23. Oktober 2025 Friedrich Steinfeld: Der Nahe Osten auf dem Weg zum »ewigen Frieden«?

Waffenstillstand in Gaza!?

In Gaza waren seit dem terroristischen Großangriff der Hamas gegen Israel am 7. Oktober 2023 bis vor kurzem ein Waffenstillstand und ein Ende des Krieges kaum vorstellbar. Der Krieg Israels gegen die Hamas und das palästinensische Volk in Gaza schien endlos.

Zu Beginn des Jahres sprach Donald Trump noch von der Metamorphose des Gazastreifens von einem Kriegsschauplatz zu einer »goldenen Riviera«, aber ohne Palästinenser*innen. Damit stieß er die gesamte arabische Welt erneut vor den Kopf. Das Küstengebiet sei eine Goldgrube, sagte sein Schwiegersohn Jared Kushner, der über weitreichende Geschäftsbeziehungen in den Nahen Osten verfügt, bei einem Auftritt an der Universität Harvard Ende 2024. »Aus Israels Sicht wäre es das Beste, man würde die Leute dort wegbekommen und aufräumen.« (NZZ online vom 4.10.25) Ins gleiche Horn stieß Israels rechtsextremer Finanzminister Bezalel Joel Smotrich, der sich von einem Immobilien-Deal in Gaza eine Finanzierung der Kriegskosten versprach. Denn die natio­nal-religiöse israelische Regierung gerät angesichts der kriegsbedingten Wirtschaftsflaute und rasant wachsender Staatsverschuldung und Zinslast auch wirtschaftlich immer mehr unter Druck. Dann überraschte Trump mit seinem 20-Punkte-Friedensplan für Gaza die Weltöffentlichkeit.

Trumps überraschende Wende im Gaza-Krieg

Auf der Grundlage des 20-Punkte-Plans, den Jared Kushner, der Sondergesandte Steve Witkoff sowie Tony Blair seit Herbst letzten Jahres ausgearbeitet haben, konnte Trump einen Durchbruch im Gaza-Krieg erzielen und einen Waffenstillstand durchsetzen. Eine neue Ära in Nahost soll damit eingeläutet werden. »Dies ist einer der wichtigsten Momente unserer Zivilisation. Der ewige Frieden im Nahen Osten ist erreicht«, kommentierte Trump seinen Plan in bekannter Selbsthuldigung.

Den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu zwang Trump, dem Plan zuzustimmen, die Kampfhandlungen einzustellen und die israelischen Truppen auf eine bestimmte Linie in Gaza zurückzuziehen. Hamas stellte er ein Ultimatum: Sollte sie nicht innerhalb von drei Tagen einwilligen, würde für sie »die Hölle ausbrechen«. Plötzlich zogen alle am gleichen Strang – die USA sowie acht arabische und muslimische Staaten: Saudi-Arabien, Jordanien, Ägypten, Vereinigte Arabische Emirate, Katar sowie Indonesien, Pakistan und die Türkei. Diese Staaten übten ebenfalls Druck auf die Hamas aus und drohten für den Fall der Ablehnung mit einer Einstellung der bisherigen Unterstützung. Mittlerweile sind die noch lebenden Geiseln von der Hamas freigelassen geworden, sowie ca. 2.000 palästinensische Häftlinge, zum großen Teil ohne rechtskräftiges Verfahren in israelischer Haft.

Bevor auf die Hintergründe des überraschenden Waffenstillstandes eingegangen wird, sollen zunächst die Chancen für dessen Stabilität sowie für einen nachhaltigen Frieden im Nahen und Mittleren Osten genauer eingeschätzt werden. Der Waffenstillstand ist auf jeden Fall zu begrüßen, da das unmittelbare Leiden des palästinensischen Volkes unter dem Krieg zunächst einmal vorüber ist und alle noch lebenden israelischen Geiseln wieder nach Hause zurückkehren konnten. Beides muss als Leistung Trumps anerkannt werden. Dass er aber die Kriegsverbrechen und die genozidale Kriegsführung der israelischen Regierung in Gaza so lange unterstützt hat, bevor er endlich die Reißleine zog, kann nicht ausgeblendet werden, wenn er jetzt als der große Friedensbringer gefeiert wird.

Der Übergang in einen längerfristigen und nachhaltigen Frieden ist mit einer Vielzahl von Risiken behaftet. Wie fragil der Waffenstillstand schon jetzt ist, zeigt der Luftangriff der israelischen Armee gegen mehrere Ziele in Gaza, bei denen mindestens elf Personen getötet worden sein sollen. Israel behauptet, von Hamas-Kämpfern angegriffen worden zu ein. Die Hamas streitet eine Verletzung des Waffenstillstandes ab. Das alles lässt sich, wie meistens, nicht unabhängig überprüfen.

Ein Friedensplan mit großen Risiken

Im neuen Gaza-Plan soll die palästinensische Bevölkerung im Land bleiben, der Wiederaufbau durch die arabische Welt gestaltet und die Basis für die Rückkehr zu einer palästinensischen Verwaltung gelegt werden.

Friedrich Steinfeld ist Diplom-Psychologe, arbeitet mit in der Sozialistischen Studiengruppe (SOST), zuletzt schrieb er in Heft 10-2025: » Quo vadis, Israel? Ein genozidales Regime mit geo-politischem Risiko«. 

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