31. Linke Literaturmesse
30.10.–1.11.2026 | Nürnberg
Drei Tage lang präsentieren linke Verlage aktuelle Bücher und ihre Autor*innen. Mit dabei die VSA: Autoren Freerk Huisken zu seinem neuen Buch »Schule, die 5. Gewalt« (am Samstag um 14:00 Uhr), Jörn Schütrump, der ebenfalls am Samstag um 15:00 Uhr den von ihm herausgegebenen Band von Clara Zetkin »Der deutsche Stalinismus« vorstellt und Peter Müller am Sonntag um 14:00 Uhr. Er wird über sein Buch »Strategische Betriebsräte« diskutieren. Die Räume und das gesamte Programm der Messe gibt es unter www.linke-literaturmesse.org.

Das VSA: Programm für Herbst und Winter 2026/2027 ist online. Die Vorschau kann zudem als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Dieter Klein
Hoffnung in dunklen Zeiten
Auf der Suche nach einer Großen humanistischen sozialistischen Erzählung
Eine Veröffentlichung der Rosa-Luxemburg-Stiftung
264 Seiten | € 16.80
ISBN 978-3-96488-283-7

Clara Zetkin
Der deutsche Stalinismus
Eine politische Abrechnung in zwei Briefen
Herausgegeben von Jörn Schütrumpf
Eine Veröffentlichung der Rosa-Luxemburg-Stiftung
176 Seiten | € 19.80
ISBN 978-3-96488-280-6

Ulrich Bochum/Jeffrey Butler/Klaus Kohlmeyer/Stephanie Odenwald
Berlin: l(i)ebenswert, innovativ, rebellisch
Die wachsende Stadt muss für alle bezahlbar gemacht werden
224 Seiten | € 14.00
ISBN 978-3-96488-271-4

Hans-Jürgen Urban (Hrsg.)
Gute Arbeit vor dem Aus?
Konflikte um Arbeitsstandards in der Transformation
Arbeitspolitik: Theorie, Praxis, Strategie, Ausgabe 2026
144 Seiten | € 12.00
ISBN 978-3-96488-277-6

Peter Müller
Strategische Betriebsräte
Ein Praxisbuch für erfolgreiche Interessenvertretung von Beschäftigten
Mit einem Vorwort von Christoph Meister (ver.di-Bundesvorstand)
176 Seiten | € 16.80
ISBN 978-3-96488-264-6

Manfred Weißbecker/Mario Keßler/Christoph Kopke
Aufrüstung, Krieg, Faschismus
Die Bedeutung der DDR-Faschismusforschung für heute
88 Seiten | € 12.00
ISBN 978-3-96488-261-5

Freerk Huisken
Schule, die 5. Gewalt
Die Zurichtung des Nachwuchses für Staat und Kapital
152 Seiten | € 14.00
ISBN 978-3-96488-269-1

26. Oktober 2026 Joachim Bischoff/Gerd Siebecke: Audi-Chef als »Marionette in Trumps Propagandashow«

Döllners aktive Wahlkampfhilfe

Der Wahlkampf in den USA zu der bevorstehenden Midterm-Entscheidung hat die heiße Phase erreicht. Präsident Donald Trump, der selbst nicht auf den Stimmzetteln steht, lässt gleichwohl kaum eine größere Wahlkampfveranstaltung aus.

Im US-Bundesstaat Georgia hatte er für die noch Unentschlossenen eine Überraschung parat: Der deutsche Autobauer Audi, der zum VW-Konzern gehört, werde im dortigen Perry ein Werk errichten und bereits im nächsten Monat mit dem Bau des Standorts beginnen. Nach Trumps Rede trat Audi-Chef Gernot Döllner ans Präsidentenpult und bedankte sich bei diesem für dessen Unterstützung.

Audi will in Georgia jährlich 200.000 SUVs produzieren lassen, die derzeit im slowakischen Bratislava gefertigt werden. Geplant sind in den USA Investitionen in Höhe von vier Milliarden Dollar (rund 3,6 Milliarden Euro), 4.500 Arbeitsplätze sollen entstehen, der Produktionsstart soll Anfang der 2030er-Jahre erfolgen.

