27. September 2022 Heinz Bierbaum

Ford Saarlouis – Transformation auf kapitalistische Art

Im Zuge der Umrüstung auf Elektroautos hat die Ford-Zentrale in Detroit beschlossen, das Werk in Saarlouis zu schließen. 2025 soll die jetzige Produktion des Ford Focus auslaufen. Das als Nachfolge der bisherigen Automobilproduktion geplante Elektroauto soll nicht in Saarlouis, sondern im Werk in Valencia gebaut werden.

Von der beabsichtigten Schließung des Werkes sind über 6.000 Arbeitsplätze betroffen, 4.600 im Werk selbst und rd. 1.600 bei den dort ansässigen Zulieferern.

Das trifft die Region äußerst hart. Die Folgewirkungen sind enorm und gehen weit über den Automobilsektor hinaus. Die lokale und regionale Wirtschaft – Einzelhandel, Handwerk, Dienstleistungen – stehen vor erheblichen Einbußen, Wirtschafts- und Kaufkraft werden deutlich sinken. Auch das benachbarte Lothringen ist betroffen, da von dort viele Beschäftigte im Werk arbeiten.

Seit geraumer Zeit kämpfen Betriebsrat und IG Metall um das Werk in Saarlouis. Dieser Kampf war von vornherein stark durch die Konkurrenz mit dem Werk in Valencia bestimmt, hatte doch Ford einen Wettstreit zwischen den beiden Standorten ausgerufen. Das US-amerikanische Management hatte beide Standorte gegeneinander antreten und ein Zukunftskonzept ausarbeiten lassen. Der Gewinner sollte den Zuschlag für die Fertigung des neues E-Auto-Modells erhalten.

Es wurde massiver Druck ausgeübt, um die Kosten zu senken. Beide Standorte wurden permanent gegeneinander ausgespielt. IG Metall und Betriebsrat verurteilten dieses Vorgehen des Managements als unwürdig und unmoralisch, machten aber letztlich mit – wohl in der Überzeugung, gewinnen zu können. Um so enttäuschter war man dann über das Ergebnis. Das Werk in Saarlouis habe keine faire Chance gehabt, der Sieger von vornherein festgestanden. Man sei betrogen und belogen worden.

Mit dieser Entscheidung hat sich das europäische Ford-Management aus Sicht der IG Metall demaskiert. So erklärte die 1. Bevollmächtigte der IG Metall Köln-Leverkusen, Kerstin Klein, in einer Pressemitteilung vom 23.6.2022: »Wäre die Entscheidung im Sinne einer nachvollziehbaren Zukunftsstrategie auf betriebswirtschaftlichen Grundlagen gefällt worden, dann hätte aus Sicht des deutschen Gesamtbetriebsrates das Werk in Saarlouis den Zuschlag bekommen müssen. Wenn sich dies bewahrheiten sollte, dann ist klar, dass der gesamte Prozess lediglich dazu dienen sollte, die Belegschaften der beiden Standorte in ihrem Tarifgefüge nach unten zu drücken.«

»Hässlichste Seite eines profitgetriebenen Konzerns«

Seitens der Arbeitskammer des Saarlandes, die ebenfalls den Unterbietungswettbewerb scharf verurteilte, wurden darüber hinaus Defizite in der unternehmerischen Politik angeprangert.

Heinz Bierbaum ist Vorsitzender der Europäischen Linken und Mitherausgeber von Sozialismus.de.

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