28. August 2026 Claus-Jürgen Göpfert: Der Kampf gegen die drohende Schließung des VW-Werkes und für den Erhalt der Demokratie
Die Angst geht um in Zwickau
Auf dem Hauptmarkt drängten sich die Menschen zwischen Buden und Karussells. Hochsommerliche Hitze. Zum ersten Mal bot Zwickau vom 14. bis zum 16. August den »Stadtsommer« an. Für die viertgrößte Stadt Sachsens war der Rummel freilich nur eine kleine Ersatzlösung.
Denn das traditionsreiche, große Zwickauer Stadtfest musste in diesem Jahr »pausieren«, wie es offiziell hieß – wegen der finanziellen Probleme der Kommune. Zeitgleich zur Eröffnung des »Stadtsommers« reiste am 14. August prominenter Besuch an – jedoch aus anderem Anlass. Christiane Benner, Vorsitzende der IG Metall, der weltweit größten Gewerkschaft, und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) kamen gemeinsam in das VW-Werk von Zwickau. Diese ungewöhnliche Visite, die es so noch nie gegeben hatte, signalisierte, dass es buchstäblich um alles ging: Um die Zukunft der Stadt und der Region Südwestsachsen. Tatsächlich steht noch mehr auf dem Spiel: Das Überleben des demokratischen Gemeinwesens.
Denn die im Jahr 1990 eröffnete Produktionsstätte von Volkswagen ist eine von vier Standorten des VW-Konzerns in der Bundesrepublik, die der Vorstand möglicherweise schließen möchte. Im Managerdeutsch von VW-Chef Oliver Blume hörte sich das bei der Bekanntgabe so an: »Für die Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm haben wir in den 30er-Jahren noch keine wettbewerbsgerechte Belegung.« Der passionierte Halbmarathon-Läufer Blume (58), promoviert in Fahrzeugtechnik an der Tongji-Universität im chinesischen Shanghai, verschärfte mit dieser Ankündigung den schon 2024 eingeschlagenen Sparkurs des VW-Managements noch einmal drastisch.
»Es hängt eine große Verunsicherung über der Stadt – diese Hängepartie tut Zwickau nicht gut«: So beschreibt Frank Dittrich, der Kreisvorsitzende der Linken, die Situation. Viele Menschen litten unter der »Zermürbungstaktik« des VW-Konzerns. Schon vor zwei Jahren drohte dem hochmodernen Werk in Zwickau mit seinen seinerzeit noch 11.000 Beschäftigten das Aus. Der entschlossene Widerstand vieler Menschen bundesweit verhinderte damals Werksschließungen. Die IG Metall und das VW-Management schlossen Ende 2024 mit Mühe und Not einen sogenannten Kompromiss. Der besagte: Keine Schließung von Werken, dafür aber Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen im gesamten Konzern bis 2030. Doch die Profite sanken aus Sicht der VW-Eigentümerfamilien Piëch und Porsche zu stark.
Claus-Jürgen Göpfert ist Journalist und Autor. Zuletzt schrieb er in Heft 7/8-2026 zu »Verzweifelter Rückgriff auf Willy Brandt. Ein Blick auf Frankfurts SPD, die neue Stadtregierung und ihre Pläne«


