»Ihr Grundbegriff ist nicht Fortschritt, sondern Aktualisierung.«
Mittwoch, 15.4.2026 | 18:00 Uhr | Online
Christoph Lieber, Redakteur von Sozialismus.de, stellt Walter Benjamins materialistische Geschichtsauffassung vor und diskutiert, ob der Bruch mit einem konformistischen Fortschrittsglauben hilft, »unsere Position im Kampf gegen den Faschismus zu verbessern?«
Zugangsdaten hier.

Richard Stöss
Der Niedergang der SPD
Anmerkungen zur neueren Entwicklung der Partei anlässlich der Bundestagswahl 2025
Sozialismus.de Supplement zu Heft 9/2025
64 Seiten | € 7.00
ISBN 978-3-96488-253-0

David Harvey
Marx’ »Grundrisse« lesen
Ein Begleiter für Einsteiger und Fortgeschrittene
Aus dem Englischen von Mareike Borger, Leo Koch und Klara Steenken
432 Seiten | € 29.80
ISBN 978-3-96488-187-8

Garnet Alps/Carsten Maaß/Uwe Stoffregen
Gewerkschaft, ja bitte!
Ein Handbuch für Betriebsräte, Vertrauensleute und Aktive
5. aktualisierte Ausgabe 2026
Mit einem Vorwort von Ralf Reinstädtler (geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall)
480 Seiten | Hardcover | € 24.80
ISBN 978-3-96488-250-9

Jan Schulze-Husmann/Peter Trinogga/Aktivenkreis Bundesanzeiger (Hrsg.)
Streik doch einfach mit!
138 Tage Arbeitskampf beim DuMont-Konzern
WIDERSTÄNDIG
168 Seiten | in Farbe | € 12.00
ISBN 978-3-96488-246-2

Laura Bremert/Markus Hoppe/Bettina-Johanna Krings/Werner Schmidt (Hrsg.)
Der Betrieb als sozialer Ort im Umbruch
Kollegialität und Solidarität trotz Homeoffice, New Work und Agilität?
184 Seiten | € 16.80
ISBN 978-3-96488-247-9

Rolf Rosenbrock
Selbstgestaltung und Soziale Arbeit
Erkenntnisse und Positionen zur Wohlfahrtspflege: gegen Armut und Opferschelte
152 Seiten | € 14.80
ISBN 978-3-96488-260-8

Klaus Weber
Kampfblatt des autoritären Liberalismus
Die Frankfurter Allgemeine als Wegbereiterin von »Kriegstüchtigkeit«
168 Seiten | € 14.80
ISBN 978-3-96488-258-5

Gine Elsner
Was wir von Corona lernen könnten
Über die Entstehung, Eindämmung und den politischen Umgang mit einer Pandemie
176 Seiten | € 14.80
ISBN 978-3-96488-256-1

Joachim Bischoff
Ende oder Renaissance sozialistischer Utopien?
Von Engels’ »Anti-Dühring« zum Epochenbruch am Ende des Zeitalters der Erschöpfung
256 Seiten | € 16.80
ISBN 978-3-96488-172-4

9. Januar 2023 Redaktion Sozialismus.de | VSA: Verlag

Wir trauern um Axel Troost (1.9.1954–6.1.2023)

Am 6. Januar verstarb in Leipzig nach kurzer schwerer Krankheit Axel Troost. Mit ihm verliert die gesellschaftliche Linke der Berliner Republik eine wichtige Stimme und einen großartigen Organisator. Wir trauern mit seiner Familie um einen langjährigen Mitstreiter, Autor unseres Publikationsprojektes und lieben Freund.

Zu seinen wissenschaftlichen wie politischen Schwerpunkten gehörten zum einen die Arbeit gegen die neoliberale Ausrichtung der Ökonomie in Theorie und Praxis, zum anderen der Kampf gegen die Folgen der gesellschaftspolitischen Deformationen durch die von der Sozialdemokratie mit auf den Weg gebrachten Hartz-IV-Gesetze. Gleichwohl setzte er sich immer dafür ein, dass es innerhalb der gesellschaftlichen Linken und auch der Linkspartei einen Pluralismus von Positionen und Debatten geben muss, um an der Seite der Gewerkschaften Angriffe auf die Lebendbedingungen der Menschen abzuwehren und zugleich fortschrittliche Lösungen zu erstreiten.

Axel wurde am 1. September 1954 in Hagen geboren, er besuchte das Internat Schule Schloss Salem, wo er 1973 das Abitur machte. Anschließend studierte er in Marburg Volkswirtschaftslehre, schloss das Studium als Diplom-Volkswirt ab. Dort promovierte er außerdem 1982 zum Thema »Staatsverschuldung und Kreditinstitute – die öffentliche Kreditaufnahme im Rahmen des gesamten Kredit- und Dienstleistungsgeschäfts der Geschäftsbanken«.

Diesem Thema blieb Axel Zeit seines Lebens treu, verstand sich nicht nur als Wirtschaftswissenschaftler, sondern als Politischer Ökonom. Seit 1981 war er Geschäftsführer der »Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik« (der sogenannten Memo-Gruppe), die seit 1977 alljährlich ein Memorandum für eine alternative Wirtschaftspolitik veröffentlicht – zu Recht als »Gegengutachten« zum jährlichen Gutachten des »Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung« bezeichnet –, die wesentlich von Axel koordiniert und organisiert wurden. Zusätzlich erschienen zahlreiche Stellungnahmen zu aktuellen wirtschafts-, finanz- und sozialpolitischen Fragen, die von ihm auf den Weg gebracht wurden. Seit Ende der 1980er-Jahre bereitete er außerdem die jährliche Sommerschule der Memo-Gruppe vor. Zudem war er seit 1984 geschäftsführender Gesellschafter des Progress-Institut für Wirtschaftsforschung (PIW GmbH).

