»Ihr Grundbegriff ist nicht Fortschritt, sondern Aktualisierung.«
Mittwoch, 15.4.2026 | 18:00 Uhr | Online
Christoph Lieber, Redakteur von Sozialismus.de, stellt Walter Benjamins materialistische Geschichtsauffassung vor und diskutiert, ob der Bruch mit einem konformistischen Fortschrittsglauben hilft, »unsere Position im Kampf gegen den Faschismus zu verbessern?«
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13. März 2026 Redaktion Sozialismus.de

Was wollen die USA im Iran-Krieg erreichen?

Angegriffener Öltanker in der Straße von Hormuz (Foto: Screenshot)

Das iranische Regime musste nach Eröffnung des Krieges durch USA und Israel harte Bombenschäden durch die US-Luftwaffe hinnehmen. Bei der gezielten Tötung des Revolutionsführers Ali Khamenei starben am ersten Tag auch der Verteidigungsminister und der Kommandant der Revolutionswächter.

Insgesamt kamen knapp 50 hochrangige Funktionäre ums Leben. Aber das Regime ist nicht kollabiert. Es zeigt sich in der Lage, den USA und ihren Verbündeten ebenfalls empfindliche Verluste beizubringen. Die USA und Israel haben nach eigenen Angaben die gesamte iranische Flotte und 60% der Raketenabschussrampen zerstört. Im Vergleich zu den ersten Tagen des Krieges sank die Zahl der iranischen Angriffe mit Raketen und Drohnen um über 90%.

Die effektivste Waffe des Iran ist die Sperrung der Meerenge von Hormuz, für die nicht viele Raketen oder Drohnen benötigt werden. Allein die glaubwürdige Drohung mit Angriffen auf Tankschiffe hat den Verkehr im Nadelöhr der globalen Erdölversorgung praktisch zum Erliegen gebracht. Obwohl die USA nicht vom Öl aus dem Persischen Golf abhängen, sind die durchschnittlichen Benzinpreise in Amerika um knapp 20% gestiegen. Das spüren Donald Trumps Wähler*innen direkt in ihrem Lebenshaltungskosten.


Ist der Krieg in den USA populär?

Der US-Präsident und seine Regierung bleiben weiterhin unklar, zum Teil konfus in den Zielsetzungen der militärischen Auseinandersetzungen. Erst verschreckte Trump mit dem hastigen, verwirrend erklärten Angriff die Finanz- und Rohstoffmärkte, dann beruhigte er sie mit einer kurzen Erklärung rasch wieder, indem er andeutete, der Krieg könnte rasch zu Ende sein. Gleichzeitig gab sich Kriegsminister Pete Hegseth kämpferisch und kündigte für die nächsten Tage die schwersten Luftangriffe an.

Die Märkte haben sich zu einer optimistischen Interpretation entschlossen, auch wenn sie weiterhin nervös sind. Der rasante Anstieg der Erdölpreise und der Renditen für Staatsanleihen wurde zunächst gedämpft. Die Aktienkurse machten zunächst einen Teil der Verluste wett, sanken danach aber wieder. Wird der Waffengang bald vorbei sein?

Der Krieg war unter den US-Amerikaner*innen von Beginn an unpopulär. Aussagen von Außenminister Marco Rubio verstärkten außerdem den Eindruck, der Präsident sei vom israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu zu dem Angriff verleitet worden. Wie das »Wall Street Journal« berichtete, drängen seither einige Berater*innen im Weißen Haus auf ein möglichst schnelles Ende des Krieges.

Trump kann Iran zwar nicht zur bedingungslosen Kapitulation zwingen, könnte sich dennoch einseitig zum Sieger erklären: Das iranische Militär wurde entscheidend geschwächt, die Flotte zerstört, sein Raketenarsenal dezimiert und viele Rüstungsfabriken zerstört. »Das Regime lebt zwar noch«, könnte Trump sagen, »aber wir haben ihm die schärfsten Zähne gezogen«.

