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Neue VSA: Bücher

Ulrich Maurer
Wars das?
Ein Nachruf auf die SPD
160 Seiten | Hardcover | EUR 14.80
ISBN 978-3-89965-840-8

Bernd Riexinger
Neue Klassenpolitik
Solidarität der Vielen statt Herrschaft der Wenigen
160 Seiten | EUR 14.80
ISBN 978-3-89965-827-9

Knut Nevermann (Hrsg.)
Die 68er
Von der Selbst-Politisierung der Studentenbewegung zum Wandel der Öffentlichkeit
248 Seiten | EUR 19.80
ISBN 978-3-89965-793-7

Hartmut Meine
Gewerkschaft, ja bitte!
Ein Handbuch für Betriebsräte, Vertrauensleute und Aktive
448 Seiten | Hardcover | Abbildungen | EUR 19.80
ISBN 978-3-89965-779-1

IG Metall Bezirk Baden-Württemberg (Hrsg.)
aufrecht gehen
Wie Beschäftigte durch Organizing zu ihrem Recht kommen
160 Seiten | Hardcover | durchgehend farbig | Abbildungen | EUR 16.80

Marcello Musto
Der späte Marx
Eine intellektuelle Biografie der Jahre 1881 bis 1883
152 Seiten | | EUR 14.80
ISBN 978-3-89965-796-8

Karl Marx
Das Kapital
Kritik der politischen Ökonomie | Erster Band
Buch I: Der Produktionsprozess des Kapitals
Neue Textausgabe, bearbeitet und herausgegeben von Thomas Kuczynski
800 Seiten | Hardcover mit USB-Card | € 19.80
ISBN 978-3-89965-777-7

30. Juni 2012 Gerd Siebecke: Rolf Uesseler ist in Rom verstorben

Trauer um Rolf Uesseler

Foto: Esther Koppel

Am 20. Juni 2012 hat Rolf Uesseler in »seiner Stadt« Rom, in der er seit 1979 lebte, den Kampf gegen eine tückische Krebserkrankung verloren. Wir trauern gemeinsam mit seiner Frau Esther Koppel und seinem Sohn Jacopo, seiner Schwägerin Gabriele Koppel und vielen FreundInnen und Weggefährten um den Autor des VSA: Verlags und der Zeitschrift »Sozialismus«.

Rolf Uesseler wurde 1943 in Dortmund geboren, wuchs in Barntrup bei Detmold auf und studierte später Wirtschaftswissenschaften, Psychologie und Journalismus. Nach seiner Übersiedlungen nach Rom arbeitet er als unabhängiger Forscher und Journalist.

Ich habe ihn kennen- und schätzen gelernt als Verfasser von Artikeln zur aktuellen Situation in Italien in der Zeitschrift »Sozialismus« und später in »Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte«, vor allem jedoch als Autor eines der ersten politischen Reisebücher im VSA: Verlag »ITALIEN«, das er 1986 gemeinsam mit Esther Koppel verfasst hat. Sie beendeten ihr Vorwort damals mit der Bemerkung »Dieses Buch will ein ›politischer Reiseführer‹ sein, damit eine Brücke über die Alpen geschlagen wird, auf der nicht nur Kanonen, Butterberge, Tomatenhaufen, Gastarbeiter und Teutonen transportiert werden.« Welch weiser Blick, der der Sache nach an Aktualität wenig verloren hat.

Gern erinnere ich mich daran, dass Rolf und Esther in vielen Gesprächen immer darauf hinwiesen, dass »Links sein« vor allem eine andere Art ist, das Alltagsleben der Menschen Ernst zu nehmen und Alternativen, die daran anknüpfen, mitzuprägen. Als ein Beispiel dafür galt ihnen der Text in dem noch heute oft gespielten Song des italienischen Liedermachers Totò Cutugno »L'Italia« (besser bekannt als »Lasciatemi Cantare« von 1983): »un partigiano come presidente« – ein Partisan als Präsident, mit dem der damalige Staatspräsident Sandro Pertini gewürdigt wird.

Dass die Entwicklung Italiens und seiner Stadt Rom, über die er ebenfalls im VSA: Verlag 1990 ein StadtReiseBuch herausgegeben hat, keineswegs immer in eine progressive Richtung ging, hat Rolf durch sein Engagement in der italienischen Anti-Mafia-Bewegung deutlich machen müssen, in der er lange Zeit aktiv war. Das prägte auch seine Forschungs- und Arbeitsthemen: organisierte Kriminalität und informelle Wirtschaft, die Privatisierungen und der Prozess der Entdemokratisierung, die Verbindungen zwischen Mafia und Staat in Italien.

Seine Bücher »Mafia: Mythos, Macht, Moral« von 1987, »Herausforderung Mafia: Strategien gegen organisierte Kriminalität« von 1993 und zuletzt »Krieg als Dienstleistung : private Militärfirmen zerstören die Demokratie« von 2006 (Neuausgabe 2008) machen dies deutlich, in denen er auch analysierte, wie Geldwäsche und illegaler Geldtransfer funktionieren.

Deshalb konnte ihm natürlich zuletzt auch das »System Berlusconi« trotz beginnender Krankheit keine Ruhe lassen. In dem Beitrag »Berlusconi: Einer wie alle« in den »Blättern für deutsche und internationale Politik« vom April 2011 stellte er Fragen, deren Beantwortung auch nach dem Verschwingen von Silvio Berlusconi aus der ersten Reihe der italienischen Politik noch längst nicht beantwortet sind: »Warum kann ein Mann wie Berlusconi sich trotz seiner unzähligen Skandale weiterhin an der Macht halten, obwohl in anderen westlichen Demokratien bereits einer dieser Skandale ausgereicht hätte, den Ministerpräsidenten zu stürzen? Und warum wählt die Mehrheit der Italienerinnen und Italiener diesen Mann seit fast zwei Jahrzehnten immer wieder zu ihrem Regierungschef?«

Um die Beantwortung des Kerns dieser Frage zu ringen und zugleich den Prozess des »Links sein, eine andere Art zu leben« in Italien und anderswo voranzubringen, das werden wir leider in Zukunft ohne Rolf zu Wege bringen müssen.

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