Garnet Alps/Carsten Maaß/Uwe Stoffregen
Gewerkschaft, ja bitte!
Ein Handbuch für Betriebsräte, Vertrauensleute und Aktive
5. aktualisierte Ausgabe 2026
Mit einem Vorwort von Ralf Reinstädtler (geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall)
480 Seiten | Hardcover | € 24.80
ISBN 978-3-96488-250-9

Rolf Rosenbrock
Selbstgestaltung und Soziale Arbeit
Erkenntnisse und Positionen zur Wohlfahrtspflege: gegen Armut und Opferschelte
152 Seiten | € 14.80
ISBN 978-3-96488-260-8

Jan Schulze-Husmann/Peter Trinogga/Aktivenkreis Bundesanzeiger (Hrsg.)
Streik doch einfach mit!
138 Tage Arbeitskampf beim DuMont-Konzern
WIDERSTÄNDIG
168 Seiten | in Farbe | € 12.00
ISBN 978-3-96488-246-2

Klaus Weber
Kampfblatt des autoritären Liberalismus
Die Frankfurter Allgemeine als Wegbereiterin von »Kriegstüchtigkeit«
168 Seiten | € 14.80
ISBN 978-3-96488-258-5

Gine Elsner
Was wir von Corona lernen könnten
Über die Entstehung, Eindämmung und den politischen Umgang mit einer Pandemie
176 Seiten | € 14.80
ISBN 978-3-96488-256-1

Joachim Bischoff
Ende oder Renaissance sozialistischer Utopien?
Von Engels’ »Anti-Dühring« zum Epochenbruch am Ende des Zeitalters der Erschöpfung
256 Seiten | € 16.80
ISBN 978-3-96488-172-4

Ulrike Eifler (Hrsg.)
Gewerkschaften in der Zeitenwende
Was tun gegen Umverteilung nach oben, massive Angriffe auf den Sozialstaat, die Militarisierung des Alltags und den Rüstungswahnsinn?
144 Seiten | erscheint Ende September/Anfang Oktober | im Warenkorb vorbestellen | EUR 12.80
ISBN 978-3-96488-251-6

Hans-Jürgen Urban (Hrsg.)
Arbeit Klima Transformation
Arbeitspolitik: Theorie, Praxis, Strategie, Ausgabe 2025
168 Seiten | € 12.00
ISBN 978-3-96488-252-3

Klaus Dörre/Anna Mehlis/
Stephan Humbert/Bruno Saar (Hrsg.)
Sozialismus von unten?
Emanzipatorische Ansätze für das 21. Jahrhundert
280 Seiten | € 19.80
ISBN 978-3-96488-234-9

22. Januar 2026 Redaktion Sozialismus.de: Trump unterstreicht Bruch der regelbasierten Weltordnung

In Davos blieb die große Disruption aus

Der Auftritt des amerikanischen Präsidenten bei der Weltelite auf dem diesjährigen World Economic Forum (WEF) in Davos sprengte jedweden Rahmen. Wirtschaftsführer, Politiker*innen und Journalist*innen drängelten sich, um die Rede des »wichtigsten Führers der Welt« zu hören, wie sich der Gastgeber Larry Fink ausdrückte. Der Präsident des »heißesten Landes der Welt« sprach in seinem bekannten assoziativen Stil über sich, die US-Wirtschaft, Venezuela, die NATO, Grönland und Europa.

In nur einem Jahr habe er, Donald Trump, es geschafft, die USA wieder aufzurichten. Seit er wieder im Amt ist, seien das Wachstum im Land explodiert (allein im 4. Quartal 2025 um 5%), die Inflation bekämpft worden – quasi nicht mehr existent –, die Einkommen gestiegen und gefährliche Grenzen geschlossen worden. Der US-Präsident ist voll des Lobes für sich selbst, unabhängig davon, ob die Fakten und Zahlen wirklich stimmen. Trump verkauft sich in Davos wie gewohnt als Präsident der Superlative. Den Erfolg führt er vor allem auch auf seine Zollpolitik zurück. Die Vereinigten Staaten seien der Wirtschaftsmotor der Welt. Allen gehe es besser, die Börse fliege hoch, »die USA sind das heißeste Land der Welt«, wenn es Amerika gutgehe, dann gehe es der ganzen Welt gut.

