10. September 2026 Isa Stolz: Bericht vom »Rheinmetall Entwaffnen«-Camp in Köln
Der Kriegsmaschine in den Rücken fallen
Vom 1. bis 6. September fand in Köln das diesjährige Politcamp des Bündnisses »Rheinmetall entwaffnen« (RME) statt. Nachdem das Camp letztes Jahr aufgrund eines Verbotsversuches und einem langen Polizeikessel auf der Abschlussdemonstration bundesweit in den Medien vertreten war, fuhr die Polizei dieses Jahr mit nochmal erhöhtem Aufgebot auf.
Es zeigte sich schnell und deutlich: Kriegsgegner*innen sind diesem Staat ein Dorn im Auge. Das Bündnis »Rheinmetall entwaffnen« entstand 2018 als Reaktion auf die Nutzung deutscher Panzer beim Angriff des türkischen Staates auf die Stadt Afrin in Nordwest-Syrien. Mit internationalistischem Anspruch die lokale Kriegsindustrie angreifen, den antimilitaristischen Widerstand aufbauen und bündeln – dafür steht das Bündnis.
Das jährliche Camp vereint strömungs- und generationenübergreifend unterschiedliche Teile der Anti-Kriegs-Bewegung, lädt zu Bildung, Vernetzung und Aktionen ein. Die Bildungsangebote in Form unterschiedlicher Workshops und Diskussionsformate zu Themen wie dem Umbau der EU-Industrie auf Krieg und den lokalen Gegenbewegungen in Italien, Widerstand gegen die Staatsräson oder Krieg und Patriarchat, Berichte aus Rojava oder Lesungen zu Guerillakampf und Kriegsdienstverweigerung fanden regen Anklang. Auch für ein kulturelles Programm wurde mit Theater, Konzerten, Ausstellungen und Gedenkveranstaltungen gesorgt.
Auch dieses Jahr passierten aus dem Camp heraus wieder eine Bandbreite an direkten Aktionen, Aktionen zivilen Ungehorsams, sowie Informationskampagnen für die lokale Bevölkerung: vom Flyer verteilen für den Schulstreik, über Demonstrationen und Farbangriffe auf Kriegsprofiteure bis zur Werkstor-Blockade bei Rheinmetall oder der lokalen Lüttich-Kaserne wurde in Köln und Umgebung klar demonstriert, dass vor allem junge Menschen und Arbeiter*innen kein Interesse an Krieg und Militarismus haben.
Bei der Abschlusskundgebung am Samstag demonstrierten insgesamt 3.000 Gewerkschafter*innen, Schüler*innen, junge Arbeiter*innen, Studierende und Friedensbewegte gemeinsam gegen Kriegstreiberei und Rüstungsprofite und für ein solidarisches Zusammenleben. Im Verlauf der Demonstration kam es zu mehreren Kessel-Situationen. Teile des internationalistischen und des revolutionären Blocks wurden ab 15:30 Uhr über sechs Stunden lang gekesselt, viele Genoss*innen durch das Vorgehen der Polizei verletzt.
Ein Verlassen des Kessels war nicht mehr möglich, Essen und Getränke schwer zu den Menschen zu bekommen und Toilettengänge teils nur unter Aufsicht von Beamt*innen erlaubt. Eine Drohkulisse mitsamt Wasserwerfern, Räumpanzern und riesigem Beamt*innenaufgebot sollte die Demonstrant*innen einschüchtern, doch sie blieben bis zum Ende solidarisch, kämpferisch und laut. Sie sangen und skandierten, tanzten und wehrten sich. Erst nach 22 Uhr durften die Demonstrant*innen den Kessel verlassen, jedoch kam es hierbei zu vereinzelten Festnahmen.
Alles in Allem kann die Aktionswoche als großer Erfolg gewertet werden. Das Camp hat erneut gezeigt: die antimilitaristische Bewegung macht Staat und Kapital Angst und sie wächst Jahr für Jahr. Schon Ende des Monats stehen die nächsten Aktionstage an: vom 23.-26. September gilt es das NATO-Manöver in Hamburg gehörig zu vermiesen.
Isa Stolz arbeitet im Taam des VSA: Verlags mit.













