28. November 2025 Torsten Teichert: Das Monopoly des Oligarchen Klaus-Michael Kühne: Hamburgs neue Oper und der kurze Olaf
Im Hafen der Haifische
In Bertolt Brechts »Dreigroschenoper« aus dem Jahr 1928 werden in der von Kurt Weill vertonten »Moritat von Mackie Messer« diese Zeilen gesungen: »Und der Haifisch, der hat Zähne, und die trägt er im Gesicht …« Wenn auf den Titelseiten der Hamburger Regionalzeitung ein Foto des Multimilliardärs und Steuerflüchtlings Klaus-Michael Kühne erscheint (und das ist ziemlich oft der Fall), schaut man in ein solches haifischartiges Gebiss, breit grinsend, noch breiter als Trump, mitten in einem fast quadratischen Schädel. Es ist das Zeitalter der Haifische.
Für die 1930 geplante Verfilmung der »Dreigroschenoper« fügte Brecht eine letzte Strophe dazu: »Denn die einen sind im Dunkel. | Und die andern sind im Licht.| Und man siehet die im Lichte. | Die im Dunkeln sieht man nicht.« Da, wo Kühne ist, da ist viel Licht. Aber auch viel Dunkel, zumindest hinter den dicken Samt-Vorhängen.
Kühne will Hamburg eine neue Oper schenken. Zuvor hatte noch niemand in Hamburg sich eine solche gewünscht. Doch nun will Hamburg das Geschenk annehmen. Und zwar um jeden Preis. Womit wir mitten im Haifisch-Becken der Hamburger Politik angekommen sind.
Zu erzählen ist die Moritat von einem hemmungslosen Oligarchen und einer liebedienerischen hanseatischen rot-grünen Senatspolitik, die sich dem Haifisch auf dem Silbertablett zur Selbstaufgabe präsentiert. Aus der Drei-Groschen-Oper wird so bitterböses Satyr-Spiel über Geld, Geschichte & Politik am Ende der deutschen Nachkriegszeit.
Hamburgs erste Oper nahe dem heutigen Gänsemarkt entstand 1678. Nach einem Umzug einige hundert Meter weiter und der Zerstörung durch alliierte Bomberangriffe 1943 in der Operation »Gomorrha« entstand in den 1950er-Jahren die Hamburgische Staatsoper, ein wunderbares Gebäude, ikonisch für Deutschlands Wiederaufbau – mit neuen Regeln in Politik und Architektur. Diese Oper ist ungefähr 20.000 Quadratmeter groß, steht unter Denkmalschutz, bietet aber angeblich zu wenig Platz für das, was eine moderne Oper heute leisten soll – was auch immer das sein mag.
Lange schon spukt Klaus-Michael Kühne in Hamburg herum. Gab dem HSV einige Millionen und noch mehr Ratschläge, die zu nichts führten. Beteiligte sich an der Reederei Hapag Lloyd und bekam dafür in einem einzigen Jahr über drei Milliarden Dividenden, die aufgrund der vom SPD-Kanzler Gerhard Schröder eingeführten und bis heute von Hamburgs Senat vehement verteidigten »Tonnagesteuer« für Schiffseigentümer de facto steuerfrei waren. Baute ein pompöses und geschmackloses Hotel an die Außenalster. Tauchte als Investor mit rund 500 Millionen Euro beim damals noch europaweit umjubelten Gauner-Immobilienmogul René Benko auf. Kühne war immer da, die Stadt gewöhnte sich an ihn. Dass sein (ehemaliger) Freund Benko zwischenzeitlich einen großen Anteil der Wiener Kronen-Zeitung von der Funke-Medien-Gruppe abkaufte, in der auch das Hamburger Abendblatt erscheint, dürfte seinem Presse-Standing keinen Abbruch getan haben. Kühne hat viele Claqueure.
Der Opa von Klaus-Michael hatte 1890 in Bremen zusammen mit seinem Bruder das Speditionsgeschäft »Kühne+Nagel« gegründet, das heute weltweit zu den 600 größten Familienunternehmen gehört.
Torsten Teichert war von 1986 bis 1988 persönlicher Referent des Hamburger Bürgermeisters Klaus von Dohnanyi, leitete sieben Jahre Hamburgs kulturelle Filmförderung und war von 2000 bis 2017 Vorstandsvorsitzender eines börsennotierten Finanzunternehmens sowie ab 2017 für eine Legislaturperiode Vizepräsident der Hamburger Handelskammer. Er war über 40 Jahre lang Mitglied in der SPD. Im VSA: Verlag erschien von ihm im Frühjahr 2024 die Flugschrift »Die Entzauberung eines Kanzlers. Über das Scheitern der Berliner Politik«.