Sein Tenor der Neuordnung der Welt: »Wir wollen nur ein Stück Eis im Gegenzug zum Schutz der Welt.« Der US-Präsident forderte sofortige Verhandlungen über den Erwerb Grönlands. Grönland liege an einem strategisch wichtigen Ort und sei unverteidigt, behauptete Trump. Die USA hätten Dänemark im Zweiten Weltkrieg gerettet, nun zeige sich das Land undankbar. Ein Kauf durch die USA würde die Sicherheit der NATO erhöhen und sei keine Bedrohung für das Bündnis.

Er werde zur Durchsetzung seiner Forderungen »keine Gewalt anwenden«. Ihm gehe es bei Grönland auch nicht, wie vielfach behauptet, um den Abbau von Rohstoffen wie Seltene Erden, die Hunderte Meter unter dem Eis lägen. Vielmehr gehe es ausschließlich um Sicherheit. Trump will in Grönland einen Schutzschild zur Verteidigung Nordamerikas errichten. Man werde dort den größten »Golden Dome« (ein Raketen-Abwehrsystem) errichten, den es je gegeben habe. Auf Truth Social teilt er später mit, auf Strafzölle gegen die europäischen Grönland-Unterstützerländer zu verzichten.

Trump nannte Zahlen und Fakten, die sich zwischen Dichtung und Wahrheit bewegten. Die Rede folgte keiner Struktur, sondern mäanderte von Anekdote zu Anekdote, von Land zu Land: von Somalia über Minnesota bis nach Grönland. Die Insel, »dieses große Stück Eis«, war sein Lieblingsthema. Anhand von Grönland erklärte er den versammelten Größen aus Politik und Wirtschaft sein Verständnis von Geopolitik, das im Wesentlichen der Logik seiner Zollpolitik folgt: Alle profitieren seit dem Zweiten Weltkrieg von Amerika. »Wären wir nicht gewesen, würdet ihr jetzt alle Deutsch und vielleicht ein bisschen Japanisch sprechen«, witzelte Trump.

Der US-Präsident ächzt über die hohen Energiepreise in Europa und macht als Übel den Ausbau erneuerbare Energien aus. »Je mehr Windräder ein Land hat, desto schlechter geht es dem Land«, behauptet er und verweist auf China, die laut Trump zwar Windräder im großen Stil produzierten, aber selbst nicht verwendeten: »Die dummen Leute kaufen sie – sie benutzen sie aber nicht für sich selber.« China bleibe bei Kohle, Öl und Gas. Dem Land gehe es gut, schlussfolgert er. »Sie machen mit dem Verkauf von Windrädern viel Geld. Die sind wirklich erstaunt, dass Leute das noch kaufen.« Die Konsequenzen für Länder, die auf regenerative Energien setzten, sei wirtschaftlicher Verfall, Wirtschaftswachstum müsse aber ein vereintes Ziel Europas sein. »Wir wollen starke Verbündete, wir wollen, dass Europa stark ist.«

Trump protzte mehrfach mit der militärischen Überlegenheit der USA – mit den Angriffen auf das iranische Atomprogramm und der Operation zur Festsetzung des venezolanischen Machthabers Maduro. Die Verteidigung ist heute für ihn ein Tauschgeschäft, der Kauf von Grönland ein Deal mit dem transatlantischen Sicherheitsversprechen an die Europäer: »Sie haben eine Wahl: Sie können Ja sagen, und wir werden sehr dankbar sein. Oder Sie können Nein sagen, und wir werden uns daran erinnern.« Der amerikanische Präsident droht damit implizit, Europa gegenüber der russischen Aggression im Stich zu lassen, falls er Grönland nicht erhält.

Kann die weltweite Öffentlichkeit sich beruhigt wieder zurücklegen, weil Trump versichert keine Gewalt bei Gebietserweiterungen zugunsten der USA einzusetzen und weil das mächtigste Land der westlichen Hemisphäre auch auf »Strafzölle« gegen widerborstige Länder verzichten würde? Dagegen steht die Warnung des kanadischen Ministerpräsidenten Mark Carney, der in Davos den Bruch in der Weltordnung klar markiert hat: das Ende einer angenehmen Fiktion und den Beginn einer harten Realität, in der die Geopolitik – die große, bestimmende Macht – keinen Grenzen, keinen Beschränkungen unterliegt.