Aber erstens haben die USA neben dem Maximalziel eines Regimewechsels auch wichtige andere Ziele nicht erreicht. Die Gefahr, dass Iran weiter an einer Atombombe arbeitet, erscheint nicht kleiner als vor dem Krieg. Das Raketenprogramm ist zwar dezimiert, aber das Know-how für einen Wiederaufbau nicht. Und das Regime zeigt sich weiterhin nicht bereit, auf die Unterstützung ausländischer Milizen zu verzichten.

Zweitens ist die neue iranische Führung nicht bereit, sich schnell auf einen Waffenstillstand einzulassen. Der Sprecher des iranischen Parlaments, Mohammad Bagher Ghalibaf, schrieb: »Wir streben mit Sicherheit keinen Waffenstillstand an. Der Aggressor muss bestraft werden und eine Lektion erhalten.« Ali Larijani, der Vorsitzende des iranischen Sicherheitsrats, drohte mit einer anhaltenden Sperrung der Meerenge von Hormuz, sollten Irans Sicherheitsinteressen nicht berücksichtigt werden: »Die Straße von Hormuz wird entweder eine Meerenge des Friedens und des Wohlstands für alle sein, oder es wird eine Meerenge der Niederlage und des Leidens für die Kriegstreiber sein.«

Ein erklärtes Ziel der USA bestand darin, das eigene militärische Abschreckungspotenzial deutlich zu machen. Sollte aber der Eindruck entstehen, Amerika habe sich von Iran durch die Blockade der Meerenge in die Knie zwingen lassen, wird es schwierig werden, dem Regime in künftigen Verhandlungen noch große Kompromisse abzuringen. Ob es den USA wirksam gelingen wird, durch die am Dienstag praktizierte Zerstörung von nach eigenen Angaben sechzehn iranischen Seeminenleger-Schiffen, den Verkehrsweg wieder freizukriegen, bezweifeln Militärexperten.

Drittens haben sich Trump und seine Regierung den Weg zu einem schnellen Kriegsende auch selber verbaut: indem sie mit maximalistischen Zielen kaum zu erfüllende Erwartungen schufen. Der US-Präsident versprach dem iranischen Volk, das Regime mit Luftangriffen derart zu schwächen, dass dessen Sturz ein Leichtes sein würde: »Wenn wir fertig sind, übernehmt die Macht. Sie gehört dann euch.« Und auch der Anspruch, den nächsten iranischen Revolutionsführer quasi selbst ernennen zu können, erwies sich als großmäulig. Mit der Wahl von Mojtaba Khamenei, dem Sohn des getöteten Revolutionsführers, ignorierte der iranische Expertenrat dies demonstrativ, was Trump »enttäuscht«, aber erneut mit großspurigen Drohungen einräumen musste.


Improvisierte Kriegsziele

Das Weiße Haus hat die möglichen Folgen iranischer Vergeltungsmaßnahmen laut einem US-Medienbericht auch intern heruntergespielt. Und muss in seinem Krieg nun improvisieren. Angesichts des Ziel-Zickzacks der US-Regierung wird im Land gefragt: Wer wurde oder wird hier belogen? Die Öffentlichkeit oder der Kongress?

Öffentlich erklärten Trump und Hegseth wiederholt, es gehe darum, dass die Islamische Republik nie Atomwaffen entwickeln kann und dass gegen die theokratische Regierung gebombt wird, um einen Regime Change zu ermöglichen. Intern werden laut Demokraten im Kongress andere Ziele kommuniziert: Die Hunderte Kilo angereicherten Urans sollten gar nicht gesichert werden und das Pentagon werde einfach weiterbomben, bis hoffentlich ein US-höriges Staatsoberhaupt an der Macht ist, so Senator Chris Murphy. In der Geschichte seiner Kriege haben die Vereinigten Staaten noch nie einen Regime Change nur aus der Luft erzwingen können, es waren immer auch Bodentruppen beteiligt.