Rudolf Hickel, einer der Gründer der Memo-Gruppe, bemerkte in dem Band »Alternative Wirtschaftspolitik – Tro(o)st in Theorie und Praxis«, den die Gruppe Axel anlässlich seines 60. Geburtstags widmete, zu Recht: »Das politisch-gesellschaftliche Engagement, das der Schaffung besserer Arbeits- und Lebensbedingungen der vom unternehmerischen ›Investitionsmonopol‹ Abhängigen – so nannte Erich Preiser dies – dient, treibt auch seine wissenschaftliche Arbeit an. Empirisch fundiert, auf die realen Produktionsverhältnisse des heutigen Kapitalismus ausgerichtet, widerlegt er nicht nur die beherrschenden ›Mainstream economics‹, sondern er konzentriert sich auf Elemente einer gesellschaftlich verantwortlichen, emanzipatorischen Ökonomie. Die Verwertung seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse in der politischen Arbeit ist sein Markenzeichen.«

Axels politisches Engagement begann bereits während der Schulzeit, er trat 1970 der SPD bei, die er 1973 wieder verließ. Von 1976 bis 1984 organisierte er sich an der Seite der DKP. Im Jahr 2005 gehörte er zu den Mitbegründern der »Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit« und war bis 2007 Mitglied ihres geschäftsführenden Bundesvorstandes. Seit der Fusion der WASG mit der Linkspartei.PDS zur Partei DIE LINKE gehörte er dem Bundesvorstand der Partei an. Von 2005 bis 2007 war er Landessprecher im Landesverband Bremen und, nachdem er nach Leipzig gezogen war, von 2009 bis 2011 Mitglied des Landesvorstandes in Sachsen. Im Juni 2012 wurde Axel zum stellvertretenden Vorsitzenden der LINKEN gewählt und blieb es bis zum Parteitag im Februar 2021, als er satzungsgemäß nicht erneut für dieses Amt kandidierte. Die Delegierten wählten ihn in den Parteivorstand, dem er bis zum Juni 2022 angehörte.

Von 2005 bis 2021 war Axel für DIE LINKE als finanzpolitischer Sprecher Mitglied des Deutschen Bundestages, zeitweilig als einer ihrer Parlamentarischen Geschäftsführer. Er gehörte als MdB zudem dem Verwaltungsrat der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) an.

»Weil wir Konzepte für eine Politik ›links der Mitte‹ brauchen,« wie er auf seiner Website notierte, engagierte er sich bis zum Schluss als einer der fünf Vorstandssprecher*innen des »Institut Solidarische Moderne (ISM),« das über Parteigrenzen hinweg konkrete politische Alternativen zum Neoliberalismus zur Diskussion stellt.

Unserem Publikationsprojekt war Axel immer solidarisch verbunden. So sorgte er nicht nur dafür, dass in der Zeitschrift Sozialismus.de jährlich ein wichtiges Kapitel des »Memo« vorgestellt wurde, sondern veröffentlichte – oft auch zusammen mit anderen Autoren – zahlreiche Beiträge sowohl in der Printausgabe wie auch online auf Sozialismus.deAktuell. Im Jahr 2015 war er maßgeblich daran beteiligt, dass die Redaktion im Juni ein Sonderheft zum LINKEN-Parteitag herausgab, mit dem eine auch damals vernachlässigte Strategiedebatte befördert werden sollte. Und im November 2018 erschien ebenfalls maßgeblich auf sein Betreiben hin das Sonderheft »Wohin treibt Europa? | Plädoyer für eine solidarische EU« mit Beiträgen von ihm, Klaus Busch und Joachim Bischoff.

Schon 2016 hatte er im VSA: Verlag die Streitschrift für eine andere EU »Europa geht auch solidarisch« organisiert, an der außer ihm Klaus Busch, Gesine Schwan, Frank Bsirske, Joachim Bischoff, Mechthild Schrooten und Harald Wolf beteiligt waren. Zuvor gab er 2010 gemeinsam mit Rudolf Hickel in Erinnerung an den kurz zuvor verstorbenen Jörg Huffschmid unter dem Titel »Kapitalismuskritik heute« Texte von diesem heraus, im Jahr 2016 erschien, gemeinsam von ihm mit Thomas Händel herausgegeben, der Band »Von der Sozialstaatspartei zur neuen LINKEN. Eine Geschichte der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG)«. Und zu Beginn des Jahres 2022 organisierte er eine Festschrift anlässlich des 80. Geburtstags von Rudolf Hickel »Alternative Wirtschaftspolitik. Wissenschaft – Beratung – Publizistik«, die er gemeinsam mit Mechthild Schrooten, Heinz-J. Bontrup und Carsten Sieling herausgab.

In Vorbereitung ist der von ihm angestoßene und als Herausgeber bereits auf den Weg gebrachte Sammelband »Soziale Kipppunkte, bedrohte Existenzen, wachsende Armut. Alternativen zu Geldentwertung und Kaufkraftverlusten«, den wir nun ohne ihn und in Erinnerung an seine Verdienste für die politische und gewerkschaftliche Linke realisieren müssen.

Auf seinen täglichen Newsletter, in dem er immer auf wichtige Artikel und Interventionen von anderen aufmerksam machte, werden wir ebenso verzichten müssen wie auf seine klugen und oft mit viel Humor vorgetragenen Anregungen und Beiträge. Die zivilgesellschaftliche Linke hat einen wichtigen Akteur verloren.

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