Hajo Funke
Die Höcke-AfD
Eine rechtsextreme Partei in der Zerreißprobe
Aktualisierte Ausgabe 2021
136 Seiten | EUR 10.00
ISBN 978-3-96488-093-2

Erinnerung an Axel Troost

Wir erinnern an unseren viel zu früh verstorbenen Mitstreiter, Autor und Freund mit einem ihm gewidmeten Supplement in der Februar-Ausgabe 2023.

Malte Müller/Richard Rohnert/Petra Wolfram (Hrsg.)
Vorwärts und nichts vergessen!
Aus der Geschichte lernen
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72 Seiten | EUR 7.00
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Malte Müller/Richard Rohnert/Petra Wolfram (Hrsg.)
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Krzysztof Pilawski/Holger Politt
Ein Krieg, der keiner sein sollte
Russlands Überfall auf die Ukraine aus Sicht unmittelbarer Nachbarn
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176 Seiten | EUR 16.80
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Michael Brie
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M. Müller/R. Rohnert/P. Wolfram (Hrsg.)
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3. Januar 2023 Redaktion Sozialismus.de: Aktuelle Prognosen für die Weltwirtschaft

Der IWF erwartet ein »wirtschaftlich schwieriges Jahr 2023«

IWF-Chefin Kristalina Georgiewa

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) rechnet für das Jahr 2023 mit einer besseren wirtschaftlichen Entwicklung für die Berliner Republik als zunächst erwartet. Mitte Oktober noch hatte die Bundesregierung vor allem wegen der Energiepreiskrise und der anhaltend hohen Inflation ihre Konjunkturprognose deutlich gesenkt.

Die Regierung rechnete für 2022 nur noch mit einem kleinen Wirtschaftswachstum von 1,4% und ging davon aus, dass sie im Jahr 2023 sogar um 0,4% schrumpft. Auch etliche Wirtschaftsforschungsinstitute hatten von einer milde ausfallenden Rezession gesprochen. Selbst wenn es zu einer »technischen Rezession«, also einem Sinken des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in zwei Quartalen nacheinander, komme, könnte diese anders als befürchtet eher schwächer ausfallen, hieß es dieser Tage aus Kreisen des Bundeswirtschaftsministeriums zum Entwurf des Jahreswirtschaftsberichts. Daran hätten die Entlastungspakete der Regierung sowie der milliardenschwere »Abwehrschirm« und die dazugehörigen Gas- und Strompreisbremsen einen wesentlichen Anteil.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet dagegen eher mit einem wirtschaftlich schwierigen Jahr 2023. Es werde schwieriger als das alte, sagte deren geschäftsführende Direktorin Kristalina Georgiewa, »härter sein als das Jahr, das wir hinter uns lassen […] Warum? Weil sich die drei großen Volkswirtschaften – die USA, die EU und China – alle gleichzeitig abschwächen«.

Bereits Anfang Dezember hatte die IWF-Chefin erklärt, dass sich die Perspektiven für die Weltwirtschaft immer mehr eintrübten. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Wachstum 2023 unter 2% liegen werde, nähme zu und verwies auf anhaltende Belastungen durch den Krieg in der Ukraine, der unter anderem die Energiepreise nach oben getrieben hat.

Besonders besorgt zeigte sie sich wegen der Abkühlung in China. Die rasant steigenden Corona-Infektionen in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt verhießen nichts Gutes für die Weltwirtschaft. In seiner Prognose vom Oktober hatte der IWF das Wachstum des chinesischen BIP für das vergangene Jahr auf 3,2% beziffert, was dem globalen Ausblick des Fonds für 2022 entsprach. Damals ging der IWF davon aus, dass sich das jährliche Wachstum in China im Jahr 2023 auf 4,4% beschleunigen würde.

Seither hat sich die globale Wirtschaftsaktivität weiter verlangsamt. »Zum ersten Mal seit 40 Jahren wird Chinas Wachstum im Jahr 2022 wahrscheinlich auf oder unter dem globalen Wachstum liegen«, sagte Georgieva in einem Interview mit dem US-Sender CBS. Darüber hinaus werde ein »Buschfeuer« von erwarteten Covid-Infektionen in den kommenden Monaten die chinesische Wirtschaft weiter belasten und sowohl das regionale als auch das globale Wachstum beeinträchtigen. »In den nächsten Monaten wird es für China schwierig werden, und die Auswirkungen auf das chinesische Wachstum werden negativ sein, die Auswirkungen auf die Region werden negativ sein, die Auswirkungen auf das globale Wachstum werden negativ sein.«

Schon im Oktober hatte der IWF seine Prognosen für das globale Wirtschaftswachstum im Jahr 2023 wegen der Belastung durch den Krieg in der Ukraine, des Inflationsdrucks sowie der hohen Zinssätze zurückgenommen. Diese wurden von Zentralbanken wie der US-Notenbank eingeführt, um den Preisdruck zu dämpfen. Die Schätzung für das weltweite BIP-Wachstum 2023 wurde damals auf ca. 2,7% geschätzt.

