Falls nicht in der Lieblingsbuchhandlung, sondern im Warenkorb des VSA: Verlag bestellt wird, bitte die dortigen Bestellhinweise beachten!

Auf den letzten Drücker

sollten die obligatorischen Geschenke zum Fest nicht besorgt werden, das führt nur dazu, dass Unnützes später umgetauscht wird. Deshalb verschicken wir wie jedes Jahr die Tipps für Nützliches vom Team des VSA: Verlags und der Redaktion Sozialismus.de bereits am Nikolaustag.

Auf den letzten Drücker allerdings – als alle anderen Geschenktipps bereits vergeben waren – haben wir noch ein Buch ins Programm aufgenommen, mit dem wir die Aufklärungsarbeit der Arbeitsgruppe Stadtgänge beim DGB Frankfurt unterstützen wollen und das sich ebenfalls hervorragend unter dem Christbaum machen wird. Die Gruppe lädt mit ihren »Amtifaschistischen Stadtrundgängen« die Bewohner*innen von Frankfurt am Main und ihre Gäste dazu ein, sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus und des Widerstands zu beschäftigen. Gefragt wird auch: Was bedeutet diese Geschichte für die Stadt heute?

Wer uns ein passendes Geschenk machen möchte, wähle ein VSA: Buch aus den Tipps, denn wir brauchen nach wie vor jede Unterstützung! Dafür schon mal ganz herzlichen Dank. Und um die Belastungen für die Kolleg*innen der Lieferdienste und der Postbeschäftigten zu mindern, raten wir zudem allen, die ein VSA: Buch verschenken wollen, ihre Bestellung rechtzeitig in ihrer Lieblingsbuchhandlung oder in unserem Warenkorb abzugeben.

Angenehme letzte Wochen vor dem Fest
wünschen das VSA: Team und die Redaktion Sozialismus.de aus Hamburg

Mareike Borger [Lektorat | SocialMedia]

Mein erster Geschenktipp ist mein Herzensprojekt des Jahres 2025: die Betreuung und Lektorierung der Herausgabe des Sammelbandes »Arbeitskämpfe an die Hochschulen!« zu den Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen mit strategischen Perspektiven für die Gewerkschaftsarbeit an Hochschulen. Vor meiner Zeit im Verlag habe ich lange als Studentische Hilfskraft an einer Universität gearbeitet und mich dort im Aufbau einer TVStud-Initiative engagiert. Herausgegeben wurde der Sammelband, in dem mehr als 70 Aktive ihre Erfahrungen im Aufbau von Gegenmacht in diesem schwierigen und gleichzeitig für die Erneuerung der Gewerkschaften strategisch so wichtigen Feld mit Interviews, Praxis- und Forschungsberichten darstellen von Ann-Kathrin Hoffmann und Marvin Hopp. »Arbeitskämpfe an die Hochschulen!« ist ein Muss für alle, die sich für die gewerkschaftliche Arbeit an Hochschulen interessieren.

Mein zweiter Tipp ist das ultimative Geschenk für alle, die nicht wissen, was sie schenken sollen: Eine Patenschaft für ein Stück Blumenwiese! Damit verschenkt man etwas Schönes und tut dabei was Gutes, da ein wertvoller Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleintiere gesichert wird. Es gibt verschiedene Anbieter für »Blühpatenschaften«, zum Beispiel Netzwerk Blühende Landschaft oder Klimawiese. Beim Kauf darauf achten, wie lange die Blumenwiese besteht und dass nur heimische Pflanzen gesät werden. Man kann nicht nur Blumenwiesen verschenken, sondern auch Baum-, Arten- oder Tierpatenschaften.

Joachim Bischoff [Lektorat | Redaktion Sozialismus.de]

Die Aufarbeitung der Corona-Pandemie bleibt aktuell, eine Enquete-Kommission des deutschen Bundestags hat bereits getagt. Gine Elsner behandelt in ihrem Buch »Was wir von Corona lernen könnten« die Pandemie aus einer linken, gesellschaftskritischen Perspektive. Nach einem verständlichen Überblick über deren Entwicklung in Deutschland kann man die anhaltende Diskussion über die teils verschleppte Aufarbeitung gut nachvollziehen. Denn wenn man weiß, an welchen Stellen es während der Pandemie hakte, könnte man es zukünftig besser machen. Deutschland ist zwar verglichen mit anderen Ländern zwar ganz gut durch die Pandemie gekommen, weil etliche präventive Maßnahmen das Virus in Schach hielten, aber viele Menschen dann sagten: Es gibt ja gar keine Gefährdung und missachteten die Maßnahmen. Die Bevölkerung wusste zu wenig über das Virus und die Folgen, ganz besonders fehlten hinreichende Informationen über die Impfstoffe, so dass sich verschwörerische Mythen entwickelten. Klar geworden ist nach der Pandemie auch: Über TV, Rundfunk, Presse und Social Media lassen sich nicht alle Menschen erreichen, außerdem fällt staatlichem Gesundheitsmanagement eine tragende Rolle auch in der Aufklärung zu. Die unterschiedlichen Ansichten in der Wissenschaft, der Politiker im Bundestag, in der Bundesregierung und in den Bundesländern stellten ein Problem dar. All das soll nun die vom Parlament eingesetzte Kommission bis 2027 aufarbeiten: Was half – was nicht? Wie kann man die Kommunikation der Politiker und der Wissenschaftler untereinander verbessern? Berichten von ersten Sitzungen der Pandemie-Enquete ist zu entnehmen, dass der Streit darüber, was wir von Corona lernen könnten, anhalten wird.

