transform! Webinare: Meeting the Left – transform! europe präsentiert eine Reihe von Web-Interviews mit führenden Persönlichkeiten von Parteien der europäischen Linken.

Dokumente zum diesjährigen Memorandum und ein aktuelles Sondermemorandum zur Corona-Krise gibt es auf der Memo-Website.

In Kooperation mit

Ulrich Brand
Post-Wachstum und
Gegen-Hegemonie

Klimastreiks und Alternativen zur imperialen Lebensweise
Mit einem Beitrag zur Corona-Krise
256 Seiten | EUR 16.80
ISBN 978-3-96488-027-7

Hajo Funke
Die Höcke-AfD
Vom gärigen Haufen zur rechtsextremen »Flügel«-Partei
Eine Flugschrift
128 Seiten | EUR 10.00
ISBN 978-3-96488-066-6

Michael Brie/Judith Dellheim (Hrsg.)
Nulltarif
Luxus des Öffentlichen im Verkehr: Widersprüchlicher Fortschritt einer Idee im ÖPNV
Eine Veröffentlichung der Rosa-Luxemburg-Stiftung
240 Seiten | EUR 16.80
ISBN 978-3-96488-011-6

Jens-F. Dwars/Dieter Hausold/Christiane Schneider/Paul Wellsow
Ein Sokrates der DDR
Nachdenken über Dieter Strützel (1935-1999)
Herausgegeben von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen
72 Seiten | EUR 6.00
ISBN 978-3-96488-061-1

Dietlind Kautzky/
Thomas Käpernick (Hrsg.)
»Mein Schicksal ist nur eins von Abertausenden«
Der Todesmarsch von Hamburg nach Kiel 1945 | Neun Biografien
192 Seiten | Hardcover | Fotos | in Farbe | EUR 19.80
ISBN 978-3-96488-064-2

Hendrik Auhagen u.a.
Klimagerechte Mobilität für alle
Verkehr der Zukunft nicht den Konzernen überlassen
AttacBasisTexte 57
96 Seiten | EUR 7.00
ISBN 978-3-96488-048-2

Stefan Stache/
Wolf von Matzenau (Hrsg.)
Was heißt Erneuerung
der Linken?

Sozial-ökologischer Umbau und ein Sozialstaat für das 21. Jahrhundert
In Kooperation mit spw
192 Seiten | EUR 16.80
ISBN 978-3-96488-026-0

Krzysztof Pilawski/
Holger Politt (Hrsg.)
Rosa Luxemburg: Spurensuche
Dokumente und Zeugnisse einer jüdischen Familie
152 Seiten | Hardcover |
mit Fotos in Farbe | EUR 19.80
ISBN 978-3-96488-005-5

4. Dezember 2000 Redaktion Sozialismus

»Wer die Welt verändern will, muss sie als Möglichkeit annehmen«

Michael Schumann ist am 2. Dezember 2000 zusammen mit seiner Frau tödlich verunglückt. Das langjährige Mitglied des Bundesvorstandes der PDS war in der Landtagsfraktion von Brandenburg zugleich ein profilierter Innen- und Rechtspolitiker. Die von der veröffentlichten Meinung gehätschelte seichte, oberflächliche Rhetorik war seine Sache nicht. Schumann war ein überzeugter Sozialist.

Zum Grundbestand der modernen Sozialisten gehörte für ihn, dass man das Erbe der Aufklärung und der dialektischen Vernunftkritik ernst nahm. Mit beißendem Spott und polemischer Ironie wurden all jene in und außerhalb der Partei bedacht, die sich für Politik nach Art des bundesdeutschen Stammtisches oder der Pop-Kultur stark machten. Nichts verachtete Michael Schumann mehr als billige politische Manöver und geistlose Interessenvertretung.

Er hat es auch seiner Partei mit seinem Insistieren auf theoretischer Begründung und intellektueller Redlichkeit nicht leicht gemacht. Für ihn haben sich zu viele damit begnügt, auf den Wellen des Zeitgeistes zu surfen und unpolitische Kleingartenkulturen anzulegen. Es war Michael Schumanns Überzeugung, dass in der hochentwickelten kapitalistischen Gesellschaft in aller Regel jede gesellschaftliche Minderheit - auch die politische Linke - ihre Identität pflegen und demonstrativ ausstellen kann, dass man aber Vereinskultur nicht mit Politik verwechseln solle. Gerade eine linkssozialistische Partei zeichnet sich für ihn durch ihren Anspruch auf gesamtgesellschaftliche Reform und Veränderung der realexistierenden Verhältnisse aus.

Die aufklärerisch-emanzipatorische Idee des Bewusst-Geschichte-Machens muss sich durch die Anstrengung der Begriffe und der mühseligen Aneignung von empirisch-theoretischen Zusammenhängen ausweisen. Deshalb geriet Michael Schumann in Rage, wenn er merkte, dass Politiker und Publizisten – der Rechten wie der Linken – einer begriffslosen Sicht der Geschichte, besonders der jüngsten, frönten.

Unablässig betonte er: Wir müssen aufpassen, dass uns nicht Geschichte enteignet, das Leben genommen und ein Phantom untergeschoben wird; wer seine Herkunft nicht kennt, hat keine Zukunft, schon gar keine sozialistische. Das Ausblenden des geschichtlichen Zusammenhanges und seine Ersetzung durch Kategorien eines pharisäerhaften moralischen Rigorismus, der immer dann »entdeckt« wird, wenn er ins Kalkül passt, entwertet unsere Geschichte und fälscht die Lebensläufe Hunderttausender. Hat da jemand noch Zweifel, dass ein solche Persönlichkeit selbst in ihrer eigenen Partei aneckte und nie wirklich »populär« sein konnte?

Zweifellos: Michael Schumann war in der PDS fest verankert, war immer wieder mit überzeugenden Voten in Vorstände und andere Entscheidungsgremien gewählt worden. Seine Reden auf Parteitagen und Konferenzen - insbesondere wenn es um die kritische Analyse des stalinschen Erbes des Staatssozialismus ging - waren Höhepunkte in der Auseinandersetzung um ein demokratisches, rechtsstaatliches, zivilgesellschaftliches Sozialismusverständnis. Michael Schumann ging es nicht um Rechthaberei, sondern um das Ringen um Hegemonie im Gramsci'schen Sinne: um Aufklärung, Überzeugung, Führung.

Wer menschliche Emanzipation und soziale Gerechtigkeit verwirklicht sehen will, der kann nur dann überzeugend die anderen zur Veränderung auffordern, wenn er vor sich selbst nicht halt macht. Nur wenn wir erreichen - so Schumann - dass die demokratische Linke in Deutschland von der breiten Öffentlichkeit, von den demokratisch gesinnten Menschen als selbstverständlicher und nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der politischen Kultur dieses Landes akzeptiert wird, kann ernsthaft von pluralistischer Demokratie gesprochen werden. Nur in diesem Rahmen werden sozialistische Ideen eine Chance und eine Zukunft haben.

Die PDS und die politische Linke dieses Landes haben gewiss viele fähige Politikerinnen und Politiker. Aber Sozialisten wie Schumann sind rar. Wir haben einen streitbaren Diskussionspartner und einen Freund verloren.

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