27. Februar 2026 Stephanie Odenwald: Globaler Frauenstreik anlässlich des internationalen Frauentags 2026
Enough! Wir haben genug!
Weltweit werden Frauen einen Tag nach dem Internationalen Frauentag am 8. März für ihre Rechte, für Gleichstellung, für Demokratie und lebenswerte Umwelt auf die Straßen gehen und streiken. Das Bündnis »Enough! Genug« ruft zusammen mit dem Kollektiv Töchter für Montag, den 9. März, zu einem globalen Frauen*generalstreik auf. Das heißt, Frauen sollen sowohl ihre bezahlte wie unbezahlte Arbeit niederlegen.
In der aktuellen Ankündigung heißt es: »Wir sagen GENUG! zu einem System, das (wieder) vermehrt auf Ausbeutung, Unterdrückung und Zerstörung setzt und unter dem weltweit in erster Linie Frauen* und Kinder leiden. Wir machen diesen Wahnsinn nicht länger mit! Für einen Tag stehen wir diesem System nicht zur Verfügung, denn wir können nicht länger hinnehmen, dass Geld- und Machtgier Menschenleben und unseren Planeten vernichten. Es reicht! Wir sind die Hälfte der Menschheit, und wenn wir den patriarchalen Strukturen die Arbeitskraft entziehen, dann steht die Welt still.«[1]
Wahnsinn ist der richtige Begriff für den derzeitigen Zustand der Welt: Extreme Unterschiede zwischen Arm und Reich, der für viele Millionen Frauen ein Leben in Armut bedeutet, die Klimakrise mit ihren Umweltkatastrophen, die Kriege und die atomare Gefahr, die massenhafte Fluchtbewegung, sexuelle Gewalt gegen Frauen und Femizide. Wie kann Widerstand gegen diesen Wahnsinn organisiert werden? Die Frauenbewegung ist eine große Kraft für mehr soziale Gleichheit und gegen Unterdrückung, Mobilisierung für eine andere Welt. Dazu gehören konkrete Ziele für ein friedliches und gleichberechtigtes Zusammenleben, für die Überwindung patriarchalischer und undemokratischer Strukturen.
Der Frauenstreik als ein Instrument der Mobilisierung
Die argentinische Aktivistin Veronica Gaga spricht von einem Akt des »Ungehorsams«, der über den rechtlichen Rahmen des gewerkschaftlichen Streiks hinausgehe und Anlass sei, über ein anderes Leben nachzudenken. Keineswegs sei dieser Frauenstreik nur rein symbolisch oder strebe nur die Anerkennung von Identität an. Sie führt aus: »Der feministische Streik ist, anders als der traditionelle Arbeitskampf (der maskulinen, entlohnten und gewerkschaftlich organisierten Arbeiterbewegung) nicht allein an ›Berufe‹ gebunden. Er bezieht sich zur gleichen Zeit auf spezifische Aufgaben in Verbindung mit Produktion und Reproduktion und damit auf eine generische Frage. Er erklärt, warum bestimmte Aufgaben einer bestimmten geschlechtlichen Arbeitsteilung unterliegen. In dieser Hinsicht ist der feministische Streik Arbeitskampf und Existenzkampf zugleich.«[2]
Einzuwenden ist, dass heute in vielen Ländern Gewerkschaften und traditionelle Arbeitskämpfe keineswegs nur »maskulin« geprägt sind. So haben in der Berliner Republik ver.di, GEW und die NGG mehr als zwei Drittel weibliche Mitglieder. Es gab wesentlich durch Frauen getragene Streiks der Erzieherinnen, im Reinigungsgewerbe usw. Der Frauenstreik ist eine andere Art von Streik, unterstützt durch einige Gewerkschaften, wie ver.di und GEW. In der Diskussion werden u.a. die USA und Argentinien als Beispiele für große Frauenstreiks und Demonstrationen genannt, also Staaten, in denen inzwischen Sozialabbau mit der Kettensäge betrieben wird. Daher sei vor der Illusion gewarnt, dass die Frauenbewegung isoliert von anderen gesellschaftlichen Kräften eine andere Gesellschaft durchsetzen kann.
Erinnerung an spektakuläre Frauenstreiks und Aktionen
In den USA gab es vor 56 Jahren den ersten größeren Frauenstreiktag am 26. August 1970. Rund 50.000 Frauen streikten und demonstrierten für ein Recht auf Abtreibung, Chancengleichheit in der Arbeit und kostenlose Kinderbetreuung. Nach dem Wahlsieg von Trump wurde Women’s March am 21. Januar 2017 zu einer der größten Demonstrationen in der US-Geschichte.
In Island gelang es der Frauenbewegung am 24. Oktober 1975, dass 90% der isländischen Frauen beim »Kvennafrídagurinn« ihre Arbeit niederlegten, ob im Job oder zu Hause, in Büros, Schulen, Geschäften und Haushalten.
Stephanie Odenwald arbeitet mit in der Sozialistischen Studiengruppe.
[1] www.campact.de/blog/2025/12/frauenstreiks-geschichte-island-usa-schweiz-deutschland-2026/.
[2]Veronica Gaga: Für eine Feministische Internationale. Wie wir alles verändern. Münster 2021.