Eingeladen war zur Anhörung im Anfang Dezember Christian Drosten, der unter Polizeischutz anreisen und sich vor allem Pöbeleien von AfD-Abgeordneten anhören musste. Der Virologe von der Berliner Charité hat gemeinsam mit dem Journalisten Georg Mascolo den Gesprächsband »Alles überstanden?« veröffentlicht, der den Untertitel hat »Ein überfälliges Gespräch zu einer Pandemie, die nicht die letzte gewesen sein wird«. In Deutschland gab es – anders als etwa in Großbritannien – bislang keine systematische Rückschau, diese Lücke wollten die beiden Autoren schließen, denn das Virus habe »nicht nur gesundheitliche, sondern auch erhebliche gesellschaftliche Schäden angerichtet«. »Schulschließungen und die Maßnahmen an den Arbeitsplätzen [sind zwar] sehr effizient gewesen«, aber einige Länder hätten »die Schulen kürzer oder nur teilweise geschlossen, […] dafür eine weitreichende Arbeitsplatzregulation mit Testung und Homeoffice gehabt. Das musste die Politik entscheiden.« Drosten deutet an, dass die deutschen Arbeitgeber »einen ungehinderten Betrieb« wollten und es »nie eine ähnlich scharfe Regelung der Homeoffice-Pflicht« wie in anderen Ländern gab. Vieles in dem Buch ist interessant, manches auch überraschend. Trotzdem kann es nicht wirklich befriedigen – aus zwei Gründen. Erstens liest es sich wie das Protokoll eines Podcasts, es wird wenig eingeordnet. Und zweitens wäre eine systematische wissenschaftliche Analyse der und Aufklärung über den Umgang mit der Pandemie in Deutschland aus nicht nur zwei Blickrichtungen hilfreicher.

Dagmar Fitz [Lektorat | Korrektorat]

Es wird wieder kälter im Land. Und das liegt nicht (nur) an der Jahreszeit – obwohl der Klimawandel die Temperaturen ja steigen lässt. Die »Zeitenwende« ist es, die uns ein immer kälteres Klima beschert und eine gehörige Portion Wind aus der falschen Richtung ins Gesicht bläst. Warme Mützen sind da schon fast überlebenswichtig. Umso besser, wenn wir damit unseren Mitmenschen eine Antwort auf viele drängende Fragen, eine Lösungsmöglichkeit für etliche aktuelle Probleme aufzeigen können. Doppellagiger Strick in Einheitsgröße aus 100% OCS-zertifizierter Biobaumwolle hält Kopf und Ohren warm – so können auch die Gedanken der kalten Witterung trotzen. Zu bekommen ist die Mütze mit Statement im Online-Shop der Linken.

Die »Frankfurter Allgemeine« bezeichnet sich selbst als »Zeitung für Deutschland«. Salopp als FAZ abgekürzt ist sie nicht nur das Leib- und Magenblatt derjenigen, die sich selbst als die geistige Elite des Landes verstehen, sondern schon seit Längerem vor allem im politischen, Wirtschafts- und Finanzteil Wegbereiterin von »Kriegstüchtigkeit«. Klaus Weber hat sich die Zeitung näher angeschaut, analysiert und seine Erkenntnisse mit spitzer Feder in seinem Buch »Kampfblatt des autoritären Liberalismus« zu Papier gebracht. Die Zeitungsmacher der FAZ behaupten, ihr Produkt sei frei und unabhängig – der FAZ-Journalismus sei »unentbehrlich – als Instrument der Aufklärung und der Kritik«. Weber entlarvt diese Behauptungen in Tagebuchform. Einfach und trocken auf den Punkt gebracht werden Leitartikel, Kommentare und Berichte des Jahres 2023 auf ihren kriegsertüchtigenden und den Faschismus verharmlosenden Kurs abgeklopft. Das liest sich fast amüsant, wenn da die Realität nicht wäre. So zeigt die Inhaltsanalyse des Autors, wie einseitig diese Art »Aufklärung und Kritik« letztlich ist. Bereits 1918 stellte der bayerische Sozialist und Ministerpräsident Kurt Eisner fest: »Es gibt keine freie Presse. Es gibt nur eine Gewerbefreiheit für die Presse.« In diesem Sinne agiert die FAZ in Sachen Krieg und Frieden sowie Rechtsentwicklung in der Welt und in Deutschland. Wer die FAZ am Frühstückstisch liest, sollte unbedingt auch dieses Buch zur Hand haben.

