30. April 2026 Jörg Köhlinger: Gewerkschaftspolitik in Zeiten des Wandels

Strategie einer Solidarischen Offensive


Die Lage ist dramatisch

Die wirtschaftliche Ausgangslage ist ausgesprochen schwierig. Der Arbeitsplatzabbau ist dramatisch, der europäische, insbesondere der deutsche Industriestandort, ist in Schieflage geraten.

Der regelbasierte internationale Handel wird teilweise in Frage gestellt und Handelsbarrieren unterschiedlichster Art an den jeweiligen Grenzen der Staaten hochgezogen. Mögliche Handelsabkommen der Europäischen Union mit den Mercosur-Staaten und Indien bieten Chancen, allerdings erst mittelfristig und langfristig. Hinzu kommt der – mal mehr, mal weniger virulente – Handelskonflikt zwischen den Großmächten Volksrepublik China und USA.

Die unter dem Schlagwort Globalisierung vorangetriebene Verflechtung der Wirtschaft der vergangenen Jahrzehnte ist fragil und teilweise in Auflösung. Bereits während der Pandemie und dann in Folge des Kriegs in der Ukraine hat sich gezeigt, wie anfällig weltweite Märkte für Waren und Dienstleistungen sowie für die internationale Arbeitsteilung sind.

Für die IG Metall war die Globalisierung nie widerspruchsfrei. Einerseits sicherte die auf Export ausgerichtete industrielle Produktion Standorte und Beschäftigung, andererseits wurden auch in den »guten« Jahren Arbeitsplätze durch die Arbeitgeber in Niedriglohnländer verlagert. Hinzu kommt, dass die Globalisierung von mächtigen Wirtschaftsinteressen dominiert ist, wie die der Investmentfonds oder der transnationalen Konzerne, und das Leitbild der Neoliberalismus war.

In der aktuellen Krise kommt hinzu, dass die Transformation bei anhaltend hohen Energiepreisen beschäftigtenorientiert bewältigt werden muss. Wir haben es somit nicht nur mit einer zyklischen Krise der kapitalistischen Wirtschaftsweise zu tun. Wir stecken mitten in einer strukturellen Krise. Das auf Export ausgerichtete Geschäftsmodell des inländischen Industriestandortes ist merklich unter Druck.

Arbeitgeber haben Commitment aufgekündigt

Das in der Finanzmarktkrise und während der Pandemie zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite geltende Commitment »Keine Entlassungen in der Krise« ist von Seiten der Arbeitgeber aufgekündigt worden. Es hilft wenig darüber zu klagen, dass Fehleinschätzungen der Manager über die Marktentwicklungen und eine unzureichende Innovationsfähigkeit zur aktuellen Lage erheblich beigetragen haben und jetzt die Beschäftigten treffen.

Gesamtmetall und die regionalen Arbeitgeberverbände lobbyieren mit der IG Metall, wenn es um Schutzmaßnahmen für die Wirtschaft geht. Gleichzeitig findet durch die Arbeitgeber ein brutaler Arbeitsplatzabbau statt. Das System des Flächentarifvertrages ist stark unter Druck und wird von einigen Arbeitgeberverbänden grundsätzlich in Frage gestellt.

Jörg Köhlinger ist Bezirksleiter des IG Metall Bezirks Mitte, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Thüringen. Die Positionsbestimmung steht am 6. Mai auf der Bezirkskonferenz mit haupt- und ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen zur Diskussion. 

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