktion Sozialismus gehört zu den Unterstützer*innen.

Neue VSA: Bücher

Michael Brie (Hrsg.)
Lasst uns über Alternativen reden
Beiträge zur kritischen Transformationsforschung 3
Eine Veröffentlichung der Rosa-Luxemburg-Stiftung
264 Seiten | EUR 16.80
ISBN 978-3-89965-677-0

Beate Schreiber u.a.
VOM VORLESER ZUM MINDESTLOHN
Die Geschichte der NGG
1865 bis 2015
Herausgegeben vom Hauptvorstand der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten
208 Seiten | Fotos | Halbleinen-Großformat mit DVD | EUR 19.80
ISBN 978-3-89965-668-8

Dagmar Enkelmann/
Florian Weis (Hrsg.)
»Ich lebe am fröhlichsten im Sturm« (Rosa Luxemburg)
25 Jahre Rosa-Luxemburg-Stiftung: Gesellschaftsanalyse und politische Bildung
224 Seiten | Halbleinenband mit Fotos | EUR 16.80
ISBN 978-3-89965-678-7

Joachim Bischoff / Björn Radke
»Isch over«? Griechenland und die Eurozone
Syrizas Kampf gegen die neoliberale Hegemonie
Eine Flugschrift
156 Seiten | EUR 12.00

Susanne Hennig-Wellsow (Hrsg.)
Mit LINKS regieren?
Wie Rot-Rot-Grün in Thüringen geht
208 Seiten | EUR 16.80
ISBN 978-3-89965-672-5

9. Juli 2012 Redaktion Sozialismus: Griechenland vor weiterem Chaos

Flucht in Privatisierungen

Kategorie: Euro-Krise

Nach den erneuten Parlamentswahlen in Griechenland, der Regierungsbildung und der Vereidigung eines Finanzministers haben die Beauftragten der »Troika« von EU, IWF und EZB den bisherigen Stand der wirtschaftlichen Entwicklung und der Sanierung der öffentlichen Finanzen bilanziert. Die zusammenfassende Bewertung: Das pleitebedrohte Land habe die Ziele des Austeritätspaktes verfehlt, die Veränderungen müssten daher beschleunigt werden.

Dies gilt für die Privatisierung von Staatseigentum ebenso wie die Liberalisierung des Energiemarktes und die Überholung des Steuersystems. Zudem sollen einige Gehälter im öffentlichen Dienst erneut um 12% gekürzt werden. Das vereinbarte Moratorium sieht vor, dass bis September durch diese Kürzungen 200 Millionen Euro in den öffentlichen Kassen eingespart werden.

Abgesehen von den Rückständen bei der Umsetzung vereinbarter Veränderungen gibt es eine Verschlechterung aufgrund der rezessiven Entwicklung. Die Troika rechnet mit einer Lücke von 2 Mrd. Euro im laufenden Staatshaushalt. Dieser Fehlbetrag kann nur über Aufstockungen der Mittel oder über zusätzliche Einsparungen im öffentlichen Bereich gedeckt werden. Mit einem Ergebnis der Überprüfung wird erst Ende Juli gerechnet.

Angesichts der scharfen Rezession sprechen alle ökonomischen Argumente dafür, die Anpassungszeit zu verlängern, um der griechischen Wirtschaft Luft zu verschaffen und Wachstum zu ermöglichen. Mehr noch: ohne Stabilisierung der Binnenwirtschaft und ein mittelfristig angelegtes Investitionsprogramm kann es keine Trendwende geben. Von einer Einbindung in den europäischen Wachstumspakt ist bislang nicht konkretes bekannt, geschweige denn über ein immer wieder verkündetes »Marshall«-Programm für Griechenland.

Die Regierung selbst sucht den Ausweg in einer Ausweitung des Privatisierungsprogramms, das die Ziele des Austeritätspaktes übertrifft. Neben den sechs laufenden Privatisierungsverfahren (unter anderem für die Staatslotterie, die staatliche Erdgasgesellschaft Depa und das alte Flughafengelände Hellenikon), die beschleunigt werden müssen, sollen neun weitere Staatsunternehmen zum Verkauf angeboten werden. Vorgesehen sind ertragreiche Unternehmen wie die Wettgesellschaft OPAP, die Hellenic Petroleum und der Nickelproduzent Larko. Die Regierung stellte zudem in Aussicht, den umfangreichen staatlichen Immobilienbesitz entlang der Südküste von Attica – von Faliron bis Kap Sounion – zum Verkauf anzubieten.

Die griechische Koalitionsregierung macht also Privatisierungen zur obersten Priorität und will die Wirtschaft des Landes so aus der tiefen Rezession führen. Das Programm zielt darauf ab, internationales Kapital anzuziehen, das vor allem in Immobilienentwicklung und Infrastruktur investieren soll.

Mit dem massiven Ausverkauf der öffentlichen Unternehmen wird sich die wirtschaftliche Abwärtsbewegung jedoch nicht stoppen und gar umkehren lassen. Drei Jahre nach dem offenen Ausbruch der Euro-Krise in Griechenland wird die gesamte Hilf- und Konzeptionslosigkeit über deutlich. Zu Recht kritisierte der Chef der linkssozialistischen Opposition Syriza, Alexis Tsipras: »Privatisierungen werden unsere Wirtschaft nicht retten, sondern sie ausplündern.« Das Regierungsprogramm lese sich wie ein Verkaufsinserat, als wolle die Regierung Griechenland verkaufen. Dagegen werde seine Partei kämpfen, im Parlament und auf der Straße. Die geplanten Privatisierungen nannte Tsipras ein Verbrechen.

Ein beschleunigter Verkauf von öffentlichen Unternehmen und Eigentum ist in der Tat unter den gegenwärtigen Bedingungen eine reine Verschleuderung gesellschaftlicher Werte. Wer sich von einer solchen Panik-Politik die Einleitung eines zukunftsorientierten gesellschaftlichen Strukturwandels erwartet, kann die zurückliegenden Erfahrungen mit umfassenden Privatisierungen nicht verstanden haben.

Es sieht nicht gut aus für den Sanierungsprozess. Schon in den nächsten Wochen wird es kritisch werden: Eine Auszahlung weiterer Hilfskredite soll es nicht geben, bevor die Euro-Gruppe nicht zum Schluss komme, dass das Sanierungs- und Reformprogramm wieder auf Kurs sei. Formelle Beschlüsse dazu wird es nicht mehr im Juli, sondern eher Ende August geben. Eine ernete Zuspitzung der Situation ist damit nicht ausgeschlossen.

Zurück