27. Juni 2021 Stefanie Holtz/Florian Wilde

Macht gemeinsame Sache!

Foto: IG Metall Jugend (Fotograf: Thomas Range)

»Wir stehen vor einer Wahl: Entweder gute Gewerkschaften aufbauen, robuste Tarif­verhandlungen und Streiks möglich machen – oder uns von der Demokratie verabschieden.« (Jane McAlevey)

Am 24. Mai 2019 gingen auf der ganzen Welt in über 1.300 Protestaktionen fast zwei Millionen Menschen gegen die Zerstörung des Planeten auf die Straße. Einer Bewegung, die niemand vorausgesehen hatte, gelang es innerhalb weniger Monate, die politische Agenda in vielen Industrieländern nachhaltig zu beeinflussen. Ebenso überraschend wurden die USA ab 2018 von der größten Streikwelle seit Jahrzehnten erfasst, getragen vor allem von jungen Lehrer:innen und Beschäftigten des Gesundheitssektors. In beiden Fällen meldete eine junge Generation ihren Anspruch auf demokratische Teilhabe an. Es ist eine Generation, die nicht hinnehmen will, dass unsere Wirtschaftsweise den Planeten und damit auch ihre Zukunft zerstört. Eine Generation, die keine Lust mehr hat, mit schlechteren Jobs als ihre Eltern in ein prekäres Berufsleben zu starten. Eine Generation, die echte Veränderungen fordert und die daher vor der großen Frage steht: Welche gesellschaftliche Kraft kann wie und mit welchen Methoden die notwendigen, umfassenden Veränderungen durchsetzen?

Vor allem an diese Generation wendet sich Jane McAlevey in diesem Buch mit dem Plädoyer, auf der Straße und in der Arbeitswelt Missstände nicht länger hinzunehmen. Und sie begründet, warum wir im 21. Jahrhundert für Verteidigung und Ausbau der Demokratie, für eine Umkehr der Umverteilung des Reichtums, für die Bekämpfung des Klimawandels und für eine Gestaltung der kommenden Umbrüche in der Arbeitswelt starke und beteiligungsorientierte Gewerkschaften brauchen.


Gewerkschaften

Erforderlich sind Gewerkschaften mit echter Organisationsmacht in den Ausbildungsstätten und Betrieben, die nicht am Betriebstor stehen bleiben, sondern den Anspruch erheben, Gesellschaft insgesamt im Interesse der arbeitenden Menschen mitzugestalten. Gewerkschaften, die ihr politisches Mandat offensiv wahrnehmen und sich gesellschaftspolitisch einbringen, konsequent im Einsatz für die Rechte von Arbeitnehmer:innen: Frauen wie Männern, jung wie alt, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, ob homo, divers oder hetero. Gewerkschaften, die auch für junge Menschen attraktiv sind, damit sie ihre Forderungen durchsetzen und die Welt nach ihren Bedürfnissen mitgestalten können.

Gerade auch jüngere Beschäftigte brauchen nicht nur eine starke Vertretung gegenüber ihrem Arbeitgeber, um auskömmliche Löhne und gute Arbeit zu erreichen. Sie brauchen auch eine starke Vertretung in der Gesellschaft, damit explodierenden Mieten und drohenden Armutsrenten ein Ende bereitet und zugleich eine gute (Aus-)Bildung und eine öffentliche soziale Daseinsvorsorge von den Kitas bis zu den Krankenhäusern durchgesetzt werden können.

Stefanie Holtz ist Bundesjugendsekretärin der IG Metall und Leiterin des Ressort Junge IG Metall und Studierende; Florian Wilde ist Referent für Gewerkschaftliche Erneuerung und internationale Gewerkschaftspolitik in der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Bei diesem Text handelt es sich um den Vorabdruck des Vorworts zu dem neuen Buch von Jane McAlevey Macht. Gemeinsame Sache. Gewerkschaften, Organizing und der Kampf um die Demokratie, das von der IG Metall Jugend und der Rosa-Luxemburg-Stiftung gemeinsam herausgegeben wird und im Juli im VSA: Verlag erscheint.

Die komplette Leseprobe als pdf-Datei!

Quelle: https://www.sozialismus.de/detail/artikel/macht-gemeinsame-sache-1/