Gerd Siebecke [Koordination Programm | Herstellung | Redaktion Sozialismus.de]

Wer allerdings eine weniger kriegerische Morgenlektüre vorzieht, kann auf die Frankfurter Rundschau – von ihren Leser*innen liebevoll FR genannt – zurückgreifen. Gegründet 1945 von kommunistischen, sozialdemokratischen und katholischen Antifaschisten steigt sie in den 1960er-Jahren zur prägenden linken Tageszeitung auf. Immer nahmen die Journalist*innen des Blattes eine kritische Haltung zur Gesellschaft ein, engagierten sich für Bürgerrechte, gegen Militarismus, Antisemitismus, Rechtsradikalismus und für die Belange von Migrant*innen. Das ist bis heute so. Wer die nicht immer glatte Geschichte seiner Morgen- oder auch Abendlektüre nachlesen möchte, greife zum Buch »Zeitung im Kampf« von Claus-Jürgen Göpfert, in der er sie – illustriert mit vielen Fotos – vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklungen spannend erzählt.  

Der Meisterkoch von der Stuttgarter Wielandshöhe, Vincent Klink, hat kein neues Buch und auch sonst nichts neues, das ich wie jedes Jahr als Geschenk empfehlen könnte. Deshalb zwei kostenlose Kochtipps samt Skizze für ein unterschätzes Wintergemüse aus seinem Tagebuch vom 17. November 2025: »Ich liebe keine ›al dente‹ Gemüse, knackig bin ich selber. Wenn allerdings der Rosenkohl noch ein bisschen fest zu beißen ist, dann ist er kein deutsches Schwergemüse mehr, sondern eine hochelegante Angelegenheit, jenseits allen Heimatmiefs. Kurzum, die Garzeit muss so kurz wie möglich gehalten werden. Deshalb rate ich den Rosenkohl zu halbieren und dem halbierten Röschen den Strunk bis zu den grünen Blättchen einzuschneiden. Sieben Minuten blanchieren und dann in Butter schwenken, etwas Muskat dran, Pfeffer und Salz.[...] Blanchiert bleibt der Rosenkohl ziemlich grün und schön. Geschmacklich besser wäre in Butter einige Schalotten angehen lassen, Rosenkohlhälften dazu, Deckel drauf und langsam dünsten. Die schöne grüne Farbe geht allerdings verlustig, der Geschmack aber nimmt zu.« Falls es doch etwas in Buchform sein sollte, nehmt das bereits 2020 erschienene »Angerichtet, herzhaft und scharf!« aus seinem Tage- und Rezeptebuch an, in dem er politisiert und philosophiert, aber eben auch Kochempfehlungen notiert.

Julia Koppke [Vertrieb, Presse & Korrektorat]

Das Buch »Ein HSV-Star in Widerstand und KZ« von Jürgen Kowalewski erzählt die Geschichte von Asbjørn »Assi« Halvorsen, der in den 1920er-Jahren Spielmacher des HSV gewesen ist. Gemeinsam mit Otto »Tull« Harder errang er seinerzeit mit der Mannschaft zwei deutsche Meistertitel. Aber während Harder Nationalsozialist und später KZ-Aufseher in Neuengamme wurde, beendete Halvorsen 1933 seine Spielerkarriere und kehrte nach Norwegen zurück, wo er u.a. Trainer der norwegischen Nationalmannschaft wurde, die Vereinigung mit dem Arbeitersport organisierte und nach der Besetzung Norwegens durch die Wehrmacht 1940 zu den Organisator*innen der ersten großen Widerstandsbewegung gehörte, die sich mit dem rigorosen Boykott von Sportvereinen und -veranstaltungen erfolgreich gegen den Zugriff der Nazis auf die Sportjugend wehrte.

Auch im HSV-Museum wird über Halvorsens Geschichte informiert, wenngleich nicht so ausführlich wie in Kowalewskis Buch. Das Museum ist Teil des Volksparkstadions und bietet unter anderem die spezielle Führung »Der HSV in der NS-Zeit« an. Inwieweit unterwarf sich der Verein dem Führerprinzip? Wurde Widerstand geleistet? Wie war der Umgang mit den jüdischen Mitgliedern? Das Museum zur Geschichte des HSV ist in jedem Fall einen Besuch wert. Und ein weiterer Tipp, auch wenn das Buch selbst noch nicht auf den Gabentisch gelegt werden kann: Ende Januar wird im Verlag Die Werkstatt das von Werner Skrentny herausgegebene Buch »Die Raute unterm Hakenkreuz. Der HSV im Nationalsozialismus«, erscheinen, für das sicherlich die Lieblingsbuchhandlung gern einen Geschenkgutschein bereithält.

Harald Heck [Herstellung | Lektorat]

