27. September 2026 Wolfgang Müller: Chinas Staatschef Xi Jinping besucht Donald Trump
Seltene Erden, Künstliche Intelligenz, Zölle und Kriege
Der chinesische Parteichef und Staatspräsident der Volksrepublik China Xi Jinping war zusammen mit seiner Frau zwei Tage lang Staatsgast der USA. US-Präsident Donald Trump begrüßte die beiden ebenfalls zusammen mit seiner Frau persönlich auf dem Rollfeld des Militärflughafens Joint Base Andrews bei Washington, was ungewöhnlich ist, denn normalerweise werden Staatsgäste von ihm erst bei der Ankunft im Weißen Haus empfangen.
Sowohl dieser Empfang als auch die aufgebotenen Fanfaren, militärisches Spalier und als Höhepunkt ein Staatsbankett machen deutlich, welches Gewicht Trump den komplizierten Beziehungen der beiden Länder beimisst. Dass dieses Treffen zwischen den politischen Führern der beiden größten Weltmächte bei allen gegensätzlichen Interessen und fundamentalen weltanschaulichen Differenzen überhaupt stattgefunden hat (unter der vorherigen US-Regierung unmöglich), ist für die Menschen in der Welt ein Erfolg.
Die Gefahr einer kriegerischen Konfrontation zwischen beiden in der nächsten Zeit ist damit reduziert. Das gilt auch für die Taiwanfrage. Die pessimistischen Prognosen unter dem Begriff »Thukydides-Falle«, dass es beim Abstieg der bislang dominanten Vormacht USA demnächst unweigerlich zum großen Krieg mit der aufsteigenden Weltmacht China kommt, müssen wohl überprüft werden.
In den Beziehungen zwischen den beiden größten Weltmächten gibt es jetzt eine fragile Stabilität. Offensichtlich haben sich auf den verschiedenen Regierungsebenen Gesprächskanäle und Arbeitsbeziehungen etabliert, was den Ausbruch unkontrollierter Konflikte verhindern kann. Damit wird die Welt sicherer. Wir erleben derzeit schmerzlich in Europa, dass so eine Stabilität und solche Kanäle und Beziehungen, die unerlässlich für die Sicherung des Friedens sind, zwischen den Staaten in Europa und Russland fehlen.
Mit dem Treffen zwischen Xi und Trump ist der neue Kalte Krieg der USA und der US-Verbündeten gegen China auf politischem, militärischem, ideologischem, wirtschaftlichem und technologischem Gebiet allerdings nicht abgesagt. Denn die USA und der Westen wollen ihre lukrative Vormachtstellung gegenüber China und dem globalen Süden weiter behalten.
Der Wirtschaftskrieg und vor allem das Ringen um die Dominanz bei Zukunftstechnologien (KI, Robotik, Elektrofahrzeuge etc.) gehen also weiter. Das faktische Monopol bei den seltenen Erden, die für neue Technologien und militärische Anwendungen gebraucht werden, gibt China weiter einen starken Hebel gegen US-Erpressungen. Aber die Verlängerung des Zollabkommens zeigt, dass trotz unterschiedlicher Interessen und Ziele Kompromisse möglich sind.
Xi betonte bei einem kurzen Pressestatement im Weißen Haus vor allem Wirtschaft und Handel: »Wir sollten aufrichtig zusammenarbeiten. China bleibt offen für amerikanische Unternehmen, die investieren und sich engagieren wollen. Gleichzeitig hoffe ich, dass chinesische Unternehmen in den USA fair behandelt werden.«
China hat politisch von den weltweiten Auswirkungen des US-Israel-Angriffskrieges gegen den Iran, Mitglied im Klub der BRICS+-Staaten, profitiert. China hat zugleich den Falken im US-Establishment demonstriert, dass es aufgrund von vorausschauend angelegten riesigen Reserven durch Sanktionen gegen den Öllieferanten Iran wirtschaftlich nicht erpressbar ist. Sollten die USA den Aggressionskrieg gegen den Iran auch als Schlag gegen die Volksrepublik geplant haben, so ist das Projekt krachend gescheitert.
Praktisch hat sich Chinas Einsatz für den Frieden in Nahost auf Appelle und vermutlich auch auf wichtige Aufklärungsdaten für den Iran über US-Stützpunkte in Nahost beschränkt. Insofern dürfte der Krieg in den Gesprächen eine große Rolle gespielt haben. Aber China hat bislang nicht die politische und militärische Macht, Frieden zu erzwingen. Ob es dennoch gelingt, als Vermittler in diesem Konflikt, der aufgrund der Sperrung der Straße von Hormus und der Meerenge im Roten Meer auch die Ökonomie der Volksrepublik belastet, wird sich erfolgreich zu sein, muss abgewartet werden.
Bei der Regelung von Künstlicher Intelligenz haben beide Weltmächte unterschiedliche Interessen und Ansätze: Während China auf deren praktischen Einsatz in der Gesellschaft und auf physische KI setzt, also die Integration in Maschinen und Roboter, fokussieren die US-Tech-Konzerne auf Grundlagenforschung, auf große Sprachmodelle.
China sieht die Notwendigkeit, dafür zu sorgen, dass sie nicht außer Kontrolle gerät, wie Xi in seinem Pressestatement zum Thema Künstliche Intelligenz unterstrich: »Wir müssen sicherstellen, dass die Entwicklung unter Kontrolle bleibt und dem Wohl der Menschen dient.« Und das Land hat längst gesellschaftliche Regelungen für den KI-Einsatz eingezogen, die wiederum von Trump nicht gewünscht und in den USA auch nicht umsetzbar sein dürften. Allerdings hat China wenig Interesse an Regeln, die die Entwicklungen im eigenen Land stoppen würden, während laut Aussagen der US-Konzerne in den USA längst der KI-Geist aus der Flasche entwichen ist.
Ob die offenkundige Absicht Trumps, mit zumindest einigen konkreten Ergebnissen des Besuches von Xi sein Umfragetief und das der republikanischen Partei vor den Novemberwahlen noch umzudrehen, etwas bewirkt, bleibt abzuwarten. Laut der Einschätzung des britischen Historikers Rana Mitter wäre das dringend notwendig, denn Trump brauche dringend wenigstens kleine Fortschritte wie einen neuen Handelsdeal: »Dass China weiter seltene Erden liefert, oder mehr Agrarprodukte aus den USA kauft, etwa Sojabohnen, die in den Gegenden angebaut werden, die bei den Kongress-Zwischenwahlen republikanisch wählen« würde für Trump gut passen.
Wolfgang Müller schreibt regelmäßig zu aktuellen Entwicklungen der Volksrepublik China in den Printausgaben von Sozialismus.de, so im Oktoberheft 2026 zu »Unterdrückung der Minderheiten? Chinas neues Gesetz über ethnische Einheit«.