Der Bau des neuen US-Werks muss noch vom VW-Aufsichtsrat gebilligt werden. Audi-Aufsichtsratschef Manfred Döss unterstützte bereits die Linie des Vorstands. Die Zukunft von Audi werde nicht allein durch Kostensenkungen und gesteigerte Effizienz gesichert. Es ginge auch darum, näher am US-Markt zu sein. Bislang hatte Audi keine eigene Produktion dort und war auf den Import von Modellen aus Europa und Mexiko angewiesen. Trumps Zollpolitik hatte im letzten Jahr zu einem zwischenzeitlichen Importstopp geführt, der Absatz von Audi war in den USA um 16% zurückgegangen.

Die Entscheidung der VW-Premiumtochter, nun ein Werk in den Vereinigten Staaten zu errichten, kommt vor dem Hintergrund der Diskussionen um Arbeitsplatzabbau und mögliche Werksschließungen in Deutschland bei den Beschäftigten nicht gut an. Audi hat in Deutschland Standorte in Ingolstadt und Neckarsulm. Eine Sprecherin des Audi-Vorstands versuchte denn auch gleich Schadenbegrenzung: »Die geplante Investition in den USA ist keine Entscheidung gegen Deutschland, sondern ein Schritt, um unsere globale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken«.

Das allerdings hat weder den Betriebsrat noch die IG Metall beschwichtigen können. Sie üben scharfe Kritik an Döllners Auftritt bei einer Wahlkampfveranstaltung ausgerechnet von Trump: »Etliche Minuten voller Rassismus, Sexismus, Fremdenhass, Transphobie, Verächtlichmachung der Demokratie – und dann tritt einer unserer obersten Konzern-Repräsentanten auf die Bühne und betreibt aktive Wahlkampfhilfe«, sagte die Vorsitzende des VW-Konzernbetriebsrats, Daniela Cavallo. Wer die Rede von Trump gehört und dann gesehen habe, dass Döllner zum aktiven Teil dieser Veranstaltung geworden sei, müsse vor »Scham im Boden versinken«.

Cavallo kritisierte zugleich den gesamten VW-Konzernvorstand um Chef Oliver Blume. Einer von dessen Mitgliedern habe sich »von einer höchst zweifelhaften politischen Figur, die gegen so ziemlich jeden unserer Unternehmenswerte verstößt, zur Marionette in dessen Propagandashow machen lassen.« Zudem stehe Döllners Agieren im Gegensatz zu internen Leitlinien von Audi.

Auch die erste Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, fand klare Wort für den Auftritt: »Die Art und Weise, wie Gernot Döllner sich und Audi in den USA präsentiert hat, ist höchst peinlich, politisch inakzeptabel und dem Unternehmen, vor allem aber den Audianerinnen und Audianern, nicht würdig«.

Die Bundesregierung wollte sich dazu nicht äußern. »Es handelt sich um eine geschäftliche Entscheidung darüber, wo das Unternehmen investiert, und in diesem Fall, wo der Vorstandsvorsitzende eines Unternehmens auftritt«, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille. »Ich habe dazu keinen weiteren Kommentar.«

Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) zeigte sich bestürzt: »Dieser Auftritt hat bei den Mitarbeitern, die sich um ihre Arbeitsplätze hier sorgen, und weit darüber hinaus für Bestürzung gesorgt […] Das kann ich vollkommen nachvollziehen – mir geht es genauso.«

Die Versicherung des Audi-Vorstands, es handele sich nicht um eine Investitions- Entscheidung gegen die heimische Produktion macht einmal mehr deutlich, was schon bei den letzten Aufkündigungen der vereinbarten Tarife durch die VW-Konzernspitze sichtbar war. Denn Döllners Ankündigung reiht sich ein in die Sparmaßnahmen und Entscheidungen gegen die Belegschaften, mit denen eine Sanierung der angeschlagenen Automobilwirtschaft auf dem Rücken der Beschäftigten durchgesetzt werden soll.

Der Volkswagen-Vorstand hat Ende September zehn Haustarifverträge zum 31. Dezember 2026 gekündigt. Betroffen sind unter anderem Regelungen zum Entgelt, zum Manteltarif (Arbeitszeiten, Urlaub, Zulagen), zur Ausbildung und zur Eingruppierung. Dies hatte Daniela Cavallo zurecht als »Riesenaffront« und massiven Vertrauensbruch bezeichnet, da die Belegschaft bereits über Vereinbarungen erhebliche Sparbeiträge leiste. Die IG Metall und der Betriebsrat haben VW ultimativ aufgefordert, die zehn Tarifkündigungen bis Ende Oktober 2026 zurückzunehmen. Da die Konzernspitze aber offenkundig daran festhält, ist ein großflächigen Arbeitskampf nicht auszuschließen.

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