Der Geschäftsführer des DuMont-Konzerns hat es auch nach 138 Tagen Arbeitskampf nicht begriffen. »Wer den Bundesanzeiger Scheiße findet, der braucht hier nicht zu arbeiten« erklärte er während einer Betriebsversammlung. Mittlerweile hatte der Konzern 80% der befristet Beschäftigten entlassen und durch neue Leiharbeiter ersetzt. Was war geschehen? Der Kölner Bundesanzeiger-Verlag wurde 2006 privatisiert und dem DuMont-Konzern einverleibt. Die hoheitlichen Aufgaben, ein Transparenz- und Unternehmensregister zu veröffentlichen, beschert ihm einen verlässlichen Gewinn. Seit Ende 2023 verweigerte die Geschäftsleitung Gespräche mit ver.di und dem Betriebsrat, einen Haustarifvertrag einzuführen. Daraufhin organisierten sich gut 50% der Beschäftigten und stellten eigene Tarifforderungen auf. Die Akteure fanden zu einem Autor*innenkreis zusammen und schildern in »Streik doch einfach mit!« den Weg vom Aufbruch bis zum Streikbruch ausführlich in Berichten von Betriebsräten, in Interviews mit Kolleg*innen, ergänzt durch juristische Anmerkungen und aufgelockert mit Fotos und Abbildungen. Der Arbeitskampf veränderte den Erfahrungsschatz der beteiligten Kolleg*innen. Und auch wenn der Streik sein Ziel vorerst nicht erreicht hat, so hat er »deutlich gemacht, dass es auch gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner möglich ist, sich zu wehren. Er hat gezeigt, dass sich sehr unterschiedliche Menschen zusammenschließen und solidarisch zueinander verhalten können.« Diejenigen, die die Geschäftsführer entlassen hatten, fanden nicht den Bundesanzeiger »Scheiße«, sondern hatten versucht, die Interessen der Beschäftigten gegen die Profitgier der Konzernleitung durchzusetzen.

Fast genauso leicht in der Hand liegt das neue Buch von Alexander Kluge. Das ist insofern bemerkenswert, weil es im Untertitel die Ergänzung »Bilderatlas« trägt. Kluge, stoischer Meister der Abweichungen & Assoziationen hält auch nach 93 Lebensjahren daran fest, dass es mitten im Verblendungszusammenhang Auswege gibt. Wie sein großes Vorbild, der Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler Aby Moritz Warburg (1866–1929), der nach dem ersten Weltkrieg an seinem Großprojekt „Bilderatlas Mnemosyne“ gearbeitet hatte, komponiert Kluge in 16 Kapiteln Bilder, Texte und Reflexionen zum Thema Krieg. Der »Gang« durch dieses »Bauhaus« beginnt mit der »Beschreibung einer Einzelheit«, einer Fläche von sechzehn Quadratmetern, die ein zertrümmertes Gelände in Gaza-Ost darstellt. Die Restmaterie der Häuser Gazas wird durch die Einwirkung des Regens zu totem Schleim, eine leblose, hermetische und extrem zerkleinerte »Substanz« von Sandkörnern. Kluge beschreibt diese »Großperspektive« in zumeist kurzen begleitenden Texten oder in das Bildmaterial eingeschobene Gesprächsprotokolle, wie das Zweiergespräch mit dem spanischen Maler und Bildhauer Miquel Barceló Artigues  über Diego Velázquez’ Gemälde Die Übergabe von Breda; daneben gibt es eingestreute historische Rückgriffe, zum Beispiel über Hannibals Kriegselefanten, über die Ergebnisse des »Westfälischen Friedens« von 1688, warum er überhaupt möglich wurde, über technische Darstellungen von »Kriegsmaschinen« und Kriegsgeräten (wie dem »Zeppelin) oder Seitenstücke über den Einsatz von Pferden und Elefanten in ältesten und neueren Kriegen. Bebildert wird der Atlas jeweils durch Beispiele aus der Kriegs-Photographie, häufig auch durch Abbildungen von Kunstwerken oder durch seine eigenen »Bildkommentare« in Form von KI-generierten Fotografien. Wer sich weiteren Abschweifungen hingeben möchte, folgt den QR-Codes mit Links, die fast allen Kapiteln beigefügt wurden und die zu Filmschnipseln aus dem Fundus von dctp.tv, Kluges kulturkritischem Fernsehkanal, führen. Kluge geht es mit diesem eigenwilligen Format um nichts weniger als um eine Gegenproduktion zum Krieg, dessen Gegenpol kein guter Wille wie im Pazifismus sein kann, sondern neue Produktionsformen von Gegenöffentlichkeit, Gegenerzählung, Gegen-Praxis und Anti-Kriegs-Produktion. Kurzum, mit diesem Bilderatlas wird der Blick auf ein weites Feld geöffnet. Frohes Fest!

Leo Koch [Gast-Lektorat]

Hamburg ist eine geschichtsträchtige Stadt, und von allen Epochen haben wenige das Stadtbild so sehr geprägt wie das 19. Jahrhundert. Hier hat einst der Kaiser die Speicherstadt als Infrastruktur kolonialer Ausbeutung eingeweiht. Doch die Geschichte von Ausbeutung und Unterdrückung ist immer auch eine von Hoffnung und Widerstand. In Hamburg hat nicht nur die Kaufmannselite an der Disziplinierung der Arbeiterklasse gearbeitet, sondern auch große Denker an ihrer Emanzipation. Um Letzteres geht es in Jürgen Bönigs Buch »Karl Marx in Hamburg«. In den vielen Fotografien und Zeichnungen werden Kenner*innen der Stadt manche Ecke wiedererkennen, andere vielleicht zum ersten Mal entdecken. Anhand von Briefen und anderen Zeugnissen wird das Leben von Marx (und auch der technische »Produktionsprozess des ›Kapital‹«, also seines umfangreichen Hauptwerks) anschaulich dargestellt und wir lernen einige seiner Zeitgenossen kennen. Auf eine Besondernheit muss hingewiesen werden: Das Geschenk gibt es nur noch als pdf-Datei zum Herunterladen (gern gegen eine Spende an den Verlag). Wer etwas Handfestes vom Autor verschenken will, sei auf dessen neues Buch »Otto Meissner, Verleger nicht nur des ›Kapital‹« verwiesen«, in dem es unter anderem um die Wirtschafts-, Sozial- und Staatsgeschichte Hamburg im 19. Jahrhundert geht, das allerdings erst zu Beginn des neuen Jahres erscheinen wird (auch hier hilft ein Gechenkgutschein der Lieblingsbuchhandlung weiter).

