28. März 2024 Björn Radke: Die Erderwärmung in Europa schreitet immer schneller voran

Hitze, Dürre, Brände und Hochwasser

»Unsere neue Analyse zeigt, dass Europa mit dringenden Klimarisiken konfrontiert ist, die sich schneller entwickeln als unsere gesellschaftliche Vorsorge. Um die Widerstandsfähigkeit unserer Gesellschaften sicherzustellen, müssen die europäischen und nationalen politischen Verantwortlichen jetzt handeln, damit die Klimarisiken sowohl durch rasche Emissionssenkungen als auch durch entschlossene Anpassungsstrategien und -maßnahmen verringert werden.« Dies fordert Leena Ylä-Mononen, Exekutivdirektorin der Europäischen Umweltagentur (EUA), bei Vorstellung des Risikoberichtes, der am 11. März veröffentlicht wurde.

Extreme Hitze, Dürre, Waldbrände und Überschwemmungen, wie wir sie in den letzten Jahren erlebt haben, werden sich in Europa selbst in den optimistischen Szenarien der globalen Erwärmung verschlimmern und die Lebensbedingungen auf dem gesamten Kontinent beeinträchtigen. Die EUA hat inzwischen die erste European Climate Risk Assessment (EUCRA) (Europäische Klimarisikobewertung) veröffentlicht, die helfen soll, politische Prioritäten für die Anpassung an den Klimawandel und für klimasensible Branchen zu bestimmen.

Aus dieser Bewertung geht hervor, dass die europäischen Strategien und Anpassungsmaßnahmen nicht mit den sich rasant verschärfenden Risiken Schritt halten. In vielen Fällen wird eine schrittweise Anpassung nicht ausreichen, und da viele Maßnahmen zur Verbesserung der Klimaresilienz sehr zeitaufwändig sind, kann auch bei bisher noch nicht kritischen Risiken ein sofortiges Handeln erforderlich sein.

Manche Regionen in Europa sind Hotspots für mehrere Klimarisiken gleichzeitig. Südeuropa ist besonders gefährdet durch Waldbrände und durch die Auswirkungen von Hitze und Wasserknappheit auf die landwirtschaftliche Produktion, die Arbeit im Freien und die menschliche Gesundheit. Überschwemmungen, Erosion und das Eindringen von Salzwasser bedrohen tief gelegene Küstenregionen Europas, darunter viele dicht besiedelte Städte.

Der Sommer 2023 war der heißeste Sommer weltweit und der fünftheißeste für Europa. Waldbrände in der EU haben in diesem Jahr über 468.000 Hektar Wald verbrannt und viele Reiseziele im Süden und deren lokale Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen. Nach langen Perioden extremer Hitze und Trockenheit wurden auf Rhodos und Korfu innerhalb weniger Stunden ganze Gemeinden und ihre Lebensgrundlagen schwer getroffen. Mehr als 40% der 2023 verbrannten Fläche sind Natura 2000-Gebiete, was Schäden für Lebensräume und Arten mit sich bringt, die von diesen Ökosystemen abhängig sind. Die Hitzewellen in Bulgarien, Griechenland, Slowenien und der Türkei fielen mit Stark­regen und Sturzfluten zusammen, was zu Todesopfern und erheblichen wirtschaftlichen Verlusten führte.

Europa ist nicht auf die »katastrophalen« Folgen des Klimawandels vorbereitet. Laut einem neuen Bericht der Europäischen Umweltagentur (EUA) werden sich extreme Wettereignisse selbst »in optimistischen Szenarien« verschlimmern. Die EUA rechnet mit Hunderttausenden Toten und Schäden in Billionenhöhe. Die Folgen fallen je nach Region höchst unterschiedlich aus: Während im Süden der EU insbesondere das Risiko von – im schlimmsten Fall jährlichen – Dürren und Hitzewellen mit potenziell Zehntausenden von Todesfällen und der Zunahme von Tropenkrankheiten steigt, werden die Küsten durch Überflutungen bedroht. Allein die durch Überflutungen entstandenen Verluste könnten gegen Ende des Jahrhunderts eine Bio. Euro im Jahr betragen. Zum Vergleich: Zwischen 1980 und 2022 beliefen sich die durch Wetter- und Klimaextreme verursachten Verluste auf insgesamt 650 Mrd. Euro, davon wiederum jeweils mehr als 50 Mrd. 2021 und 2022.

Das Weltwirtschaftsforum mit Sitz in Davos/Schweiz hat in Zusammenarbeit mit der Strategieberatung Oliver Wyman eine Analyse zu den volkswirtschaftlichen Kosten der Folgen des Klimawandels aufgestellt.

Björn Radke ist Redakteur von Sozialismus.de.

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