Inzwischen hat die Volksrepublik China ihre restriktive Zero-Covid-Politik aufgegeben und damit eine – wenn auch chaotische – Wiederbelebung ihrer Wirtschaft eingeleitet, obwohl die Verbraucher*innen dort angesichts des Anstiegs der Coronavirus-Fälle weiterhin vorsichtig sind. Und die schnelle Wende hat das Gesundheitssystem des Landes angesichts eines alarmierenden Anstiegs der Fälle überfordert. Nach den Erfahrungen anderer Länder wird erwartet, dass die Infektionsflut chinesische Wirtschaft stark beeinträchtig und damit auch die fragile Erholung in den globalen Lieferketten zurückwirft. Außerdem besteht das Risiko einer neuen Virusavariante, die sich auf andere Teile der Welt ausbreitet.

In seiner Neujahrsansprache rief Präsident Xi Jinping zu mehr Anstrengung und Einigkeit auf, da China in eine »neue Phase« eintrete. Georgievas Äußerungen deuten jedoch darauf hin, dass im Laufe dieses Monats eine weitere Senkung der Wachstumsaussichten für China und die Weltwirtschaft bevorstehen könnte, wenn der IWF während des Weltwirtschaftsforums in Davos (Schweiz) aktualisierte Prognosen vorstellt.


US-Wirtschaft »am widerstandsfähigsten«

Die US-Wirtschaft dagegen, so die IWF-Chefin, hebe sich von anderen ab und kann die völlige Schrumpfung vermeiden, von der bis zu einem Drittel der weltweiten Volkswirtschaften betroffen sein dürfte: »Die USA sind am widerstandsfähigsten und könnten eine Rezession vermeiden. Wir sehen, dass der Arbeitsmarkt ziemlich stark bleibt.«

Diese Tatsache allein stelle jedoch ein Risiko dar, denn sie könnte die Fortschritte behindern, die die Fed machen muss, um die Inflation in den USA auf das angestrebte Niveau zurückzuführen. Diese habe Ende 2022 zwar ihren Höchststand überschritten, bleibe aber nach dem von der Fed bevorzugten Maß fast dreimal so hoch wie ihr Ziel von 2%. »Dies ist […] ein gemischter Segen, denn wenn der Arbeitsmarkt sehr stark ist, muss die Fed die Zinssätze möglicherweise länger straff halten, um die Inflation zu senken.«

Im vergangenen Jahr hatte die Fed ihren Leitzins von nahezu Null auf die derzeitige Spanne von 4,25-4,50% angehoben, zudem prognostizierten Fed-Beamte im letzten Monat, dass der Leitzins im Jahr 2023 die 5%-Marke überschreiten wird – ein Niveau, das seit 2007 nicht mehr erreicht wurde.

Der US-Arbeitsmarkt wird in der Tat ein zentrales Thema für das Fed-Team sein, das gern eine Abschwächung der Nachfrage nach Arbeitskräften sehen würden, damit der Preisdruck verringert würde. In der ersten Woche des neuen Jahres stehen eine Reihe von Schlüsseldaten zum Arbeitsmarkt an, darunter der monatliche Bericht über die Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft.

Die Arbeitslosenquote in den USA liegt bei 3,7%, und die Zahl der neu angebotenen Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft lag im November mit 263.000 höher als erwartet. Ökonomen der Bank Morgan Stanley gehen davon aus, dass die Arbeitslosenquote im Dezember unverändert bleibt und die Unternehmen in den USA 185.000 neue Arbeitsplätze schaffen werden. Es wird erwartet, dass die Arbeitslosenquote nahe dem niedrigsten Stand seit den 1960er-Jahren verharrt. Die USA »können eine Rezession vermeiden«, weil die Arbeitslosigkeit so niedrig ist, unterstrich Gregorieva in ihrem Interview.

Andere Experten schätzen die Entwicklung der US-Wirtschaft und auch der Eurozone verhaltener ein: Laut »Capital Economics« besteht eine 90%ige Wahrscheinlichkeit, dass die USA in den nächsten sechs Monaten in eine Rezession rutschen werde. »Während die Rezession in den USA wahrscheinlich mild ausfallen wird, wird die Eurozone einen größeren Abschwung erleiden, da die Terms of Trade durch den Ukraine-Krieg stark beeinträchtigt werden«, zitiert die »Finanical Times« die unabhängigen Wirtschaftsforscher.


