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25. August 2018 Joachim Bischoff

Die US-Hausse vor dem Ende?

Foto: dpa

Über neun Jahre dauert die Hausse an den amerikanischen Aktienmärkten. Die Bewegung stützt sich auf einen langen Konjunkturzyklus.[1] Daneben ist diese Hausse maßgeblich durch die ultralockere Geldpolitik befeuert worden. Die Investoren am amerikanischen Aktienmarkt haben sich weder durch Trumps Wahlsieg im Jahr 2016 noch durch die von ihm ausgelösten Handelskonflikte, aber auch nicht durch die politischen Winkelzüge in der US-Innenpolitik (Verhältnis zu Russland) beeindrucken lassen.

Angesichts der weiterhin lockeren Geldpolitik und der zusätzlichen Stimulierung der Wirtschaft durch Steuersenkungen, angesichts eines robusten Wirtschaftswachstums mit mittlerweile anziehenden Investitionen aufseiten von Corporate America, und in Anbetracht des die Börsen ebenfalls antreibenden Booms des Technologiesektors schüttelt die Wall Street die Nachrichten aus Washington jeweils unbeeindruckt ab.

Zwischen April und Juni stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 4,1%. Im ersten Quartal hatte es nur ein Plus von 2,2% gegeben. US-Präsident Donald Trump sprach von großartigen Daten. Trump will das Wachstum mit seiner radikalen Steuerreform und einer deutlichen Steigerung der Ausgaben (Rüstungshaushalt) weiter forcieren. Aktuell glänzen US-Unternehmen dank positiver Effekte durch die Steuerreform. Steuersenkungen bringen alleine in diesem Jahr eine Ersparnis von rund 100 Mrd. US-Dollar und weiteren 200 Mrd. US-Dollar im kommenden Jahr. Nach dem ersten Halbjahr steht bereits ein Plus von 3,1% zu Buche.

Trump feiert den Wirtschaftsboom als eine »wirtschaftliche Wende historischen Ausmaßes«. Das Wachstum stehe zudem »in krassem Gegensatz zu der absurden Behauptung von Paul Krugman, dass Trumps Präsidentschaft eine ›globale Rezession‹ auslösen werde«, lästert das Weiße Haus. Der Wirtschaftsnobelpreisträger bleibt dennoch skeptisch: »Die Zahlen aus dem zweiten Quartal sagen nichts darüber aus, ob die Wirtschaft auch über eine längere Periode um drei oder vier Prozent wachsen kann«, repliziert Krugman und verweist darauf, dass Trumps massive Steuersenkungen ein keynesianisches Konjunkturprogramm für die US-Wirtschaft sind – und keine Basis für ein nachhaltiges Wachstum. Der positive Effekt der Steuerreform auf Investitionen sei »momentan stark«, aber er werde sich ab 2020 verringern. Spätestens 2023 läuft dann das volle ursprüngliche Investitionsaufkommen aus und das Wachstum schrumpft bis dahin auf 1,4%.

Für Schwung sorgte der private Konsum, der mehr als zwei Drittel des BIP ausmacht. Zudem stiegen die Ausfuhren so stark wie seit Ende 2013 nicht mehr. Dies liegt auch am weltweiten Handelsstreit, den die USA begonnen haben. Denn Exporteure zogen Lieferungen vor, um Vergeltungszölle Chinas – etwa auf Soja-Bohnen – zu umgehen.

Dank der guten Lage am Arbeitsmarkt überrascht die Kauflaune der US-Amerikaner*innen kaum. Denn sie profitieren von niedrigeren Steuern und gaben im abgelaufenen Quartal auf das Jahr hochgerechnet 4,0% mehr aus als zuletzt. Die Steuerreform sieht geringere Unternehmenssätze vor und weniger Abgaben für Reiche. Die Investitionen der Unternehmen stiegen zwischen Anfang April und Ende Juni mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 7,3%. Der private Konsum verstärkte sich um 4%, und selbst der Export steuerte einen vollen Prozentpunkt zum Gesamtwachstum des BIP bei.

»Trumponomics« – das ist eine Mischung aus Steuersenkungen, Deregulierung und Protektionismus. Dass sie ähnlich wie die »Reaganomics« zum Symbol für ein neues Wirtschaftswunder in den USA wird, bezweifeln Ökonomen. Sie sehen den Wachstumsschub eher als Strohfeuer, ausgelöst von Trumps massiven Steuersenkungen.

Die aktuellen Zahlen sagen zudem wenig über die Entwicklung der realen Löhne aus. Die realen Löhne und Gehälter sind im Vergleich zum Vorjahr um lediglich 0,9% gestiegen, was durch die Inflation wieder aufgehoben werde. In den vergangenen zwei Monaten stagnierten die Reallöhne. Ob sich Trumps Reform der Einkommensteuer im Portemonnaie der Bürger*innen bemerkbar macht, wird man erst am Ende des laufenden Steuerjahres sehen. Durchschnittlich hundert US-Dollar pro Monat versprachen die Republikaner, als sie die Reform Ende 2017 durch den Kongress brachten. Und  wenn Trump schon jetzt damit prahlt, dass sechs Mio. US-Amerikaner*innen von seiner Steuerreform profitiert hätten, entspricht das weniger als 5% der Arbeitnehmer*innen in der Privatwirtschaft.

Um das Risiko einer Überhitzung der Wirtschaft zu verringern, ist die amerikanische Notenbank entschlossen, die Zinszügel weiter zu straffen. Ökonomen gehen davon aus, dass die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell in diesem Jahr noch zwei Mal nachlegen. Derzeit liegen die Leitzinsen in einer Spanne von 1,75 bis 2,0%. Jüngst hatte Trump mit der Tradition von US-Präsidenten gebrochen und die politisch unabhängige Fed wegen der Zinsschritte öffentlich kritisiert.

Die Fed wird sich durch die Intervention von Präsident Trump wohl nicht beeindrucken lassen. Dies deutet auch der Dallas-Fed-Präsident Robert Kaplan an:

  • »Die US-Notenbank hat ihre Ziele erreicht. Die Fed sollte die Zinssätze schrittweise auf ein neutrales Niveau erhöhen.
  • Vor dem Erreichen des neutralen Zinsniveaus rechne ich mit drei bis vier weiteren Zinserhöhungen.
  • Sobald wir das neutrale Zinsniveau erreicht haben, gilt es die Lage neu zu bewerten.
  • Das BIP-Wachstum sehe ich in diesem Jahr bei 3%.
  • Die Zinsstrukturkurve signalisiert, dass sich die US-Wirtschaft in einem späten Konjunkturzyklus befindet.
  • Graduelle Zinserhöhungen bieten ›beste Chancen‹ für eine fortdauernde Expansion der US-Wirtschaft.«

[1] Vgl. dazu ausführlicher Joachim Bischoff: Weltwirtschaft – Ende der Scheinblüte oder nachhaltige Prosperität?, in: Sozialismus 9-2018.

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