24. Januar 2019 Christine Rudolf

Frauenstreik, wofür?

Am diesjährigen Frauentag wird es sowohl in der Schweiz,[1] in Österreich als auch in Deutschland einen Frauenstreik geben. In allen drei Ländern haben sich Frauengruppen gebildet, die nach dem spanischen Vorbild im Jahr 2018 landesweit Frauen dazu bringen wollen, für ihre Rechte zu streiken.

Anlass ist die Erkenntnis, dass die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern nicht wirklich erreicht ist – hundert Jahre nach Einführung des Wahlrechts für Frauen ein Skandal. Drei Themenbereiche stehen dabei im Zentrum: die staatliche Verfügung über den weiblichen Körper in Deutschland am Beispiel des § 218 und 219 StGB, die strukturelle körperliche Gewalt, der Frauen in ihrem persönlichen Umfeld ausgesetzt sind, und schließlich die Verteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit sowie der daraus resultierenden Verteilung von Armut.

Ausbeutung in der Sorge- und Versorgungs­wirtschaft

Das Volumen der bezahlten und unbezahlten Sorge- und Versorgungsarbeit in Deutschland ist fast drei Mal so groß wie Arbeit, die in den anderen Sektoren der Wirtschaft geleistet wird. Deshalb ist die Organisation und sind die Organisationsbedingungen, zu denen die Sorge- und Versorgungsarbeit innerhalb einer Gesellschaft geleistet wird, strukturierendes Element der elementaren Lebensbedingungen – mit Auswirkungen auf die Lebensbedingungen derer, die sie überwiegend leisten. Die Arbeitslogiken innerhalb der Sorge- und Versorgungsarbeit unterscheiden sich wesentlich von denen in den anderen Sektoren.

85% der Arbeitsstunden in der Sorge- und Versorgungswirtschaft werden von Frauen geleistet, werden die Arbeitsstunden, die unbezahlt und bezahlt geleistet werden, zusammengenommen. Männer haben bei der unbezahlten Pflegearbeit und der Kinderbetreuung in den vergangenen zehn Jahren zwar aufgeholt, wie aus der Zeitbudget-Erhebungsstudie des Statistischen Bundesamtes hervorgeht.

Dr. Christine Rudolf forscht seit fünf Jahren gemeinsam mit Mascha Madörin, Tove Soveland, Bettina Haidinger, Käthe Knittler und Silke Chorus über feministische Makroökonomie. Sie unterrichtet an der HTW-Berlin und ist geschäftsführender Vorstand der Genossinnenschaft Schokofabrik eG.
[1] In der Schweiz wird der Streiktag am 14. Juni 2019 stattfinden.

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Quelle: https://www.sozialismus.de/detail/artikel/frauenstreik-wofuer/