Mein zweiter Geschenktipp ist für Bücherfreund*innen insgesamt: ein Ex-Libris-Stempel, den man entweder selbst gestalten kann oder einfach nur seinen Namen in zahlreiche angebotene Motive einfügt. So kann man für etwa 30 € (einschließlich Stempelkissen) einem Liebhaber oder einer Liebhaberin des Gedruckten die Möglichkeit geben, das Bücherregal zur Hausbibliothek zu erheben. Zusätzlich vermag der Stempel – vielleicht, und nur vielleicht – die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, verliehene Bücher auch tatsächlich zurückzubekommen.

Jutta Gritti [Buchhaltung]

Geschichten der »eigenen Stadt« nachzugehen, ist eine wichtige Aufgabe von Geschichtswerkstätten, die vor allem Fragen bearbeiten, die in der offiziellen Geschichtsforschung unterbelichtet sind, wie die Verstrickungen in den Nationalsozialismus. Es gibt jedoch auch Ereignisse in der jüngeren Geschichte, die schnell in Vergessenheit geraten. Diese werden von Felix Krebs und Florian Schubert in ihrem Buch »Hamburgs ›Baseballschlägerjahre‹« thematisiert. In einem Interview vom 5. Juni 2025 hatte Andreas Speit in der taz anlässlich des Erscheinens des Buches Felix Krebs gefragt: »Wie sehr reicht die Geschichte in die Gegenwart?«: Seine Antwort lautete unter anderem: »In der Gegenwart haben wir nicht bloß beim NSU eine V-Personen-Problematik. V-Leute, die für den Verfassungsschutz oder den Staatsschutz arbeiteten, beeinflussten [auch bereits in den 1980er-Jahren] den Umgang mit der Szene – wie wohl heute auch.« Denn bereits zu dieser Zeit gab es in Hamburg und Umgebung nicht nur mindestens acht Tötungsdelikte, bei denen die Täter*innen aus der rechten Szene kamen und/oder aus rassistischen Motiven handelten. Damit Hamburgs »Baseballschlägerjahre« nicht in Vergessenheit geraten, widmen sich die beiden Autoren auch den gesellschaftlichen Bedingungen des sich formierenden Neonazismus neuen Typs. Zudem nehmen sie den duldsamen Umgang von Politik, Polizei und Justiz in den Blick, die Rassismus ausblendeten und das Auftreten von rechten Schläger*innen in erster Linie als Gewalt- und Jugendphänomen erklärten. Dieses Geschichtsbuch ist auch für Nicht-Hamburger ein aufklärendes Geschenk.

Caspar David Friedrich? Ich mag seine Bilder, aber auf den Hype um seine Person anlässlich seines 250. Geburtstags im letzten Jahr hatte ich wahrlich keine Lust. Und dann kam Weihnachten 2024 … und zu mir (gerade noch im Jahr des CDF) das Buch von Florian Illies, diesem besonderen Geschichtenerzähler: »Zauber der Stille« – und mit ihm ein Buch, wie es mir bis dahin noch nicht begegnet war. Die Bilder Friedrichs und ihre »Lebens«-Geschichten, entlang der Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft erzählt, nahmen mich mit auf ihrer Reise durch die Zeit, wirbelten mich durch 250 Jahre Geschichte und ließen mich eintauchen in ein Kaleidoskop aus Motiven, Perspektiven, Erzählungen um den Maler und um den Menschen Friedrich, um seine Bilder, ihre Entstehung, ihre Vergänglichkeit, ihren Verlust. Gebannt reiste ich mit ihnen durch das Buch und suchte am Ende vergebens, ob es sich nicht, wenn ich das Buch drehte, doch noch ein wenig fortsetzte … Wer also im Caspar-David-Friedrich-Jahr über dieses Buch noch nicht gestolpert ist, dem oder der sei es hiermit in diesem Jahr ans Herz gelegt. Auch dies ein aufklärendes Geschenk, wenn auch auf ganz andere Art als das oben empfohlene Buch.

