Die gedruckte September-Ausgabe von Sozialismus.de wird zusammen mit dem Supplement »Die Wurzeln des Faschismus wirken« (Antonio Scurati) am Mittwoch, den 2. September an die Abonnent*innen versandt.

Aktuelle Supplements

Klaus Bullan/Stephanie Odenwald
»Die Wurzeln des Faschismus wirken« (Antonio Scurati)
Benito Mussolini und der italienische Faschismus – Scuratis dokumentarisches Romanprojekt
Sozialismus.de Supplement zu Heft 9/2026
36 Seiten | € 7.00
ISBN 978-3-96488-285-1

Hajo Funke
Erobert die AfD Ostdeutschland?
Sachsen-Anhalt als Einstieg in Pläne für einen rechten Systemumbau
Sozialismus.de Supplement zu Heft 7-8/2026
40 Seiten | € 7.00
ISBN 978-3-96488-278-3

Ulrich Bochum/Jeffrey Butler/Klaus Kohlmeyer/Stephanie Odenwald
Berlin: l(i)ebenswert, innovativ, rebellisch
Die wachsende Stadt muss für alle bezahlbar gemacht werden
224 Seiten | € 14.00
ISBN 978-3-96488-271-4

Jürgen Lichey/Gottfried Meyer-Thoss/Wolfgang Schilling
Ökonomische, politische und mediale Macht
Verschränkung von Wachstumszwang und instrumenteller Vernunft
240 Seiten | € 19.80
ISBN 978-3-96488-274-5

Roland Süß
Den Abstieg ins Autoritäre stoppen!
Über den Neoliberalismus hinaus zu Autoritarismus und Faschismus
AttacBasisTexte 65
80 Seiten | € 8.50
ISBN 978-3-96488-273-8

Freerk Huisken
Schule, die 5. Gewalt
Die Zurichtung des Nachwuchses für Staat und Kapital
152 Seiten | € 14.00
ISBN 978-3-96488-269-1

Ingar Solty
Innere Zeitenwende
Die Militarisierung von Deutschlands Gesellschaft und Alltagskultur
Eine Flugschrift
120 Seiten | € 12.00
ISBN 978-3-96488-259-2

Jan Schulze-Husmann/Peter Trinogga/Aktivenkreis Bundesanzeiger (Hrsg.)
Streik doch einfach mit!
138 Tage Arbeitskampf beim DuMont-Konzern
WIDERSTÄNDIG
168 Seiten | in Farbe | € 12.00
ISBN 978-3-96488-246-2

29. August 2026 Redaktion Sozialismus.de: Trump will die USA zum Petrostaat machen

»Größter Öl-Deal der Geschichte«?

Die USA haben sich vermeintlich die Kontrolle über 65 Milliarden Barrel des venezolanischen Erdölvorkommens gesichert. Schon bei der völkerrechtswidrigen Kaperung der links-nationalistischen Regierung samt Entführung von Staatchef Nicolás Maduro und dessen Frau hatte US-Präsident Donald Trump Venezuela als den »51. Bundesstaat« bezeichnet und unterstrichen, man kontrolliere das venezolanische Öl.

Trump verkündete nun auf seinem Onlinedienst Truth Social ein »Öl-Abkommen« mit dem Land. Die Vereinigten Staaten erhielten dadurch die Mehrheitskontrolle über insgesamt 65 Mrd. Barrel aus den venezolanischen Erdölvorkommen, das entspräche rund einem Fünftel der Vorkommen, die sich Schätzungen zufolge dort befinden. Es sei »der größte Öl-Deal in der Weltgeschichte«. Ob der erzwungene Deal in Zukunft belastbar ist, ist allerdings fraglich.

Mit 303 Mrd. Barrel verfügt Venezuela über die größten Ölreserven der Welt (siehe Abbildung). Dabei handelt es sich primär um Schweröl, das speziell gefördert und raffiniert werden muss. Die USA wollen diesen Reichtum in kurzer Frist nicht zuletzt dazu nutzen, um die aufgrund des Nahostkonflikts stark gesunkenen strategischen Ölreserven wieder aufzufüllen. Diese Reserven liegen derzeit auf dem niedrigsten Niveau seit 44 Jahren.

US-Außenminister Marco Rubio betont die Vorteile für Venezuela: Die Vereinbarung werde dem ausgepowerten Land fast 100 Mrd. US-Dollar (85,8 Mrd. Euro) an privaten Investitionen bringen. Außerdem bedeute es für das südamerikanische Land nach jahrelanger Wirtschaftskrise »Tausende gut bezahlte Jobs« und einen Beitrag zum »Wiederaufbau von Venezuelas Wirtschaft«. Als Vorteil für die USA und ihre Bürger*innen nannte er stabile Energiereserven und niedrigere Energiepreise.

Laut Medienberichten geht es um eine 100 Jahre geltenden Konzession für den Förderbetrieb des Joint Venture. Trump stellt zudem »substanziell niedrigere Benzinpreise« in Aussicht. Der Deal mit Venezuela sorge dafür, den Spritpreis »für alle Amerikaner« auf Jahre hinaus zu verringern, versicherte Trump. An Kosten entstehe den US-Steuerzahler*innen durch die Vereinbarung nichts. Ob er dieses Versprechen noch vor den US-Zwischenwahlen im November einlösen kann, bleibt offen.

Das Abkommen würde den wirtschaftlichen Einfluss der USA auf das südamerikanische Land massiv ausweiten. Nachdem zu Beginn des Jahres in einer Militärintervention Machthaber Maduro gestürzt und entführt wurde, will die Trump-Regierung die marode Erdölindustrie Venezuelas wieder ankurbeln und mehr Rohöl für amerikanische Raffinerien sichern. Zur Ausweitung der Förderung sind aber hohe Investitionen notwendig.

Die seit dem Sturz Maduros mit Amerikas Plazet geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez begrüßt das Abkommen. Es erlaube durch die Erschließung von 17 Ölfeldern eine Steigerung der Ölförderung und bringe Steuereinnahmen von 209 Mrd. US-Dollar. Die Investitionen würden die Modernisierung der Industrie fördern, das Wirtschaftswachstum erhöhen und zu mehr Energiesicherheit und Balance auf den Märkten beitragen.

Dass die Amerikaner*innen bald die von Trump in Aussicht gestellten tieferen Benzinkosten haben, ist eher unwahrscheinlich. Die für Produktion, Transport und Verarbeitung des Rohstoffes nötigen Investitionen in die Infrastruktur benötigen Zeit. Zudem müssen Amerikas Raffinerien erst auf die Besonderheiten des Öls aus Venezuela umgestellt werden.

Die ursprüngliche Erwartung der US-Administration, dass sich nach der völkerrechtswidrigen Okkupation der USA zu Beginn des Jahres viele Energiefirmen um ein Engagement in Venezuela bemühen würden, hat sich bisher nicht erfüllt. Seit der Inhaftierung von Maduro hat kein einziges US-Unternehmen eine neue Großinvestition angekündigt.

Auch in Venezuelas Opposition wird der Deal, der den USA die direkte Kontrolle über nationale Ressourcen einräumt, vielfach als Raub gewertet. Die geringe Popularität der Administration von US-Gnaden wird weiter belastet. So schreibt Ricardo Hausmann, ein im Exil lebender Harvard-Ökonom und Ex-Minister: »Die Venezolaner werden dieses illegitime Abkommen nicht respektieren, und kein großer Ölkonzern der USA wird es ernst nehmen, da sie wissen, dass es nicht halten wird.«

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