30. April 2026 Joachim Bischoff
Ende der amerikanischen Weltordnung
Adam Tooze warnte in einem Artikel im Jahr 2019 vor der These: »Wer beim heutigen Stand, nach gut zwei Jahren der Trump-Präsidentschaft, von einem Ende der amerikanischen Weltordnung spricht, übertreibt gewaltig. Die beiden Säulen, auf denen die globale Vormachtstellung der Vereinigten Staaten ruht – die militärische und die finanzielle –, tragen immer noch und wanken nicht.«[1]
Diese beiden Säulen, die die globale Vormachtstellung der USA begründen, haben ihre Tragfähigkeit auch in der zweiten Periode von Trumps Präsidentschaft nicht eingebüßt. Trump hat gleichwohl die langjährige, von den USA geprägte Weltordnung zerstört. Der Westen als politischer Faktor in der US-Hegemonie ist verflüchtigt worden. Demokratiepolitisch zeigen sich massive Zerstörungen. Weder in der Innen- noch in der Außenpolitik respektiert Trump in seinem Handeln institutionelle oder rechtliche Grenzen. Er hat die USA in eine »illiberale Demokratie« transformiert.
Bei dieser Zerstörung der US-Hegemonie gibt es drei Dimensionen:
- den Zollkrieg;
- den US-amerikanischen und israelischen Krieg gegen Iran
- und die Transformation des Staates.
Der Zollkrieg
Trump zettelte am »Liberation Day« vom 2. April 2025 mit gegen viele Staaten verhängten Zollerhöhungen einen globalen Handelskrieg an und setzte sich über die Regeln der Welthandelsorganisation WTO zum Freihandel hinweg. »Die Weltordnung und das multilaterale System, wie wir sie kannten, haben sich unwiderruflich verändert« konstatierte die WTO-Generaldirektorin und fügte hinzu: »Wir werden sie nicht zurückbekommen.« Die USA verabschieden sich vom Meistbegünstigungsprinzip, das alle WTO-Mitglieder verpflichtet, Handelsvorteile allen Partnern gleichermaßen zu gewähren. Allerdings setzen auch immer mehr andere Länder auf gesonderte Handelsabkommen, allen voran die EU.
Der von Trump ausgerufene »Liberation Day« wird als Wendepunkt in die Geschichte eingehen. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet die USA das System zum Einsturz bringen, das sie einst selbst geschaffen haben. Zu dieser Ironie gehört, dass der Frontalangriff von rechts kommt, nachdem die WTO seit ihrer Gründung vor allem von linken Kräften kritisiert worden ist. Trump verkündete schon in seiner ersten Amtszeit das Ziel, die Amerikaner*innen »nicht länger dem falschen Lied des Globalismus ausliefern« zu wollen. Er setzte nicht nur auf Protektionismus, sondern auch auf ein Revival der Monroe-Doktrin (Stichworte: Grönland, Kanada und Panamakanal).
Nach einem Jahr des Zollumbaus zeigt sich: Trump hat die Ziele größtenteils verfehlt. Das langjährige Handelsbilanzdefizit der USA hat sich kaum verändert. Nach wie vor importieren die USA mehr Waren, als sie im Ausland verkaufen. Das ist für ihn ein Beleg dafür, dass sich der Rest der Welt an den USA bereichern. Das mit der Zollpolitik verbundene politische Kalkül eines industriellen Aufbruchs in den USA ist bis jetzt nicht aufgegangen.
Das Versprechen, »Arbeitsplätze und Fabriken werden in Massen in unser Land zurückkehren«, konnte vielmehr nicht eingehalten werden. 2025 ist die Zahl der Industriearbeitsplätze in den USA weiter gesunken. Der US-Fiskus hat 2025 rund 289 Mrd. US-Dollar mit Zöllen eingenommen, allerdings sind die Einnahmen gemessen am aktuellen Defizit des Staatshaushaltes gering. Hinzu kommt: Der Fiskus wird den Großteil der Zolleinnahmen nach einem Urteil des Supreme Court nicht behalten können, da er sich nicht um eine Ermächtigung des Kongresses gekümmert hat. Die vermeintlichen Billionen US-Dollar des Zoll-Kriegs erhöhen letztlich die Lebenshaltungskosten der US-Bürger*innen.
Joachim Bischoff ist Mitherausgeber von Sozialismus.de.
[1] A. Tooze, Donald Trump oder: Das Ende des amerikanischen Zeitalters? Blätter für deutsche und internationale Politik, 7/2019, S. 64.
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