Michael Brie | Joachim Bischoff

Ist der Kapitalismus am Ende?

Über Gesellschaftsanalyse, Interregnum, Produktivitätsrätsel und fehlende Systemopposition
Sozialismus.de | Supplement zu Heft 10/2017

72 Seiten | 2017 | EUR 7.00
ISBN 978-3-89965-879-8

 

Wolfgang Streeck hat mit seinen Interventionen zum Thema »Wie wird der Kapitalismus enden?« eine Debatte auch innerhalb der Linken angestoßen. Michael Brie und Joachim Bischoff greifen die Argumente auf und unterziehen sie einer kritischen Bewertung.

»Die Bedeutung des diskursiven Eingriffs von Streeck liegt darin, dass er das Sprechen über die Krise des Kapitalismus in Deutschland und darüber hinaus verändert hat. Er hat vorhandenes Wissen zu einer neuen wirkungsmächtigen Erzählung verbunden und sich damit als ein spezifischer, professionalisierter Intellektueller im genauesten Sinne erwiesen – als ein Wissenschaftler, ›der im Bereich der politischen Kämpfe von seinem Wissen, von seiner Kompetenz und von seinem Verhältnis zur Wahrheit Gebrauch‹ macht (Foucault).« (Michael Brie)

»Wesentlich für die Argumentation von Streeck ist die These, dass der Kapitalismus auch deshalb seine charakteristische enorme Anpassungsfähigkeit verloren hat, weil es keine relevante immanente Opposition mehr gibt ... Allerdings müssen und können im Widerstand gegen die reaktionäre Rebellion des Rechtspopulismus trotz einer spürbaren Schwäche linker, progressiver Potenziale – der Gewerkschaften, progressiver sozialer Bewegungen und linker Parteien – in Europa und anderen Regionen der Welt tragfähige Alternativen entwickelt werden. Insofern kann Streecks These grundsätzlich fehlender Systemopposition von links nicht gefolgt werden.« (Joachim Bischoff)


Inhalt

Michael Brie
Wolfgang Streecks These vom Ende des Kapitalismus
1. Streeck als Erzähler der Tragödie vom Ende des Kapitalismus
2. Streecks sozialwissenschaftliches Verständnis von der Evolution kapitalistischer Gesellschaften
3. Das Interregnum und mögliche Szenarien

Joachim Bischoff
Kapitalismus ohne Systemopposition?
1. Säkulare Implosion des Gesellschaftsvertrages und die Transformation des Kapitalismus
2. Der Pyrrhussieg über die Gewerkschaften und die Linken
3. Der bonapartistische Augenblick und der Niedergang des Parteiensystems
4. »Postdemokratie« und die rechtspopulistische Rückkehr subalterner Schichten
5. »Säkulare Stagnation«: die aktuellen Entwicklungstendenzen des Kapitals
6. Das Produktivitätsrätsel – oder: Produktivitätsrevolution als Wachstumstreiber
7. Grenzen der Automatisierung durch sinkende Produktivität?
8. Alternativen durch Investitionen in die Beschäftigten

Die Autoren

Michael Brie arbeitet im Institut für Gesellschaftsanalyse (IfG) der Rosa-Luxemburg-Stiftung als Referent für »Theorie und Geschichte des Sozialismus«. Letzte Buchveröffentlichung: »LENIN neu entdecken. Das hellblaue Bändchen zur Dialektik der Revolution & Metaphysik der Herrschaft« (Hamburg 2017).
Joachim Bischoff ist Mitherausgeber von Sozialismus. Letzte Buchveröffentlichung: »Donald Trump – ein Präsident mit Risiko. Die USA zwischen Niedergang der Demokratie und dem Umsturz der Weltordnung – Eine Flugschrift« (Hamburg 2017).

Quelle: http://www.sozialismus.de/vorherige_hefte_archiv/supplements/liste/detail/artikel/ist-der-kapitalismus-am-ende/