Hajo Funke
Die Höcke-AfD
Eine rechtsextreme Partei in der Zerreißprobe
Aktualisierte Ausgabe 2021
136 Seiten | EUR 10.00
ISBN 978-3-96488-093-2

Erinnerung an Axel Troost

Wir erinnern an unseren viel zu früh verstorbenen Mitstreiter, Autor und Freund mit einem ihm gewidmeten Supplement in der Februar-Ausgabe 2023.

Malte Müller/Richard Rohnert/Petra Wolfram (Hrsg.)
Vorwärts und nichts vergessen!
Aus der Geschichte lernen
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72 Seiten | EUR 7.00
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Malte Müller/Richard Rohnert/Petra Wolfram (Hrsg.)
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Ein Krieg, der keiner sein sollte
Russlands Überfall auf die Ukraine aus Sicht unmittelbarer Nachbarn
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Michael Brie
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28. Dezember 2022 Redaktion Sozialismus.de: Aktualisierte Konjunkturprognosen

Rezession oder Kriechgang?

Energiekrise, Krieg und gestörte Lieferketten prägen bei einem Großteil der deutschen Unternehmen die Stimmung – dabei realisieren viele in diesem Jahr Rekordgewinne. In der Summe sind die Aussichten auf 2023 weiterhin eher durchwachsen. Verschiedene Forschungsinstitute und der Wirtschaftsminister haben ihre Prognosen präzisiert.


Institut der deutschen Wirtschaft: gewaltige Wohlstandsverluste

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) deutet die Ergebnisse einer Umfrage über die Erwartungen der Unternehmen als Übergang zu einer Rezession. Insgesamt sei die Stimmung bei den Wirtschaftsverbänden deutlich schlechter als Ende 2021. Eine Mehrheit der 49 befragten Verbände erwarte für 2023 schlechtere Ergebnisse, da die Energiepreise Rekordhöhen erreichten und die Inflation so hoch wie schon lange nicht mehr sei.

Die Stimmungslage unter den Wirtschaftsverbänden sei »außerordentlich negativ«, berichtet der Direktor des Instituts, Michael Hüther. Das Institut hat knapp 50 Wirtschaftsverbände befragt. 30 von ihnen rechnen damit, dass ihre Geschäfts- und Produktionstätigkeit im kommenden Jahr geringer ausfallen wird als in diesem Jahr.

Die frühere Euphorie über das Ende der Corona-Krise habe sich in den letzten Monaten in große Unsicherheit verwandelt. Der Hauptgrund dafür liege auf der Hand. Infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine ist Energie sehr viel teurer geworden. Besonders die energieintensive Industrie leide darunter, damit sei der »Kern des deutschen Geschäftsmodells« betroffen. Hüther räumt allerdings ein, dass die Inflation im kommenden Jahr deutlich zurückgehen werde.

Einige Indikatoren deuteten darauf hin, dass man den Höhepunkt bereits erreicht habe. So registriere man seit mehreren Monaten niedrigere Erzeugerpreise, und auch bei den Kosten für Energie deute sich eine Entlastung an. Zudem habe sich der Euro gegenüber dem US-Dollar erholt. »Die Inflation wird im Laufe des Jahres doch deutlich geringer Richtung 6%« gehen, prognostiziert Hüther.

Das IW erwartet angesichts dieser Stimmung im Unternehmensbereich für das kommende Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,75%. »Wir werden uns wohl oder übel an horrende Energiepreise gewöhnen müssen. Unternehmen werden dadurch weniger investieren und produzieren«, so Hüther. Der private Konsum dürfte im kommenden Jahr um 1,5%t sinken. Der Konjunkturexperte des Instituts Michael Grömling ergänzt: »Wie schwer diese Krise ausfallen wird und wie lange sie dauert, hängt stark von der weiteren Entwicklung der Energiekrise ab […] Die Volkswirtschaft als Ganzes ist mit einem gewaltigen Wohlstandsverlust konfrontiert.« Auch wenn der Arbeitsmarkt sich robust zeige, geht das IW geht von einem Rückgang des Konsums um 1,5% im kommenden Jahr aus.


