Ingar Solty
Innere Zeitenwende
Die Militarisierung von Deutschlands Gesellschaft und Alltagskultur
Eine Flugschrift
120 Seiten | € 12.00
ISBN 978-3-96488-259-2

David Harvey
Marx’ »Grundrisse« lesen
Ein Begleiter für Einsteiger und Fortgeschrittene
Aus dem Englischen von Mareike Borger, Leo Koch und Klara Steenken
432 Seiten | € 29.80
ISBN 978-3-96488-187-8

Ulrich Peter/Franz Segbers (Hrsg.)
Nicht wie Feuer und Wasser
Religion und Sozialismus: Was wir von der Weimarer Zeit lernen können
Mit einem Geleitwort von Bodo Ramelow
120 Seiten | € 14.80
ISBN 978-3-96488-270-7

Garnet Alps/Carsten Maaß/Uwe Stoffregen
Gewerkschaft, ja bitte!
Ein Handbuch für Betriebsräte, Vertrauensleute und Aktive
5. aktualisierte Ausgabe 2026
Mit einem Vorwort von Ralf Reinstädtler (geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall)
480 Seiten | Hardcover | € 24.80
ISBN 978-3-96488-250-9

Jan Schulze-Husmann/Peter Trinogga/Aktivenkreis Bundesanzeiger (Hrsg.)
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138 Tage Arbeitskampf beim DuMont-Konzern
WIDERSTÄNDIG
168 Seiten | in Farbe | € 12.00
ISBN 978-3-96488-246-2

Laura Bremert/Markus Hoppe/Bettina-Johanna Krings/Werner Schmidt (Hrsg.)
Der Betrieb als sozialer Ort im Umbruch
Kollegialität und Solidarität trotz Homeoffice, New Work und Agilität?
184 Seiten | € 16.80
ISBN 978-3-96488-247-9

Klaus Weber
Kampfblatt des autoritären Liberalismus
Die Frankfurter Allgemeine als Wegbereiterin von »Kriegstüchtigkeit«
168 Seiten | € 14.80
ISBN 978-3-96488-258-5

24. August 2013 Detlef Umbach

Die Griechische Tragödie geht weiter

Mit den Äußerungen Schäubles sind das Thema Griechenland und die Folgen verordneter Austeritätspolitik doch noch in den Wahlkampf zurückgekehrt. Auch wenn die Kanzlerin mal wieder abwiegelt und auf den nächsten Troika-Bericht verweist, genügt für einen Eindruck von der Lage Griechenlands ein Blick auf ein Schaubild, das Paul Krugman veröffentlicht hat.

Das Schaubild zeigt den Zusammenhang von Sparmaßnahmen und Wirtschaftswachstum. »Die horizontale Achse zeigt die Sparmaßnahmen – Ausgabenkürzungen des Staates und Steuererhöhungen – als Anteil des Bruttoinlandprodukts, wie sie der IMF (Internationaler Währungsfond) errechnet hat. Die senkrechte Achse zeigt die prozentuale Veränderung des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts. Wie man sehen kann, erlebten die Länder, die zu tiefgehenden Sparmaßnahmen gezwungen wurden, einen tiefen Konjunkturabschwung; und die Abschwünge waren mehr oder weniger proportional zum Ausmaß der Sparmaßnahmen.« (Paul Krugman, How the Case for Austerity Has Crumbled, New York Review of Books, 60. Jg., H. 10, June,6, 2013, eigene Übersetzung; eine deutsche Übersetzung – leider ohne das Schaubild – findet sich unter dem Titel »Austerität: Das Scheitern eines Dogmas« im Juli-Heft der »Blätter für deutsche und internationale Politik«). Griechenland hat am meisten gespart, und sein Rückgang des BIP ist am stärksten.

 

Barry Eichengreen (University of California, Berkeley) hält eine kurzfristige Besserung der Lage in Griechenland für aussichtslos, die Fehler zu Beginn der Krise waren zu groß, als dass der dadurch ausgelöste Schaden einfach zu beseitigen wäre. Für ihn ist das Wichtigste, »dass andere Länder die richtigen Schlüsse aus der Tragödie ziehen.« (Barry Eichengreen, Lessons of a Greek Tragedy; eigene Übersetzung)

»Die entscheidenden politischen Fehler geschahen beim Ausbruch der Krise. In der ersten Hälfte des Jahres 2010 – als Griechenland den Zugang zu den Finanzmärkten verlor – war bereits klar, dass die Staatsverschuldung untragbar geworden war. Man hätte die Verschuldung Griechenlands ohne Verzug sanieren müssen. Hätte man die Schulden Griechenlands zu zwei Dritteln abgeschrieben, dann hätte das Land die Chance gehabt, den vernichtenden Schuldenüberhang zu verlieren.« (ebd.; Eichengreen stützt sich wesentlich auf eine Analyse des IMF, Country Report No. 13/156, May 20, 2013, Greece: Ex Post Evaluation of Exceptional Access under the 2010 Stand-By Arrangement )

Eichengreen deutet auch an, welche Interessen einem Schuldenschnitt entgegenstanden: Ein Schuldenschnitt hätte deutsche und französische Banken destabilisiert, die deutsche und die französische Regierungen wollten »ihre Banken« schützen, und sowohl die Europäische Kommission als auch der IMF folgten willig dem Druck dieser Regierungen. Unter der Führung von Dominique Strauss-Kahn war der IMF »der Knecht der französischen und der deutschen Regierung.« Eichengreen sieht aber die entscheidende Schwäche auf der Seite der griechischen Regierung: Auf der Grundlage eines eigenen Sanierungsplans und der Zustimmung eines breiten gesellschaftlichen Bündnis unter Einbezug der Unternehmerverbände und der Gewerkschaften hätte die griechischen Regierung den Schuldenschnitt einseitig durchsetzen müssen. »Statt mit ihren Sozialpartnern zusammen zu arbeiten, folgte die Regierung stattdessen dem Rat der Troika und zerstörte so das System der Lohnfindung über Tarifverhandlungen… die Troika erhielt ihr Pfund Fleisch«.

Das Thema bleibt aktuell. Nach den neuesten Berechnungen des IMF wird die Staatsschuldenquote Griechenlands bereits in diesem Jahr wieder bei über 170% vom Bruttoinlandsprodukt liegen, und selbst bei sehr optimistischen Annahmen zur Wirtschaftsentwicklung wird diese Quote in den nächsten Jahren nicht wesentlich sinken (vgl. International Monetary Fund, July 2013, Country Report No. 13/241, Greece: Fourth Review). Angeblich ventiliert die deutsche Bundesbank bereits die Notwendigkeit eines neuen Schuldenschnitts für Griechenland, selbstverständlich erst für die Zeit nach der Bundestagswahl.

Detlef Umbach ist Rentner, SPD-Mitglied, lebt in Hamburg. Zuletzt schrieb er in Heft 7/8-2013 von Sozialismus »Streecks Erzählungen. Mit ›privatisierten Keynesianismus‹ und posthumem Hayek die Eurokrise erklären?«

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