Bernhard Müller [Koordination Finanzen | Redaktion Sozialismus.de]

Die Anregung »Den Krieg verlernen«, die die Autor*'innen im Frühjahr 2024 in Erinnerung an Antje Vollmer zur Diskussion gestellt haben, ist leider folgenlos geblieben. Stattdessen beherrschen neue Kriege, ein entfesselter Finanzmarktkapitalismus und eine Wirtschaftspolitik, von der vor allem die ohnehin Privilegierten, die Besserverdienenden und Vermögenden, profitieren die politische Agenda. Die neue Rechte ist mit Trump nicht nur in den USA auf dem Vormarsch, sondern auch in Europa. Warum aber zerstören große Mächte ihre Rivalen, statt in die eigene Zukunft zu investieren? In einer solchen Zeit muss nüchtern nach der Ursache dieser Entwicklung gefragt werden. »Hoffnung, die sich nicht über die Möglichkeiten des Scheiterns belehrt, kann eine Falle sein, die im Wege liegt«, schrieb Volker Braun in seinem Gedicht »Eigentum« von 1990. Alexander Rahr, Antje Vollmer (1943–2023), Daniela Dahn, Dieter Klein, Hans-Eckardt Wenzel, Ingo Schulze, Marco Bülow, Michael Brie, Peter Brandt und Petra Erler – Mitglieder der Gruppe »Neubeginnen« – suchen mit ihrem neuen Buch »Lasst alle Hoffnung fahren« in der Tradition von Antje Vollmer nach Ursachen für die heutigen Dilemmata, setzen auf kollektiven Widerstand durch Aufklärung, negieren nicht den Wert von Verzweiflung für den Mut zur Revolte und verweisen gleichwohl auf die Möglichkeit einer neuen, emanzipatorischen Erzählung. Ein empfehlenswertes und Mut machendes Buch!

Wir sind gegenwärtig in allen kapitalistischen Ländern mit einem Frontalangriff auf die Errungenschaften der Lohnabhängigen konfrontiert. Diese sollen durch Mehrarbeit und Kürzungen von sozialstaatlichen Leistungen ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung leisten. Bärbel Bas spricht im Zusammenhang mit der Debatte über die Rente zurecht davon, dass die Klassenfrage wieder aktuell ist. Dem geht Nicole Mayer-Ahuja in ihrem neuen Buch »Klassengesellschaft akut« nach. »Auf der einen Seite stehen diejenigen, die fremde Arbeitskraft einkaufen können, um Waren zu produzieren oder Dienstleistungen anzubieten, und auf der anderen Seite diejenigen, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen. Diese Spaltungslinie verläuft zumindest teilweise parallel zu der Spaltungslinie zwischen Arm und Reich. Die Wiederkehr einer Diskussion über die Klassengesellschaft hängt mit der Zuspitzung der sozioökonomischen Ungleichheit zusammen, aber auch damit, dass sich die Lohnarbeitserfahrung verallgemeinert hat. Heute arbeiten 92 Prozent der Erwerbstätigen lohnabhängig.« Innerhalb der Klasse der Lohnabhängigen existieren Spaltungslinien, die durch unterschiedliche Lebensbedingungen bestimmt sind. Diese unterschiedlichen Lebensbedingungen werden bei der Autorin aber nur z.T. erfasst, so dass in der Frage, wie diese Spaltungen überwunden werden können, weiterer Erklärungsbedarf bleibt.

Bernhard Sander [Redaktion Sozialismus.de]

In diesem Jahr habe ich endlich Uwe Wittstocks Buch Marseille 1940 gelesen. Auch wenn dieser Bestseller keine Werbung braucht, so ist ihm möglichst weite Verbreitung vor allem in den Kreisen der »Mitte« zu wünschen. Die Stadt war im sogenannten freien Teil Frankreichs (schon das ein Euphemismus) ein Knotenpunkt der Fluchtbewegung von politisch Aktiven, literarischem Establishment und Avantgarde aus Nazi-Deutschland. Wenn es den damals mehr oder weniger bekannten Autoren so erbärmlich erging,  was machen diejenigen durch, die heute zur Ausreise nach Syrien gezwungen oder als »afghanische Hilfskräfte« gestrandet sind? Und wie erging es den Helfern nach dem Sieg über den Nationalsozialismus?! Wer heute über Einschränkung des Asylrechts schwadroniert, kann in diesem Buch nachlesen, welche Auswirkungen der bürokratische Hürdenlauf zu Einreisepapieren, polizeiliche Überwachung und Willkür, Entzug der wirtschaftlichen Existenzgrundlagen für die Betroffenen hatten. Das Betteln um eine Mahlzeit, die durchnässte Dachkammer, die Angst vor dem Arztbesuch, dem Verrat des illegalen Einwanderers, die Behandlung in französischen Internierungscamps – das wird nüchtern und chronologisch geschildert. Leitfigur ist dabei der Amerikaner Varian Fry, dessen informelles Netzwerk vor Ort Hunderten die Flucht ermöglichte. Kollaborierende Franzosen, US-Amerikanische Regierungsdienststellen, korrupte spanische Grenzer, dumme Zufälle, die die Flucht möglich machten oder verhinderten – Wittstock hat das detailreich aus (Auto-)Biografien zusammengetragen. Eine Karte erleichtert die touristisch-thematische Erschließung Marseilles.