ifo Institut: Milde Rezession – weniger Inflation

Dieser pessimistischen Bewertung folgt das ifo Institut (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München) für 2023 nicht. Die deutsche Wirtschaft wird nach dessen Prognose im kommenden Jahr nur um 0,1% schrumpfen, statt wie im noch im Herbst erwartet um 0,3%. Die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen sei bisher noch hoch gewesen. Die Rezession im Winterhalbjahr werde daher etwas milder ausfallen als erwartet, und »danach geht es wieder aufwärts«, stellt der Leiter der Konjunkturforschung des Instituts, Timo Wollmershäuser, heraus.

Nach seiner Auffassung dürfte die Inflationsrate wegen der Strom- und Gaspreisbremse auf 6,4% zurückgehen. Die Wirtschaft sei mit einem leichten Zuwachs im dritten Quartal »viel besser als gedacht« gelaufen, die Verbraucher griffen in hohem Maße auf ihre Ersparnisse zurück, um die Preiserhöhungen abzufedern, und der private Konsum werde durch staatliche Hilfen, Renten-, Mindestlohn- und Lohnerhöhungen gestützt. Deshalb erwarten die Münchner Forscher für das zu Ende gehende Jahr 2022 nun ein Wirtschaftswachstum von 1,8% statt der bisher prognostizierten 1,6%.

Allerdings werde der hohe Preisauftrieb vor allem im Winterhalbjahr (das Institut rechnet für den Dezember mit einer Inflationsrate von 10%) die verfügbaren Realeinkommen der privaten Haushalte sinken lassen und damit die Konjunktur abkühlen. Vor allem Lebensmittel dürften in nächster Zeit noch teurer werden. Insgesamt rechnet Wollmershäuser damit, dass der private Konsum zurückgehen wird. »Die deutsche Wirtschaft wird im Winter in eine Rezession gehen und sich im Frühjahr ganz langsam wieder erholen.«

Viele Industrie- und Dienstleistungsunternehmen gäben ihre höheren Energie- und Lohnkosten über Preiserhöhungen weiter und nutzten auch Spielräume, um ihre Gewinne zu erhöhen. Auf dem Bau dagegen lassen die Preis- und Zinserhöhungen die Nachfrage einbrechen, Aufträge werden storniert, was »sich in den nächsten Monaten fortsetzen« werde. »Erst ab der zweiten Jahreshälfte dürften die Einkommen im Verlauf wieder stärker zulegen als die Preise und damit der private Konsum an Fahrt aufnehmen.« Für das Jahr 2024 rechnen die Forscher mit einem BIP-Wachstum von 1,6%.

Ein Dilemma sei, dass der Staat mit seinen Hilfen für die Bevölkerung die Nachfrage vergrößere, während die Europäische Zentralbank durch Zinserhöhungen die Nachfrage senken wolle, um die Inflation zu senken, formuliert der ifo-Präsident Clemens Fuest. »Wenn man Gas und Bremse gleichzeitig drückt, fängt das Auto an zu schlingern. Und in der Situation sind wir im Moment.«

Für den Arbeitsmarkt erwartet das Institut keine schweren Auswirkungen. Die Kurzarbeit dürfte im Winterhalbjahr vorübergehend wieder steigen und der Beschäftigungsaufbau zum Erliegen kommen, die Arbeitslosenquote wird der Prognose zufolge von 5,3% in diesem Jahr auf 5,5% im kommenden Jahr zulegen. Die ukrainischen Flüchtlinge integrierten sich schneller in den Arbeitsmarkt als andere.

