31. August 2025 Redaktion Sozialismus.de: Zum Antikriegstag 2025
Aktionen gegen Rüstungswahn und Militarisierung
Bereits am Wochenende vor dem Antikriegstag am 1. September gab es zahlreiche Protestaktionen gegen die neue Aufrüstung und Militarisierung der Gesellschaft.
So hatten unter anderem am Samstag mehr als 3.000 Teilnehmer*innen an einer von dem Antikriegs-Bündnis »Rheinmetall entwaffnen« organisierten Demonstration in Köln teilgenommen, die von der Polizeit wegen »wiederholten Verstößen gegen das Versammlungsrecht« und »Angriffen auf Beamte« (zwölf Polizisten seien verletzt worden – vier hätten den Dienst beenden müssen) aufgelöst wurde.
Ein dpa-Reporter beobachtete, wie ein harter Kern von Demonstranten bis tief in die Nacht hinein eingekesselt wurde. Demonstranten warfen der Polizei vor, einige von ihnen ohne Versorgung festzuhalten, zudem hätte es unter ihnen 40 bis 60 Verletzte gegeben, die nicht ins Krankenhaus gelassen worden seien.
Die bisherigen und auch die angekündigten Demonstrationen für Montag am Antikriegstag richten sich in vielen Städten gegen die Politik der Bundesregierung zur massiven Aufrüstung und insbesondere gegen die Aktivitäten des Rüstungskonzern Rheinmetall. Dieser hatte im niedersächsischen Unterlüß am Mittwoch mit großem Medienaufwand die neue Munitionsfabrik in Betrieb genommen.
Die neue Fabrik sei »das größte Munitionswerk Europas, wenn nicht gar der Welt«, prahlte Rheinmetall-Vorstand Armin Papperger zur Eröffnung und lobte den anwesenden Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) und den Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) für den jüngsten Einsatz der Bundesregierung bei der Aufrüstung. Damit würden die materiellen Voraussetzungen geschaffen, »um die Bundeswehr voll ausgestattet« und »kriegstauglich« zu machen. Auch NATO-Generalsekretär Mark Rutte war vor Ort.
Noch im Jahr 2024 sollen in dem Werk 25.000 Stück Artilleriemunition des Kalibers 155 Millimeter entstehen, ab 2027 soll die Produktion auf bis zu 350.000 Stück pro Jahr gesteigert werden. Rheinmetall will ab kommendem Jahr auch Raketenmotoren im Landkreis Celle produzieren. Rund 500 neue Arbeitsplätze sollen an dem Standort entstehen. Für die neuen Produktionen und weiteren Modernisierungsvorhaben wurden laut Rheinmetall knapp 500 Millionen Euro investiert.
Die Initiative »Friedensratschlag Lüneburger Heide« hatte zur Eröffnung des neuen Werks Protesten aufgerufen: »Aus dieser Fabrik kommt nichts Gutes [...] Die Kriege überall auf der Welt dürfen nicht aufhören, sonst droht in der Region zukünftig Arbeitslosigkeit.« Wohl wahr, denn inzwischen hat der Rüstungskonzern weiter Lunte gerochen und plant offenbar, in den Marineschiffbau einzusteigen.
Dazu hat er Blohm + Voss in den Blick genommen, das Unternehmen gehört seit 2016 zur Bremer Lürssen Gruppe. Jetzt soll die Hamburger Traditionswerft offenbar aufgespalten werden, der zivile Bereich, der den Yachtbau und das sogenannte Refit (Reparatur, Modernisierung und Instandhaltung von Schiffen und Yachten, die über den normalen Wartungsaufwand hinausgehen) umfasst, würde Medienberichten zufolge bei Lürssen bleiben, der militärische Bereich soll zun Rheinmetall gehen.
Der Aufwuchs von Rüstunsgproduktion und Militarisierung stellt eine schwierige Herausforderung für die Gewerkschaften und insbesondere die IG Metall dar, die die Interessen auch der dort Beschäftigten vertreten muss. Zugleich gehören sie seit mehr als 60 Jahren gemeinsam mit Friedensgruppen zu den Unterstützern und Organisatoren des jährlichen Antikriegstags am 1. September, der an den Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939 erinnert.
Auch in diesem Jahr hat der DGB eine Erklärung zum Antikriegstag unter dem Motto »Für eine Politik der Friedensfähigkeit! Nie wieder Krieg – in Deutschland, Europa und weltweit!« veröffentlicht. Die zahleichen Kundgebungen, Demonstrationen und andere Aktivitäten der Friedensbewegung sind auf der Seite des Netzwerks Friedenskooperative aufgeführt.













