23. August 2025 Stephan Krull: Was geschieht mit VW in Osnabrück?

Panzer statt Porsche? – Nein-Sagen genügt nicht

Im Herbst 2024 kündigt der VW-Vorstand den Abbau von 30.000 Arbeitsplätzen an. Es werden Entlassungen und Schließung mehrerer Standorte angekündigt. Ein Tabubruch, da der Ausschluss betriebsbedingter Entlassungen von den Arbeiter*innen seit 1994 durch Zugeständnisse beim Lohn selbst bezahlt wurde.

Ein Tabubruch, weil in der VW-Satzung und im VW-Gesetz festgelegt ist, dass der Aufsichtsrat der »Errichtung und Aufhebung von Zweigniederlassungen« zustimmen muss.

Belegschaftsvertreter und das Land Niedersachsen verfügen über eine Mehrheit von 12:20 Stimmen im Aufsichtsrat. Im Ergebnis von Protesten und Verhandlungen mit der IG Metall wurde für alle Standorte außer Dresden und Osnabrück der Ausschluss betriebsbedingter Entlassungen bis 2030 zugesagt.[1] In Osnabrück werden das T-Roc-Cabrio und der Porsche 718 noch bis September 2027 produziert. Die Zukunft danach ist höchst unsicher. Aus der Landesregierung und dem Betriebsrat kommt die rhetorische Frage, was man denn machen solle, wenn es doch keine Aufträge gäbe.

Nun hat Rheinmetall in Aussicht gestellt, in der Fabrik Militärfahrzeuge herzustellen. Rheinmetall und der VW-Konzern kooperieren schon seit 15 Jahren im Gemeinschaftsunternehmen »Rheinmetall MAN Military Vehicle« und bauen bei RMMV viele Kriegsgeräte und mit dem Survivor einen Polizeipanzer »für die Straßenschlacht«.[2] Angesichts der Rolle von VW und Rheinmetall bei der verbrecherischen Kriegsvorbereitung und Kriegsführung der deutschen Wehrmacht und der Zwangsarbeit im NS-System sollte man annehmen, dass beide einer neuen Kriegsvorbereitung fernbleiben.

Die besondere Geschichte von Volkswagen schließt den Verkauf an Rheinmetall aus. Doch der CDU-Wahlkreisabgeordnete aus Wolfsburg erklärt in orwellscher Art die wachsende Rüstungsindustrie: »Wir haben ja gute Voraussetzungen: Autobahn, Mittellandkanal, Kraftwerke und Personal. Es geht ja nicht um Krieg. Kriegsfähigkeit erhält den Frieden.«[3]

Die Osnabrücker Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) betont, »dass wir ganz eindeutig eine Zukunft als Standort für zivile Automobilproduktion bevorzugen. Zur Verantwortung gegenüber den Beschäftigten und der Stadt insgesamt gehört aber auch, offen für Alternativen zu sein.«[4] Eine Rüstungsproduktion, so schreibt die NOZ weiter, würde in Osnabrück zu Diskussionen führen. Denn die Identität als Friedensstadt sei ein elementarer Teil der Osnabrücker DNA, »die uns verpflichtet, besonders sorgsam und verantwortungsvoll mit solchen Themen umzugehen«. Sollte sich das Interesse von Rheinmetall am Standort Osnabrück konkretisieren, werde diese Diskussion in der Stadtgesellschaft respektvoll geführt.

Eine Perspektive jenseits von Rheinmetall

Der öffentliche Nahverkehr muss im ganzen Land ausgebaut werden. Bundesweit leben in ländlichen Regionen etwa 30 Mio. Menschen. Große Busse mit festem Fahrplan und Haltestellen taugen noch für den Schülerverkehr, sind ansonsten aber nicht mehr zeitgemäß.

Stephan Krull war langjähriges Mitglied des Betriebsrats bei VW in Wolfsburg, ist jetzt u.a. bei Attac und in der Rosa-Luxemburg-Stiftung als Autor aktiv.

[1] Unter die Vereinbarung fallen die Standorte Wolfsburg, Braunschweig, Salzgitter, Kassel, Hannover, Emden, Zwickau und Chemnitz.
[2] www.n-tv.de/auto/Survivor-R-Martialisches-fuer-die-Strassenschlacht-article23082462.html.
[3] www.waz-online.de/lokales/wolfsburg/vw-krise-alexander-jordan-will-ueber-ruestungsindustrie-nachdenken-R5QU3Z72WJDU7MG3MRRPM4RBCM.html.
[4] www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/militaerautos-bei-vw-osnabrueck-das-sagt-die-oberbuergermeisterin-48536196.

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