»Boots on the ground« wären laut Senator Blumenthal anscheinend notwendig, sagte er, und meinte, er sei angesichts der Fülle und Bedeutung offener Fragen so wütend wie nie zuvor in seinen 15 Jahren im Kongress aus einem Briefing herausgekommen. Die Planlosigkeit des Weißen Hauses, von der Regierungsmitarbeiter kurz nach Kriegsbeginn berichtet hatten, setzt sich offenbar fort.

Trump, seine Minister und manche Berater*innen hätten die Risiken völlig unterschätzt, schreibt die »New York Times« auf Basis weiterer anonymer Quellen in der Regierung. Sie teilten die Ansicht von Energieminister Chris Wright: Der hatte zehn Tage vor dem Beginn der Luftschläge gesagt, er sei nicht besorgt, dass ein Krieg gegen den Iran die Ölversorgung im Nahen Osten oder die weltweiten Energiemärkte stören würde. Dies leitete er aus den geringen Folgen des Zwölftage-Kriegs im vergangenen Juni ab.

Die Berater*innen des Weißen Hauses waren sich laut »New York Times« uneinig, welche Folgen der Krieg haben würde. Manche hielten aggressive Vergeltung des Iran für möglich, andere gingen davon aus, dass sich angesichts der militärischen Übermacht die Pragmatiker in Teheran durchsetzen würden. Trump habe Energieminister Wright und Finanzminister Scott Bessent beauftragt, an Maßnahmen gegen mögliche Preisspitzen zu arbeiten.


Druckmittel Öl- und Benzinpreise

Aber die Ölpreise sind nach oben geschossen und Autonutzer*innen in den USA zahlen merklich mehr an der Tankstelle. Nun müsse die US-Regierung improvisieren, schlussfolgert die Zeitung. Botschaftspersonal werde abgezogen, das Weiße Haus wisse derzeit nicht, wie es die Straße von Hormus sichern könne, sagte Senator Murphy.

Trump behauptet, Öl aus Venezuela könne dabei helfen, die Teuerung zu dämpfen. Der Rohstoff aus dem südamerikanischen Land ist hauptsächlich Schweröl, das nur bestimmte, dafür ausgerüstete Raffinerien verarbeiten können. Die Produktionskosten sind deshalb höher als bei Öl aus dem Nahen Osten. Durch die Passage von Hormus wird vor allem saudi-arabisches Öl transportiert. Dort wird hauptsächlich leichtes Öl gefördert.

Karoline Leavitt, die Pressesprecherin des Weißen Hauses, meinte, die Regierung habe vor Ausbruch des Krieges »einen guten Matchplan gehabt«. Die Ölpreise würden nach Kriegsende wieder sinken, es sei wichtiger, »die Terroristen auszulöschen«. Solange das Ziel nicht eindeutig definiert ist, fehlt ein klarer Weg. Zumindest Hegseth und Rubio äußern sich seit neuestem ähnlich, wollen die Raketenabschussvorrichtungen, die Raketenfabriken sowie Marine zerstören.

Hören die USA also bald auf zu bomben und erklären sich zum Sieger, obwohl zuvor öffentlich von einer hörigen neuen Regierung statt der Mullahs und »niemals iranische Atomwaffen« die Rede war? Oder machen sie gemeinsam mit der israelischen Rechtsregierung so lange weiter, bis ein für sie genehmer Regime Change stattgefunden hat? Schicken sie am Ende gar Bodentruppen, um dies zu erzwingen oder das angereicherte Uran herauszuholen?

