29. Mai 2026 Björn Radke
Klimaschutz ist teuer – Bremsen wird noch teurer
Eine vom Forschungsinstitut Frontier Economics im Auftrag der DIHK[1] (Deutsche Industrie- und Handelskammer) erstellte Studie kommt zu dem Schluss, dass die laufenden und zukünftigen Kosten der Energiewende in Deutschland drastisch steigen könnten. Zwischen 2025 und 2049 summieren sich die Gesamtkosten nach aktuellen Berechnungen auf 4,8 bis 5,4 Bio. Euro.
Die Analyse macht deutlich, dass ohne eine grundlegende Neujustierung der Energiepolitik erhebliche Belastungen für Unternehmen, Verbraucher*innen und öffentliche Haushalte drohen.
Deutschland müsste für die Umsetzung der aktuellen Energiewende-Politik 4,8 bis 5,4 Bio. Euro aufbringen. Diese Summe ergibt sich aus Investitionen, Netzkosten, Betriebskosten und Energieimporten. Aufgeteilt bedeutet dies:
- Energieimporte: 2,0 bis 2,3 Bio. Euro – damit größte Einzelkomponente;
- Netzinfrastruktur (Ausbau & Betrieb): rund 1,2 Bio. Euro;
- Neue Erzeugungskapazitäten (CAPEX): 1,1 bis 1,5 Bio. Euro;
- Betriebskosten der Kraftwerke (OPEX): 495 bis 498 Mrd. Euro.
Um die politisch gesetzten Energie- und Klimaziele zu erreichen, müssen zum Beispiel 2035 rund 113 bis 316 Mrd. Euro investiert werden – mehr als eine Verdopplung gegenüber heute. Derzeit liegen die jährlichen energiewendebedingten Investitionen im Mittel bei 82 Mrd. Euro. Ab 2030 steigen die Gesamtkosten für Erzeugung, Netze, Betrieb und Importe auf 212 bis 229 Mrd. Euro pro Jahr – bei ungünstigeren technologischen Lernkurven sogar auf bis zu 257 Mrd. Euro.
Die Studie des DIHK setzt als Konsequenz auf einen »technologieoffenen, marktorientierten Ansatz«, der die Gesamtsystemkosten bis 2050 um 530 bis 910 Mrd. Euro senken könnte– das entspricht 11% bis 17% Kostenreduktion. Ein großer Kostenblock seien die Importe. Trotz ambitionierter Ausbauziele für erneuerbare Energien wird Deutschland auch langfristig erhebliche Energiemengen einführen müssen. Nach den Zahlen der Studie summieren sich diese Importkosten bis 2049 auf 2,0 bis 2,3 Bio. Euro, abhängig von den zugrunde gelegten Technologie- und Preisentwicklungen. Diese Kosten beinhalten die Herausforderung, das Energiesystem gegen geopolitische Spannungen und Preisschwankungen abzusichern. Konkret gemeint sind die Einführungen von aus Fracking gewonnenem LNG-Gas, das in den USA zwar kostengünstig gefördert wird, aber als importiertes Flüssiggas (LNG) nach Deutschland nicht billig ist, da zu den reinen Förderkosten die teure Verflüssigung, der Transport per Schiff und die Regasifizierung hinzukommen.
Die Entscheidung der Ampelregierung, auf das in der Anschaffung teure LNG-Gas zu setzen, erklärt sich aus dem Bemühen, mit Beginn des russischen Angriffskrieges und der damit verbundenen Kappung der Gasimporte aus der energiepolitischen Abhängigkeit Russlands aussteigen zu können. Für Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sind die Ergebnisse der DHIK eine Steilvorlage für ihren Bremskurs bei der Energiewende. In ihrer wilden Entschlossenheit nimmt sie auch massive Kritik in Kauf, wie jüngst durch den Normenkontrollrat, der mit scharfen Worten das vom Bundeskabinett beschlossene Gebäude-Modernisierungsgesetz (GModG) kritisiert. Der Normenkontrollrat reagierte mit heftiger Kritik auf den Gesetzentwurf zum Einbau von Heizungen. Dessen Chef Lutz Goebel bezeichnete den Gesetzentwurf als eines der »handwerklich schwächsten und praxisfernsten Vorhaben, die dem Nationalen Normenkontrollrat in den vergangenen Jahren vorgelegt wurden«.
Björn Radke ist Redakteur von Sozialismus.de.
[1] www.dihk.de/de/newsroom/aktuelle-energiewende-politik-kostet-bis-zu-5-4-billionen-euro-141284.