Unter dem Strich erwarten die Münchener Forscher eine eher mildere Rezession als bislang angenommen. Etwas mehr Entspannung als andere (die Deutsche Bank geht von 7,5% im kommenden Jahr aus) sehen sie auch bei der Inflation. 2023 dürften die Verbraucherpreise noch um 6,4% zulegen, weniger, als man vorher befürchtet hatte. Zum Rückgang trägt die besagte Gas- und Strompreisbremse bei, die Verbraucherinnen und Verbraucher entlasten wird.

Allerdings sind die Belastungen durch die Inflation auch mit den Hilfen noch spürbar. Das bremst die Konsumbereitschaft der Haushalte. Noch in der ersten Jahreshälfte 2022 wirkte der Konsum konjunkturstützend. Mit hohen Energiepreisen und Inflation sind einkommensschwache Haushalte an ihre Grenzen gelangt und müssen auf Konsum verzichten, was die Wirtschaft bremst.

Der Gegenwind kommt auch aus anderen Bereichen, die bislang konjunkturstützend gewirkt hatten. So brechen etwa im Bausektor Aufträge weg, geplante Projekte werden storniert. Laut Umfragen des ifo Institutes sind die Geschäftserwartungen der Unternehmen in der Branche auf den tiefsten Stand seit Beginn der Befragungen vor über drei Jahrzehnten gefallen


Kieler Institut für Weltwirtschaft: bescheidenes Wachstum in 2023

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erwartet für 2023 ein bescheidenes Wachstum der deutschen Wirtschaft. Das BIP werde voraussichtlich um 0,3%, noch im September hatte es mit einem Rückgang von 0,7% gerechnet. Die Aussichten für die Konjunktur hätten sich – bei hoher Unsicherheit – etwas aufgehellt. Zwar dürfte die Wirtschaftsleistung im Winterhalbjahr leicht rückläufig sein, insgesamt zeichnet sich aber für das kommende Jahr gegenüber dem Bild seiner Herbstprognose eine etwas festere Entwicklung ab.

Maßgeblich für diese Einschätzung ist eine weniger belastete Konsumkonjunktur infolge vergleichsweise weniger stark steigender Energiepreise. Neben rückläufigen Notierungen an den Großhandelsmärkten schlägt hierbei vor allem die massive Subventionierung des Gas- und Stromverbrauchs zu Buche. Dies wirkt dem sonst zu erwartenden weitaus stärkeren Einbruch der real verfügbaren Einkommen im kommenden Jahr entgegen.

In der aktuellen Ausgabe der »Kieler Konjunkturberichte« notieren die Forscher des IfW zur Lage der deutschen Wirtschaft im Winter 2022: »Gleichwohl schmälert der Preisauftrieb insgesamt weiterhin deutlich die Kaufkraft der Konsumenten. Nach drei Jahren rückläufiger Realeinkommen würden diese voraussichtlich erst im Jahr 2024 wieder merklich zunehmen. Die nichtenergieintensive Industrieproduktion dürfte noch bis weit ins kommende Jahr von hohen Auftragspolstern und nachlassenden Lieferkettenproblemen gestützt werden. Alles in allem revidieren wir die Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts für die Jahre 2022 und 2023 um 0,5 bzw. 1,0 Prozentpunkte auf nunmehr 1,9% (2022) und 0,3% (2023).«


Preisbremsen für Strom und Gas hellen Konjunkturaussichten etwas auf

Alle Institute gehen für das kommende Jahr insgesamt von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung aus. Und auch die Bundesregierung, der Internationale Währungsfonds (IWF) und die OECD erwarten einen Rückgang des BIP. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet bislang sogar mit einem Einbruch von 3%.

Die Inflationsrate werde im kommenden Jahr zwar deutlich niedriger sein als bislang prophezeit, von Entwarnung können aber nicht die Rede sein. Die Ökonomen des IfW erwarten, dass Deutschland sich »im Kriechgang durch die Energiekrise« bewege, und erwarten erst für die zweite Jahreshälfte 2023 eine Verbesserung des Konsums. Allerdings dürften nach ihrer Auffassung die Unternehmen mehr investieren, die Exporte trotz des schwierigen globalen Umfelds leicht zulegen. Für 2024 sagt das IfW ein Wachstum von 1,3% voraus.