Die Finanzmärkte orientieren sich nach Trumps Aussagen von Montag am »Taco«-Prinzip (»Trump always chickens out«), das bereits im letzten Jahr angesichts der ebenfalls wirtschaftlich schädlichen Zollpolitik des Präsidenten sichtbar wurde: Trump prescht mit aggressiven Maßnahmen vor, macht aber schnell wieder einen Rückzieher, sobald sich an den Finanzmärkten schmerzhafte Kosten ankündigen. Auch diesmal gibt es zwei gute Argumente für »Taco«-

Erstens die wirtschaftlichen Kosten für die USA. Iran hat die Straße von Hormuz blockiert, durch die 20% des weltweit gehandelten Erdöls transportiert werden. Auch der Welthandel mit Flüssiggas und weiteren wichtigen Gütern wie Helium, das für die Chip-Produktion in Taiwan und Südkorea benötigt wird, oder Grundstoffen für die Düngerproduktion ist beeinträchtigt. Direkt betroffen sind vor allem Abnehmer in Asien. Doch weil die Märkte für Erdöl, Erdgas, Computerchips oder Dünger global sind, kann sich niemand dem Effekt der Verknappung des Angebots und der Unsicherheit über die weitere Entwicklung entziehen.

Das gilt auch für die USA. Sie müssen zwar als Nettoexporteur von Erdöl und Erdgas keinen Energiemangel befürchten. Doch der Anstieg der Weltmarktpreise belastet auch amerikanische Unternehmen und Verbraucher*innen. Trumps Wirtschaftspolitik ist in seiner Heimat ohnehin unpopulär, da das im Wahlkampf versprochene »goldene Zeitalter« in Form tieferer Konsumgüterpreise und kräftigen Wirtschaftswachstums auf sich warten lässt.

Nun sind die Benzinpreise um etwa 25% gestiegen. Sollte die Blockade noch mehrere Wochen oder gar Monate anhalten, müsste ein Teil der Förderanlagen der Golfstaaten eingestellt werden. Ein Wiederanlaufen nähme weitere Wochen in Anspruch. Das kumulierte Angebotsdefizit könnte das ganze Jahr hindurch zu erhöhten Preisen führen. Auch die Preise für Computerchips oder Nahrungsmittel könnten deutlich steigen. Das würde die Unzufriedenheit in den USA verstärken und könnte Konsequenzen für die Kongress-Zwischenwahlen im November haben.

Zweitens das fehlende Verständnis für den Iran-Krieg. Je länger Kriege dauern, desto mehr nimmt die Kriegsmüdigkeit zu. Der Angriff auf Iran startete schon von einer sehr geringen Zustimmung in der Bevölkerung, wie verschiedene Umfragen zeigen. Trump hat sich nicht darum bemüht, vor dem Angriff in der Bevölkerung und im Kongress für diesen Krieg zu werben, seine Rechtfertigungsversuche danach schwanken zwischen diversen Gründen hin und her, vermitteln wenig Vertrauen.

Zudem ist schwer erkennbar, wie dieser Angriff den Interessen der Amerikaner*innen nützen könnte. Iran stellte keine direkte Bedrohung der USA dar, der Sturz oder die Entwaffnung des Mullah-Regimes oder der Schutz Israels dürften bei Trumps Wähler*innnen ebenso wenig überzeugen, hatte er doch ethisch motivierte Kriegseinsätze stets vehement abgelehnt.

Aus diesen Gründen müsste Trump alles Interesse daran haben, zwischen dem unpopulären Iran-Krieg und den Zwischenwahlen im November möglichst viel Zeit verstreichen zu lassen. Allerdings kann der Krieg seiner eigenen Logik zufolge nur mit einem glanzvollen Erfolg Trumps enden. Das wird dem Präsidenten leichtfallen, da die Kriegsziele stets unklar blieben und er nie Probleme damit hat, die Fakten so darzustellen, wie er sie sich wünscht. Noch ist es aber nicht so weit; der Krieg läuft mit voller Kraft weiter. Und je mehr militärische Infrastruktur in Iran zerstört ist, umso plausibler wird ein erklärter Sieg.


Israel will weiterkämpfen, Iran erhöht die Kosten

Anders gelagert ist die Interessenlage bei Trumps wichtigstem Verbündeten Netanyahu. Im Unterschied zu den USA ist Israel durch das Mullah-Regime direkt bedroht, das die dessen Vernichtung zur Staatsräson erklärt hat. Dafür wurden jahrzehntelang in die Entwicklung von Raketen, Drohnen und eines eigenen Atomprogramms investiert sowie ein Netz von verbündeten Terrorgruppen in der Region aufgebaut.