Kein Post-Covid 19 Aufschwung

Das Jahr 2022 war das Jahr, in dem erwartet wurde, dass sich die Weltwirtschaft von dem durch die Covid-19-Pandemie ausgelösten Problemen erholt. Doch dann marschierte Russland am 24. Februar in die Ukraine ein und die globale Wirtschaft fiel erneut in eine große Unsicherheit zurück. Der Krieg in der Ukraine und die darauffolgenden westlichen Sanktionen gegen Russland schürten geopolitische Spannungen, ließen die Energie- und Lebensmittelpreise auf Rekordniveau steigen und unterbrachen die Lieferketten, was der globalen Erholung einen Strich durch die Rechnung machte.

Als die Inflation auf Mehrjahreshöchststände kletterte, sahen sich die Zentralbanken gezwungen, angesichts einer sich bereits verlangsamenden Wirtschaft die Kreditversorgung durch die Erhöhung der Zinssätze zu straffen, was die Aussichten auf eine Rezession im Jahr 2023 weiter steigerte. Eine Rezession ist jedoch nur eine der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die uns in diesem Jahr erwarten.

Weitere Herausforderungen verschärfen diese Ausgangslage. Eine drohende Rezession 2023 wird voraussichtlich das drittschlechteste Jahr für das globale Wirtschaftswachstum in diesem Jahrhundert sein. Die Analysten von »Capital Economics« erwarten, dass die großen Volkswirtschaften der Welt, einschließlich der USA, des Vereinigten Königreichs und der Eurozone, in diesem Jahr in eine Rezession rutschen werden, da die Zentralbanken weiterhin die Zinssätze erhöhen, um die Nachfrage nach Konsumgütern und Dienstleistungen zu dämpfen.

Die Eurozone, die sich mitten in einer schweren Energiekrise befindet, da sie ihre Abhängigkeit von russischen fossilen Brennstoffen loswerden will, und Großbritannien werden wahrscheinlich eine tiefere Rezession erleben als ihre Konkurrenten. »Die Schwere des bevorstehenden Schlags auf das globale BIP hängt hauptsächlich vom Verlauf des Krieges in der Ukraine ab«, schrieben auch die Analysten des »Institute of International Finance«, der ein »ewiger Krieg« zu werden drohe.

Die Schrumpfung in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften und ein stärkerer amerikanischer Dollar werden den Exporten schaden und Probleme für die exportorientierten asiatischen Volkswirtschaften bedeuten. Allerdings könnte die erwartete Rezession nur von kurzer Dauer und nicht so schwerwiegend ausfallen wie ursprünglich befürchtet, was nur zu einem bescheidenen Anstieg der Arbeitslosigkeit führen würde. »Da die Inflation jetzt weltweit zurückzugehen scheint, sollten die Zentralbanken in Kürze in der Lage sein, die Bremsen zu lösen, sodass Ende 2023 eine Erholung beginnen kann«, fordern die Forscher von »Capital Economics«.

Wir könnten mit einer neuen Version von globaler Rezession konfrontiert werde: Die Preissteigerungen werden sich 2023 voraussichtlich abschwächen, unterstützt durch die schwächere Nachfrage, fallende Energiepreise, nachlassende Angebotsengpässe und sinkende Versandkosten. Die Inflation wird jedoch über den Zielwerten der Zentralbanken bleiben, was zu weiteren Zinserhöhungen führen wird.

Das bedeutet mehr Beeinträchtigungen für die Wirtschaft und es besteht die Gefahr, dass sich eine globale Schuldenkrise verschlimmert. Die Inflation in der Eurozone wird voraussichtlich langsamer zurückgehen als in den USA. In Deutschland, dem Wirtschaftsmotor der Eurozone, wird die Inflation dank Maßnahmen wie einer Obergrenze für Gas- und Strompreise voraussichtlich sinken. Aber die Kerninflation, die die volatilen Lebensmittel- und Energiepreise ausblendet, könnte aufgrund der Geldtransfers der Regierung, um den Haushalten bei der Bewältigung der höheren Lebenshaltungskosten zu helfen, hartnäckig hoch bleiben.

»Die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft [der Eurozone] und insbesondere des Arbeitsmarkts deutet darauf hin, dass die Inflation länger als erwartet höher sein könnte«, befürchtet Andrew Kenningham, Chefökonom für Europa bei »Capital Economics«. Er fügte hinzu, dass die Kerninflation langsamer sinken, aber Lohnwachstum die Inflation im Dienstleistungssektor hochhalten würde. »Diese Prognose birgt mehrere offensichtliche Risiken. Zu den ›bekannten Unbekannten‹ gehört, was auf den Energiemärkten passiert, was wiederum vom Verlauf des Ukrainekriegs und dem Wetter abhängt, und wie deutsche Unternehmen mit hohen Energiepreisen umgehen.«

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