25. September 2025 Florian Weis: Jüdinnen und Juden in der internationalen Linken

»Die jüdische mit der allgemeinen proletarischen Bewegung zu vereinen«

Seit 2021 haben Riccardo Altieri, Bernd Hüttner und Florian Weis für die Rosa-Luxemburg-Stiftung fünf kleine Bände mit 70 Einzelbeiträgen und drei Interviews (Gregor Gysi, Bodo Ramelow, Isabel Frey) über die lange und tiefe Allianz zwischen großen Teilen der jüdischen Emanzipationsbewegungen und der sozialistischen und Arbeiter*innenbewegung herausgegeben.

Programmatisch wie exemplarisch haben wir dabei in Anlehnung an einen Artikel des Jüdischen Arbeiterbundes das Motto gewählt: Die jüdische mit der allgemeinen proletarischen Bewegung zu vereinen.[1]

Der erste Band stellt politische Strömungen und Organisationen (den Linkszionismus und den «Bund»), das jüdisch-linke Wirken in einzelnen Ländern bzw. Regionen (Südafrika, Großbritannien und Frankfurt a.M.) sowie einzelne Persönlichkeiten (Rosa Luxemburg, Jürgen Kuczynski, Jakob Moneta und Theodor Bergmann) vor. Der zweite Band aus dem Jahr 2022 ist mit einem Zitat von Gregor Gysi überschrieben: »Wenn du ausgegrenzt wirst, gehst du zu anderen Ausgegrenzten«.[2] In den Beiträgen werden vor allem jüdisch-sozialistische Persönlichkeiten porträtiert, darunter Luise Kautsky und Mathilde Jacob, die Bundisten Henryk Erlich und Wiktor Alter, der Linkssozialist und Gewerkschafter Max Diamant, der Schriftsteller Lew Kopelew sowie das »Jüdische Antifaschistische Komitee«. 2023 wurde ein dritter Band mit dem Titel »Die Arbeiter*innenbewegung als Emanzipationsraum« vorgelegt, in dem Beiträge u.a. zum Osmanischen Reich und Griechenland, zu Marokko und Tunesien sowie Österreich enthalten sind.[3] Weitere Texte widmen sich etwa dem internationalen Trotzkismus, dem Schriftsteller Jean Améry und der Neuen Linken in Frankreich.

Der 2024 veröffentlichte vierte Band »›Zog nit keyn mol, as Du geyst dem letsten Veg. Mir zaynen do!‹«[4] thematisierte in vielen Beiträge die Lebenswege von linken Jüdinnen und Juden, die – aus Haft, Untergrund und Emigration zurückkehrend – die Sowjetische Besatzungszone bzw. die DDR wählten, weil sie dort auf einen konsequent antifaschistischen und sozialistischen Neuaufbau hofften. Weitere Beiträge widmen sich beispielsweise Moses Hess, Esther Bejarano und dem jüdischen Widerstand gegen die Nazis in Warschau, Wilna und Minsk. Im fünften Band schließlich, der im Sommer 2025 unter dem Titel »Erinnerungen an eine emanzipatorische Allianz«[5] erschien, wird Isaac Deutscher, dessen Begriff vom »nichtjüdischen Juden« auf viele jüdische Linke zutrifft, vorgestellt. Weitere Beiträge widmen sich progressiven Strömungen, in denen Jüdinnen und Juden stark vertreten waren, so Sozialmediziner*innen und der »Frankfurter Schule«. Auch in den sogenannten Zwischengruppen wirkten überproportional viele Jüdinnen und Juden mit, so in der Kommunistischen Partei-Opposition (KPO) und der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP). Erinnert sei an beispielsweise Max Diamant, Rosi Wolfstein-Frölich, Theodor Bergmann, Jakob Moneta und Peter Blachstein.[6] Jüdische Intellektuelle in der Volksrepublik Polen und der Tschechoslowakei wie Otto Katz, Eduard Goldstücker und Karol Modzelewski werden ebenso porträtiert wie Eduard Bernstein, Paul Levi, Angelika Balabanoff, Fritz Naphtali, Leo Bauer, Lazar’ Lagin, Fritz Naphtali, Emil Carlebach, Fridl Hensel-Levin, Leo Kofler, Harold Laski, Albert Hirschman und Leo Panitch.

Florian Weis ist Historiker und seit 1999 in verschiedenen Funktionen Mitarbeiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin. Zuletzt schrieb er in Heft 6-2025: »Blutige Farce. Die Geschichte der Dönitz-Regierung im Mai 1945«.

[1] Altieri, Riccardo/Hüttner, Bernd/Weis, Florian (Hrsg.): »Die jüdische mit der allgemeinen proletarischen Bewegung zu vereinen«. Jüdinnen und Juden in der internationalen Linken, Bd. 1, Berlin 2021, unter: www.rosalux.de/publikation/id/45015 (auf dieser Seite gibt es auch die Links zu den weiteren vier Bänden).
[2] Dieselben (Hrsg.): »Wenn du ausgegrenzt wirst, gehst du zu anderen Ausgegrenzten«. Bd. 2, Berlin 2022.
[3] Dieselben (Hrsg.): Die Arbeiter*innen-bewegung als Emanzipationsraum, Bd. 3, Berlin 2023.
[4] Dieselben (Hrsg.): «Zog nit keyn mol, az du geyst dem letstn veg. Mir zaynen do!», Bd. 4, Berlin 2024.  
[5]  Dieselben (Hrsg.): Erinnerungen an eine emanzipatorische Allianz, Bd. 5, Berlin 2025, unter: www.rosalux.de/publikation/id/53564. 
[6] Siehe zu diesem auch die Buchveröffentlichung von L. Joseph Heid: www.vsa-verlag.de/nc/detail/artikel/peter-blachstein/.

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