Mit dem von den USA unterstützten israelischen Angriff auf die iranischen Atomanlagen im vergangenen Sommer und dem nun laufenden Luftkrieg mit der Reduktion des Waffenarsenals Irans wird das Bedrohungspotenzial verringert. Für Netanyahu dürfte das persönliche Kalkül hinzukommen, mit dem Krieg die gegen ihn laufenden Justizverfahren weiter zu verzögern und die Kriegserfolge als Chance für die im Oktober anstehende Parlamentswahl zu nutzen. Deshalb ist davon auszugehen, dass Netanyahu alles dafür tun wird, um den Krieg weiterzuführen und wird seinen Einfluss im Weißen Haus geltend machen. Einem Veto Trumps müsste er sich aber gleichwohlfügen.

Mit der schnellen Wahl von Khameneis Sohn zum neuen Führer haben Irans Machthaber ein deutliches Signal nach Washington gesandt: Sie denken nicht daran, dem Beispiel Venezuelas zu folgen und eine Schattenregierung von Trumps Gnaden zu akzeptieren oder gar zu kapitulieren, wie dieser das gefordert hat. Schon gar nicht steht eine Demokratisierung des Landes an, solange sich die Hardliner um die Revolutionswächter in Teheran genügend Unterstützung finden bzw. die oppositionellen Kräfte im Land unterdrücken können.

Deshalb treibt Iran die Kosten des Krieges für die USA so stark in die Höhe wie möglich, indem es die Erdölausfuhr im Persischen Golf einschränkt und die Golfstaaten angreift. Es wird die Kriegshandlungen nicht einstellen, solange es über die nötigen militärischen Mittel verfügt, um Trump zu einem raschen Rückzug zu drängen. Die Behinderung des Erdölhandels in der Straße von Hormuz ist das wichtigste Machtmittel dafür. Wie lange das durchgehalten werden kann, ist ungewissen, denn erstens gibt es damit Israel einen Grund für weitere Bombardierungen, und zweitens ist Iran darauf angewiesen, die hauptsächlich nach China gehenden Erdölexporte wieder aufzunehmen, sein Waffenarsenal wieder aufzubauen und die Beziehungen zu den Golfstaaten zu reparieren.


Die Golfstaaten haben genug

Die Golfstaaten werden von Iran angegriffen, obwohl sie eigentlich keine Kriegspartei sind. Das schadet ihrem sorgfältig aufgebauten Image als neutrale, friedliche Oasen, in denen alle Welt ungestört seinen Geschäften nachgehen kann. Zudem beeinträchtigt der Krieg unmittelbar das Erdölgeschäft, das Fluggeschäft, das Immobilien- und Finanzgeschäft sowie den Tourismus.

Die Golfstaaten dürften zwar mit Genugtuung zusehen, wie das Waffenarsenal Irans und dessen Potenzial zum Bau einer Atombombe dezimiert werden. Dennoch haben sie allen Grund, die USA zu einer raschen Beendigung des Krieges zu drängen, um möglichst bald wieder zur wirtschaftlichen Normalität zurückzukehren. Sowohl Saudi-Arabien wie auch die Vereinigten Emirate und Katar sind nicht nur traditionelle Verbündete der USA, sondern geschäftlich mit der Familie Trump verbandelt. Sie dürften erheblichen Einfluss in Washington und Mar-a-Lago geltend machen, damit sich der Krieg nicht allzu sehr in die Länge zieht.

Kehrt bald wieder Ruhe am Persischen Golf und am Erdölmarkt ein? Es gibt nachvollziehbare Gründe dafür, dass sich der Krieg nicht über Monate hinziehen wird. Starke Interessenlagen in den USA und den verbündeten Golfstaaten sprechen für ein baldiges Ende. Doch das ist keine Garantie. In der wilden Welt des Donald Trump ist immer mit Überraschungen zu rechnen.

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