Der Arbeitsmarkt zeigt sich allen Prognosen zufolge robust, auch weil die Firmen nach wie vor händeringend nach Fachkräften suchten. Das Staatsdefizit dürfte im kommenden Jahr aufgrund der Hilfspakete auf rund 4% des BIP anschwellen.

In der Konsequenz dieser Prognosen für eine milde Rezession oder einen Kriechgang in der Akkumulation korrigiert auch das Wirtschaftsministerium unter Robert Habeck (Grüne) den Erwartungshorizont. Sollte es zu einer Rezession kommen, werde diese eher schwächer ausfallen, heißt es im Entwurf des Jahreswirtschaftsberichts für 2023. Daran hätten die Entlastungspakete der Regierung sowie der milliardenschwere »Abwehrschirm« und die dazugehörigen Gas- und Strompreisbremsen einen wesentlichen Anteil. Trotz des Wegfalls russischer Energielieferungen sei die Versorgungssicherheit mit Gas und Strom weiterhin hoch.

Mitte Oktober hatte die Bundesregierung vor allem wegen der Energiepreiskrise ihre Konjunkturprognose deutlich gesenkt. Die Regierung rechnet in diesem Jahr mit einem kleinen Wirtschaftswachstum von 1,4% und für das kommende Jahr um einen Rückgang von moderaten 0,4%.

Der weitere Konjunkturverlauf hängt entscheidend auch vom Gang der Weltwirtschaft sowie von der Energieversorgung ab. Bei den positiveren Prognosen wird unterstellt, dass eine Energiemangellage mit breiten Produktionsausfällen auch im Frühjahr 2023 vermieden werden kann. Die Energielage in Europa dürfte aber angespannt bleiben und die Preise für Gas und Strom hoch.

Zusätzlich dürften die international hohe Inflation und die Straffung der Geldpolitik die Nachfrage bremsen. Trotz Energieknappheit und steigenden Leitzinsen ist von keiner tiefen Rezession in Deutschland und Europa auszugehen. Die Schwächephase über den Winter dürfte moderat ausfallen. Das BIP-Entwicklung 2023 ist mit Stagnation besser umschrieben.

Auch die Unternehmerverbände rechnen trotz Problemen durch Energiekrise, Materialmangel und mauer Weltkonjunktur nur mit einer milden Rezession. »Das letzte Quartal des Jahres 2022 und der Jahresauftakt 2023 dürften mit einer rückläufigen Wirtschaftstätigkeit einhergehen«, so der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm. Man erwarte dennoch nur einen leichten Einbruch, wenngleich das Wachstum bis 2024 eher verhalten ausfallen werde. »Denn die gesamte Welt befindet sich in einer Schwächephase«, ließ der BDI-Präsident mit Blick auf die exportabhängige deutsche Wirtschaft verlauten.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hofft vor allem auf ein Ende der Störungen in den Lieferketten, von denen noch immer vier von zehn Unternehmen betroffen sind. »Aktuell deutet vieles darauf hin, dass sich die Störungen allmählich abbauen: Frachtraten für Containerpreise nähern sich wieder den langjährigen Normalwerten, die Staus vor internationalen Häfen lösen sich langsam auf«, so der DIHK-Präsident Peter Adrian.

»Sollten die angekündigten Lockerungen der Null-Covid-Politik Chinas so auch vollzogen werden, wäre das ebenfalls ein positives Signal für die globalen Lieferketten.« Dennoch rechnet auch der DIHK erst in der zweiten Jahreshälfte 2023 mit einer konjunkturellen Belebung, aktuell seien die Geschäftsaussichten der Unternehmen noch sehr pessimistisch. Trotz Strom- und Gaspreisbremse blieben die hohen Energiepreise eine große Belastung. »Hinzu kommt eine Rekordinflation, die der Konsumlaune der Verbraucher einen erheblichen Dämpfer versetzt.«

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