Ingar Solty
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Die Militarisierung von Deutschlands Gesellschaft und Alltagskultur
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Ulrich Peter/Franz Segbers (Hrsg.)
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28. April 2026 Redaktion Sozialismus.de: Der neue SIPRI-Bericht

Militarisierung der Gesellschaften

Vor dem Hintergrund vieler Kriege und Bürgerkriege erreichten die globalen Militärausgaben dem neuesten Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI zufolge 2025 im elften Jahr in Folge einen neuen Höchststand.

Inflationsbereinigt stiegen die Militärausgaben im Vergleich zum Vorjahr um 2,9%. Die Forscher ermittelten, dass sie innerhalb eines Jahrzehnts sogar um 41% wuchsen.

Alle Staaten wandten 2025 zusammen knapp 2,89 Bio. US-Dollar (knapp 2,47 Bio. Euro) für das Militär auf. Inflationsbereinigt stiegen die Ausgaben im Vergleich zum Vorjahr um 2,9%. Innerhalb eines Jahrzehnts wuchsen sie sogar um 41%.


US-Militärausgaben gehen zurück – bleiben aber weltweit führend

Allerdings fiel der Anstieg deutlich geringer aus als 2024. Das führten die Friedensforscher auf einen Rückgang der US-Militärausgaben zurück. Der Hauptgrund dafür: die ausbleibenden Hilfen für die Ukraine. Dagegen investierten die USA mehr in ihre eigenen nuklearen und konventionellen militärischen Fähigkeiten.

Trotz des Rückgangs blieben die USA das Land mit den mit Abstand größten Ausgaben für das Militär (umgerechnet knapp 814 Mrd. Euro). In Zukunft dürfte die Zahl zudem wieder nach oben gehen, sagte SIPRI-Experte Diego Lopes da Silva: »Die USA haben bereits Pläne zur Erhöhung ihrer Militärausgaben angekündigt.«

Dass die globalen Militärausgaben 2025 insgesamt erneut gestiegen sind, ist laut den Forscher*innen vor allem auf die Aufrüstung in Europa zurückzuführen. Die Ausgaben der europäischen Staaten stiegen im vergangenen Jahr um 14%.

Die Ungewissheit, inwiefern ihnen die USA als verlässlicher NATO-Partner in Zukunft zur Seite stehen werden, habe sicher für viele Länder eine Rolle gespielt, meinte da Silva. »Wenn man sieht, dass sich die internationale Sicherheit verschlechtert, schafft das eine Atmosphäre der Unsicherheit – und um sich sicherer zu fühlen, stecken die Staaten mehr Geld in ihr Militär.«


Platz 4: Deutschland führt das Ranking in Europa an

Die Bundesrepublik landete auf Platz vier der Rangliste der Länder mit den höchsten Ausgaben – hinter den USA, China und Russland, aber vor allen anderen europäischen Staaten. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Ausgaben um 24% auf 114 Mrd. US-Dollar (rund 97 Mrd. Euro). Bereits im Jahr 2024 hatte Deutschland den vierten Platz eingenommen.

Zum ersten Mal seit 1990 überschritten die deutschen Verteidigungsausgaben das Zwei-Prozent-Ziel der NATO. Insgesamt überschritten nach SIPRI-Recherchen 22 der europäischen Nato-Partner diese Marke.


Ukraine steckt Großteil ihres Staatshaushalts ins Militär

Russland und die Ukraine gaben im vierten Jahr des Krieges erneut mehr Geld für das Militär aus. In der Ukraine machten die Militärausgaben ganze 40% des Bruttoinlandsprodukts aus – ein noch größerer Anteil als 2024. Mehr als 60% der Staatsausgaben steckte das Land SIPRI zufolge in sein Militär.

»Das ist ein enormer Anteil der öffentlichen Ausgaben, und es ist schwer vorstellbar, wie der noch weiter steigen könnte, ohne dass die Bereitstellung grundlegender öffentlicher Leistungen darunter leidet«, sagte da Silva.


Israel und Iran mit eigener Dynamik bei Militärausgaben

Auch in vielen asiatischen Ländern wie China, Japan, Taiwan, Indien und Pakistan machten die Militärausgaben angesichts zahlreicher Konflikte und Spannungen erneut einen Satz. Im Nahen Osten stiegen sie 2025 dagegen nur leicht an. In Israel sanken die Ausgaben sogar, was die SIPRI-Forscher »auf eine Verringerung der Intensität des Krieges im Gazastreifen nach dem Waffenstillstandsabkommen mit der Hamas im Januar 2025« zurückführen.

Im Iran gingen die Militärausgaben aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage inflationsbereinigt sogar zurück. Ohne Berücksichtigung der hohen Inflation stiegen sie nach SIPRI-Angaben. »Allerdings unterschätzen die offiziellen Zahlen mit ziemlicher Sicherheit die tatsächlichen Ausgaben«, so SIPRI-Expertin Zubaida Karim. »Der Iran nutzt auch nicht im Haushalt ausgewiesene Öleinnahmen zur Finanzierung seines Militärs, einschließlich der Produktion von Raketen und Drohnen.«


Auch in Zukunft steigende Rüstungsausgaben

Auch 2026 dürfte sich der Trend steigender Militärausgaben fortsetzen, schätzt SIPRI-Forscher da Silva. »Es gibt derzeit weltweit sehr, sehr viele Konflikte. Und es ist sehr schwer vorstellbar, dass sich die Lage innerhalb eines Jahres so weit verbessern wird, dass sich dieser Trend umkehrt.«

Der jährlich erscheinende SIPRI-Bericht zu den Militärausgaben in aller Welt gilt als umfassendste Datensammlung dieser Art. Zu den Ausgaben zählen die Friedensforscher*innen auch Aufwände für Personal, Militärhilfen sowie militärische Forschung und Entwicklung.


Mehr Kriegsdienst-Verweigerer in Deutschland

Mut in dieser Zeit zunehmender Militarisierung macht, dass die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung in Deutschland laut dem zuständigen Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) weiter ansteigt. Im ersten Quartal dieses Jahres hätten bereits 2.656 Menschen einen entsprechenden Antrag gestellt.

Im gesamten Jahr 2024 hatten insgesamt 2.998 Menschen einen solchen Antrag gestellt, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht. Im Jahr 2025 gingen bei der Behörde 3.867 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung ein. Hält der Trend an, könnte die Zahl 2026 auf den höchsten Stand seit Aussetzung der Wehrpflicht 2011 zusteuern.

Hintergrund dürfte die angespannte Sicherheitslage und das Gesetz über den neuen Wehrdienst sein, das zum 1. Januar in Kraft trat. Kern ist die verpflichtende Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008, die ab dem Jahr 2027 kommt. So sollen Freiwillige für einen Ausbau der Truppe rekrutiert werden. Sollten die Zielkorridore verfehlt werden, kann der Bundestag über eine sogenannte Bedarfswehrpflicht entscheiden. Die Zahlen legen nahe, dass eine wachsende Zahl an jungen Männern diese potenzielle Wehrpflicht verweigern möchte. Parallel dazu gibt es aber auch eine Reihe von Menschen, die ihre bereits erfolgte Kriegsdienstverweigerung widerrufen. Im vergangenen Jahr waren das dem Bericht zufolge 781 Fälle, im ersten Quartal dieses Jahres bereits 233.

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