Die Linke will sich ein neues Grundsatzprogramm geben. Sie wird in diesem Prozess auch entscheiden müssen, wie sie mit Positionen der Gewerkschaftslinken umgeht. Ulrike Eifler hat als Herausgeberin von »Gewerkschaften in der Zeitenwende« zu den wesentlichen Themenfeldern (Verteilungskämpfe, Ertüchtigung der öffentlichen Infrastruktur, Meinungsklima usw.) Positionen und Argumente zusammengetragen. Die Gewerkschaften stehen vor der Aufgabe, ihr politisches Mandat und ihre Autonomie neu zu bestimmen und wahrzunehmen. Wenn Arbeitsplätze in der De-Karbonisierung verloren gehen, locken Rüstungsbetriebe gerade die Qualifizierten an; wenn Krankenhäuser endlich ertüchtigt werden, kommt das den Forderungen der Dienstleistungsgewerkschaften scheinbar entgegen. Und was bedeutet das 5%-Ziel der NATO-Aufrüstung für die Finanzierung unserer Sozialsysteme? Die öffentliche Debatte um Streichung von Feiertagen und des Acht-Stunden-Tages, das Rentenpaket usw. zeigen, in welche Richtung zur Zeit noch diskutiert wird und auf welche Herausforderungen die Gewerkschaften und die politische Linke Antworten finden müssen. Stimmt die These der Autoren um Ulrike Eifler: »Wollen die Gewerkschaften diese Angriffe wirksam abwehren – und wer außer ihnen hätte die Stärke, dies zu tun – müssen sie erkennen, dass die wachsende Kriegsgefahr Ergebnis einer kapitalistischen Krisenentwicklung ist, die weit über die konjunkturellen Krisen der Vergangenheit hinausgeht und als eine systemische Krise des Kapitalismus eingeordnet werden muss.« Ist die Zeitenwende nicht eher Teil einer Polykrise, deren Elemente sich hochschaukeln? Und sind die Gewerkschaften wirklich die einzige Kraft, die sich dieser Krise entgegenstemmen könnte? Der Sammelband untersucht die aktuellen Trends, ordnet sie ein in die große Erzählung von der Zeitenwende und Kriegsertüchtigung. An dieser Bestandsaufnahme lässt sich der Erkenntnisstand der Gewerkschaftslinken ablesen und sie fixiert Zwischenresultate für politische Strategien in der Zeitenwende.

Björn Radke [Redaktion Sozialismus.de]

Die schwarz-rote Koalition bremst den notwendigen Wandel und legte sich fest, der Autoindustrie den Veränderungsdruck durch das europäische Null-Emissions-Ziel für Neuwagen ab 2035 zu nehmen, damit »auch nach dem Jahr 2035 ergänzende Übergangs-technologien wie Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge, Elektrofahrzeuge mit Range Extendern und hocheffiziente Verbrenner zugelassen werden können« (so Kanzler Merz in einem Brief an die EU-Kommissionspräsidentin). Demgegenüber beschreiben Autor*innen in dem von Hans-Jürgen Urban herausgegebenen Band »Arbeit Klima Transformation« Hürden und Herausforderungen, vor denen die Gewerkschaften aktuell stehen. In seinem Vorwort betont der Herausgeber, »es geht um Probleme, die auftreten, wenn die Produktions- und Lebensweise der kapitalistischen Gegenwartsgesellschaften mit den Reproduktionserfordernissen der Natur in Übereinstimmung gebracht werden sollen«. Denn die Auswirkungen des Klimawandels auf Arbeit, Wirtschaft und Politik sind vehement. Den Gewerkschaften als betrieblichen Akteuren, aber auch als Interessenvertretung von Arbeit, Gesellschaft und Natur kommt eine Schlüsselstellung zu. Ein wichtiges Buch auf dem steinigen Weg zur ökologischen Transformation.

Das Buch des Wissenschaftsjournalisten Christian Stöcker ist bereits 2024 erschienen, hat aber an Aktualität nicht verloren. »Männer, die die Welt verbrennen« ermöglicht einen guten Überblick über die Akteure des fossilen Kapitalismus. Der Spiegel-Kolumnist präsentiert sein Konzept der »Achse des Öls«. Diese umfasst nicht nur die Ölkonzerne selbst, sondern auch ein weitreichendes Netzwerk aus Akteuren, die ein gemeinsames Interesse am Erhalt des fossilen Status quo haben. Dazu gehören Politiker, Lobbyisten, Medienunternehmen, Think Tanks und sogar Teile der Wissenschaft. Stöcker argumentiert, dass diese Achse seit Jahrzehnten gezielt daran arbeitet, den öffentlichen Diskurs über Klimawandel und Energiewende zu manipulieren. Dabei geht es nicht nur um wirtschaftliche Interessen, sondern auch um ideologische Überzeugungen und den Erhalt von Machtstrukturen. Auch dies ein lesbares und spannendes Buch.