Neben der These vom Bruch in der regelbasierten Weltordnung unterstrich Carnay, dass die anderen Länder, insbesondere Zwischenmächte wie Kanada, nicht machtlos seien. Sie hätten die Fähigkeit, eine neue Ordnung aufzubauen, die »unsere Werte umfasst, wie die Achtung der Menschenrechte, nachhaltige Entwicklung, Solidarität, Souveränität und die territoriale Integrität der verschiedenen Staaten.« Die Macht der weniger Mächtigen beginne mit Ehrlichkeit.[1]

Carney schrieb weiter: »Es scheint, als würden wir täglich daran erinnert, dass wir in einer Ära der Rivalität der Großmächte leben, dass die regelbasierte Ordnung verblasst, dass die Starken tun können, was sie können, und die Schwachen leiden müssen, was sie müssen. Und dieser Aphorismus von Thukydides wird als unausweichlich dargestellt, als die natürliche Logik der internationalen Beziehungen, die sich wieder durchsetzt. Und angesichts dieser Logik gibt es eine starke Tendenz von Ländern, mitzuschwimmen, sich anzupassen, Ärger zu vermeiden, zu hoffen, dass Gefügigkeit Sicherheit erkauft. Nun, das wird sie nicht. Also, was sind unsere Optionen?

Im Jahre 1978 schrieb der tschechische Dissident Václav Havel, der später Präsident seines Landes wurde, einen Essay mit dem Titel ›Die Macht der Machtlosen‹, und darin stellte er eine einfache Frage: Wie konnte sich das kommunistische System halten? Und seine Antwort begann mit einem Gemüsehändler. Jeden Morgen stellt dieser Ladenbesitzer ein Schild in sein Fenster: ›Proletarier aller Länder, vereinigt euch.‹ Er glaubt nicht daran, niemand tut das, aber er stellt das Schild trotzdem auf, um Ärger zu vermeiden, um Gefügigkeit zu signalisieren, um dazuzugehören. Und weil jeder Ladenbesitzer in jeder Straße dasselbe tut, hält das System durch – nicht allein durch Gewalt, sondern durch die Beteiligung gewöhnlicher Menschen an Ritualen, von denen sie privat wissen, dass sie falsch sind. Havel nannte das ›Leben in einer Lüge‹.

Die Macht des Systems kommt nicht aus seiner Wahrheit, sondern aus der Bereitschaft aller, so zu tun, als wäre es wahr, und seine Fragilität rührt aus derselben Quelle. Wenn auch nur eine Person aufhört mitzuspielen, wenn der Gemüsehändler sein Schild entfernt, beginnt die Illusion zu bröckeln. Freunde, es ist an der Zeit, dass Unternehmen und Länder ihre Schilder abnehmen.

Jahrzehntelang prosperierten Länder wie Kanada unter dem, was wir die regelbasierte internationale Ordnung nannten. Wir traten ihren Institutionen bei, priesen ihre Prinzipien, profitierten von ihrer Vorhersehbarkeit. Und deshalb konnten wir unter ihrem Schutz wertebasierte Außenpolitik betreiben. Wir wussten, dass die Erzählung von der internationalen regelbasierten Ordnung teilweise falsch war – dass die Stärksten sich bei Bedarf ausnahmen, dass Handelsregeln asymmetrisch durchgesetzt wurden. Und wir wussten, dass das Völkerrecht je nach Identität des Beschuldigten oder des Opfers mit unterschiedlicher Strenge angewandt wurde.

Diese Fiktion war nützlich, und die amerikanische Hegemonie insbesondere trug zur Bereitstellung öffentlicher Güter bei: offene Seewege, ein stabiles Finanzsystem, kollektive Sicherheit und Unterstützung für Rahmen zur Streitbeilegung. Also stellten wir das Schild ins Fenster. Wir nahmen an den Ritualen teil und vermieden es weitgehend, die Lücken zwischen Rhetorik und Realität zu benennen. Dieser Handel funktioniert nicht mehr. Ich will es klar sagen. Wir befinden uns mitten in einem Bruch, nicht in einem Übergang.«

Anmerkung

[1] Die FAZ hat die Rede im Wortlaut unter dem Titel »Wir befinden uns in einem Bruch, nicht in einem Übergang« am 21.1.2026 veröffentlicht.

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