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Yang Ping/Jan Turowski (Hrsg.)
Sozialismusdebatte chinesischer Prägung
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224 Seiten | EUR 16.80
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(Nicht)Regieren ist
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Chancen, Risiken und Neben-
wirkungen, wenn Linke sich beteiligen
224 Seiten | EUR 16.80
ISBN 978-3-96488-095-6

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Geburt und Aufschwung – Widersprüche und Niedergang – Perspektiven
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360 Seiten | Farbe, viele Fotos & Dokumente | Hardcover | EUR 19.80
ISBN 978-3-96488-107-6

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Gewerkschaften, Organizing und der Kampf um die Demokratie
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224 Seiten | EUR 14.80
ISBN 978-3-96488-115-1

Sabrina Apicella
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Über den Wandel der Verkaufsarbeit und Streiks im transnationalen Versandhandel
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240 Seiten | EUR 16.80
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Micha Brumlik
Postkolonialer Antisemitismus?
Achille Mbembe, die palästinensische BDS-Bewegung und andere Aufreger
Bestandsaufnahme einer Diskussion
160 Seiten | EUR 14.80
ISBN 978-3-96488-112-0

6. April 2021 Frank Deppe/David Salomon

Zum Tod von Heiner Halberstadt (17.5.1928-29.3.2021)

Bis vor wenigen Jahren konnte man Heiner Halberstadt im Club Voltaire antreffen. Stets saß er an seinem Tisch vorne in der Mitte. Meistens meldete er sich während der Diskussion zu Wort.

Wenn er sprach wurde es leiser: Nebengespräche verstummten und auch diejenigen, die parallel etwas aßen oder tranken, schauten von ihren Tellern auf. Heiner war, wie der von ihm 1962 mitbegründete Club selbst, eine Instanz in Frankfurt am Main und weit darüber hinaus. Nicht selten – und nicht zu Unrecht – wurde er als sozialistisches »Urgestein« bezeichnet. Am 29. März ist er im Alter von 92 Jahren gestorben.

Heiner Halberstadt wurde am 17. Mai 1928 in Dortmund geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er im Stadtteil Hörde. Den Faschismus erlebte er als unangepasster Jugendlicher aus sozialdemokratischem Elternhaus. Als besonders prägend schilderte er seine Beobachtungen während der Novemberprogrome 1938, von denen auch enge Freunde seiner Familie direkt betroffen waren (zentrale Wegmarken seiner Lebensgeschichte hat er in der von uns herausgegeben Autobiografie »Neu beginnen kannst du mit dem letzten Atemzug« erzählt).

Oft berichtete er auch von dem Nazilehrer, unter dem er zu leiden hatte, aber auch von seinen Kontakten zu Dortmunder Edelweißpiraten, die der Lehrling mit Zugang zu Chemikalien bei Sabotageaktionen – etwa mit Tränengas oder Buttersäure gegen die Aufführung von Veit-Harlan-Filmen – unterstützen konnte. Als ein Einberufungsbefehl den 16jährigen noch 1944 an die Front schicken sollte, floh Heiner aus Dortmund und tauchte bei Verwandten in Norddeutschland unter. Von dort verschlug es ihn im Oktober 1946 nach Frankfurt am Main.

Hier engagierte er sich bald in der Arbeiterjugendbewegung, insbesondere bei den »Falken«. Jugendarbeit war für ihn stets auch Bildungs- und Kulturarbeit. So knüpfte er in den 1950er Jahren Kontakt zum Berliner Ensemble, dessen Mitlieder den von ihm mitgeleiteten »Sing- und Tanzkreis der Falken und Naturfreundejugend« im Rahmen ihrer politischen Laientheaterarbeit nach Kräften unterstützten.

Die Jugendarbeit wurde auch Heiners erstes Berufsfeld bis er Anfang der 1960er Jahre von Rainer Barzels »Komitee rettet die Freiheit« als eine Schlüsselfigur der Infiltration aus dem Osten ausgemacht und nach einer regelrechten Kampagne gegen ihn als Geschäftsführer des städtischen Vereins »Häuser der offenen Tür« entlassen wurde.

Es sollte nicht der einzige Rückschlag bleiben. Anfang der 1960er Jahre wurde Heiner Halberstadt aus der SPD und schließlich auch der Jugendorganisation »Die Falken« ausgeschlossen. Dennoch blieb er weiter aktiv und öffentlich sichtbar. Heiner engagierte sich in der Ostermarschbewegung und im Rahmen des neu gegründeten Club Voltaire, der nicht erst durch die Studentenbewegung seit 1968 zu einem wichtigen Zentrum linker Opposition wurde.

In den 1970er und 80er Jahren arbeitete Heiner Halberstadt wieder für die Stadt Frankfurt, engagierte sich in der ÖTV und wurde ein weithin bekanntes Mitglied des Frankfurter Gesamtpersonalrats. Anfang der 1970er Jahre war er wieder in die SPD eingetreten. Zwischen 1989 und 1991 wurde er Büroleiter des sozialdemokratischen Oberbürgermeisters Volker Hauff.

Doch der erhoffte Aufbruch innerhalb der Sozialdemokratie des »Berliner Programms« war rasch verflogen. Nach dem »Asylkompromiss« trat Heiner – einem erneuten Parteiausschluss zuvorkommend – aus der SPD aus und wurde Mitglied der PDS, für die er kommunalpolitisch aktiv wurde. Bis zuletzt blieb er Mitglied im Ältestenrat der Partei DIE LINKE.

Wie nur wenige andere verkörperte Heiner nahezu klassisch die Figur eines organischen, nicht-akademischen Intellektuellen der sozialistischen Bewegung in der Bundesrepublik: Als Kultur- und Bildungsarbeiter, als Redner und Organisator, als streitbarer Diskutant und freundschaftlicher Ratgeber. Wir werden ihn sehr vermissen.

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