Christoph Lieber [Redaktion Sozialismus.de]

Das Fest der frohen Botschaft 2025 fällt in eine Zeit epochaler Umbrüche und gesellschaftlicher Erschöpfung. »In der politischen Aufklärungsarbeit muss man teilweise wieder ganz von vorn anfangen.« Mit »Ende oder Renaissance sozialistischer Utopien?« präsentiert Joachim Bischoff dabei als Gegenmittel keine neuen und besseren Utopien, sondern im Zentrum steht die Aktualisierung der späten Gemeinschaftsarbeit von Marx und Engels an der Streitschrift »Anti-Dühring« und der »Kritik des Gothaer Programms«. Zentraler Ertrag: »Während die utopischen Sozialisten ihrer Vision vom unverkürzten Arbeitslohn nachjagen, konzentrieren sich Marx wie Engels auf die Analyse und Gestaltung der Reproduktion des Lebensprozesses.« Dabei kann eine demokratische Verfügung über das gesellschaftliche Mehrprodukt dieses transparent in ein Tableau économique von Wertersatz, Erweiterungsinvestitionen, Reservefonds, Assekuranz, Konsumtionsfonds, Verwaltungskosten und sozial-kulturelle Infrastruktur auseinanderlegen und politisch umsetzen – hochaktuell angesichts von Rentendiskussion, Infrastrukturverfall und Bürokratieabbau. Denn »in der materialistischen Geschichtsauffassung geht es im Kern um die Überwindung der subalternen Einstellungen gegenüber der Gestaltung des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses«. Sozialistische Kapitalismuskritik muss also prägnanter werden. Hierzu greift Bischoff einen Begriff von Geschichte und Ausnahmezustand in Walter Benjamins 18 Thesen »Über den Begriff der Geschichte« aus dem Jahr 1940 auf. Der alltägliche Ausnahmezustand im Kapitalismus muss zum wirklichen Ausnahmezustand sozialer Ungleichheit und Ungerechtigkeit aufgeklärt werden, »dadurch wird unsere Position im Kampf gegen den Faschismus sich verbessern.« (Walter Benjamin, These VIII)

Ausnahmezustände machten auch das 20. Jahrhundert zu einem der Extreme. Das zeigt auf ergreifende Weise die Sozialistin Lea Ypi am (Über)Leben ihrer Großmutter Leman in ihrem neuen Buch »Aufrecht« (2025). In ihrem Erstling »Frei – Erwachsenwerden am Ende der Geschichte« (2022) lernten wir Ypi aus der Sicht der im »Arbeiterstaat« Albanien des Enver Hoxha heranwachsenden Autorin kennen. In Gesprächen unter den Erwachsenen über andere war für die junge Frau immer ein Wort allgegenwärtig: Wissen wir etwas über ihre Biographie? In »Aufrecht« formuliert die Autorin dann, dass bestimmte Wörter potenziell tödlicher als Waffen sein können. Und in der Tat: Bei der Rekonstruktion des Lebens ihrer Großmutter erweitert sich das noch in »Frei« unbegriffene Wort »Biographie« zu einer aufregenden Spurensuche nach der untergegangenen Welt einer osmanischen Aristokratie, der Wiege neuer Nationalstaaten auf dem Balkan und schließlich in das Albanien unter faschistischer Besatzung und dann unter kommunistischer Herrschaft. Aber »Biographie« transformiert sich zugleich zu politischen Biographien der Protagonisten und zu »Kaderbiographien« von Lea Ypis Großeltern wie ihres Vaters. Dadurch spielt diese Biographieerforschung auf drei Ebenen: Recherche in Archiven und Akten; mit der Kraft der Imagination werden dem Leser untergegangene und unbekannte Welten zwischen Saloniki, dem heutigen Thessaloniki, Mazedonien und Tirana, zweier Weltkriege, Revolution und Widerstand erschlossen. Und immer wieder reflektiert die Autorin bei diesen beschädigten Leben auf eine den Benjaminschen Geschichtsthesen anverwandte Frage: »Wie kann Moral ein verlässlicher Kompaß sein, wenn das Leid der Vergangenheit in der Gegenwart lauert?« Ypi zeigt, wie. Mit Würde und Respekt ist ein »richtiges Leben im falschen« möglich – für die Sozialistin das Vermächtnis der Biographie ihrer Großmutter.

Túpac Stuer [Versand]

Das Versprechen einer wenig konfliktreichen Finanzierungsform auf Freiwilligkeit für eine ökologische sowie ökonomische Win-Win Situation durch Sustainable Finance wurde bislang nicht eingelöst. Silke Ötsch, Paula Haufe, Daniel Mertens, Simon Schairer, Janina Urban und Maike Wilhelm sehen in dem AttacBasisText »Das nachhaltige Finanzsystem?« aufgrund dysfunktionaler Marktstrukturen eine erhebliche Finanzierungslücke für die sozialökologische Transformation. In vier Kapiteln stellen sie dar, was Sustainable Finance bedeutet, beschreiben die Rolle privatwirtschaftlicher Akteure für nachhaltige Investitionen. Ferner widmen sie sich der Rolle des Staates über Zentral- & Förderbanken. Im letzten Kapitel wird eine mögliche Regulierung der Finanzflüsse skizziert, um zum Beispiel den demokratischen Einfluss auf die Finanzmärkte auszuweiten

So unterschiedlich die Ursachen für Schmerzen sind, so komplex sind die Behandlungsformen. Der Ratgeber von Roland Liebscher-Bracht und Petra Bracht »Ischias & ISG. Schmerzen selbst behandeln« kann eine Möglichkeit hierin bieten. Nach einer Einführung über die Entstehung von Beschwerden stellen die Autoren mit langjähriger praktischer Erfahrung ihr Übungsprogramm vor. Es kann auch als eine Ergänzung zu gängigen Therapien für die Beweglichkeit (im Alter) genutzt werden.

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