6. Juli 2026 Redaktion Sozialismus.de: Trump lässt die 250. US-Jahrfeier inszenieren

»Eine von Gott ausgewählte Siegernation«

Foto: Screenshot tagesschau

Der 4. Juli wird in den USA traditionell als Unabhängigkeitstag gefeiert. Abgesandte der 13 amerikanischen Kolonien nahmen am 4. Juli 1776 offiziell eine Erklärung an, mit der sie sich als Vereinigte Staaten von Amerika von Großbritannien loslösten. Dies gilt als die Geburtsstunde der USA.

Im ganzen Land feierten die Amerikaner*innen den 250. Jahrestag der Unabhängigkeit. Ohne eine Rede des amtierenden Präsidenten Donald Trump hätte den Feierlichkeiten aktuelle die politische Würze gefehlt. Und Trump lieferte: Er stellte in seiner Ansprache zum 250. Geburtstag der USA das »Ich« – und nicht etwa das »Wir« in den Mittelpunkt seiner Rede. Seine Fans applaudierten.

Gerald Ford, der 1974 den wegen des Watergate-Skandals zurückgetretenen Republikaner Richard Nixon, dessen Vizepräsident er war, ablöste, galt nicht gerade als prägender Präsident der USA. Aber er gab seinem auch zum damaligen Zeitpunkt tief verunsicherten Land zumindest eines: Hoffnung. Als der Frust von Millionen Amerikaner*innen durch Watergate, Ölkrise und Vietnamkrieg hochkochte, musste der kurzfristig vereidigte Präsident die Feiern zum 200. Landesgeburtstag im Jahr 1976 begleiten.

»Der Kampf um Leben, Freiheit und das Streben nach Glück kann niemals wirklich gewonnen werden«, sagte Ford damals in einer Rede am 4. Juli in Philadelphia, die berühmte Phrase aus der Unabhängigkeitserklärung von 1776 zitierend: »Life, Liberty and the Pursuit of Happiness«. Er spannte einen weiten Bogen, der nicht nur innere Sicherheit oder die Beziehungen zu anderen Nationen abhandelte. Er redete mit Blick »auf die nächsten 200 Jahre« vom Recht auf Privatsphäre, über das Zusammenleben mit der Natur, von kommenden Durchbrüchen in der Wissenschaft und vom nötigen Blick ins All. Eines der häufigsten Wörter seiner Rede war das »Wir«, nicht das »Ich«.


Trump bevorzugt eine polarisierende Wahlkampfrede

Politikskandale, Finanzängste, steil ansteigende Verbraucherpreise und einen Krieg in einem fernen Land, den viele Amerikaner*innen ablehnen – all das gibt es auch ein halbes Jahrhundert später zum nächsten großen Jubiläum der USA. Trump ist am 4. Juli 2026, dem 250. Unabhängigkeitstag, allerdings kein über den politischen Tellerrand hinausschauender Präsident. Er gibt sich am späten Samstagabend nicht die geringste Mühe, auf die sozialen und kulturellen Spaltungen der Nation zu einzugehen. Er will die USA-Bürger*innen vielmehr auf eine Vertiefung der Gegensätze ausrichten. Das in der Verfassung skizzierte gemeinsame Ziel wird von Trump zu einer politischen Karikatur herabgeredet.

Es folgt die bekannte Rhetorik, ohne einen Anflug von Selbstkritik oder gar Demut: »Kein Volk hat mehr Gutes getan, mehr Mut gezeigt, mehr Fortschritt erzielt, mehr Ungerechtigkeiten korrigiert oder größere Größe erreicht als ihr, das amerikanische Volk«, behauptet er. »Seit 250 Jahren sind die Vereinigten Staaten von Amerika die Hoffnung, das Versprechen, das Licht und die Größe unter allen Nationen der Welt«, so der Präsident weiter und beschwor das Bild einer von Gott auserwählten Siegernation, die dazu bestimmt sei, die Welt anzuführen.

Trump hat bei den 250-Jahr-Feiern auf der National Mall eine Großkundgebung inszenieren lassen und dabei vor allem erneut eigene Erfolge betont. Wegen mehrerer Attentatsversuche sprach der 80-Jährige hinter einer Panzerglasscheibe. Trump sagte, die USA seien unter seiner Führung »stolzer denn je zuvor«, und lobte seine militärischen Erfolge im Iran und in Venezuela.

Auf die bei ihm sonst üblichen Anfeindungen gegen kritisch berichtende Medien oder in Ungnade gefallene Staaten verzichtete er. Dafür teilte Trump wie am Vortag gegen »Kommunisten« aus, die er mit einem Krebsgeschwür verglich. »Amerika wird niemals ein kommunistisches Land sein. Das wird nicht passieren.« Damit spielt er jedoch nicht auf die mit rund 5.000 Mitgliedern zählende recht unbedeutende »Communist Party USA (CPUSA) an, sondern bringt die US-Demokraten, die bei den Zwischenwahlen im November die Mehrheiten in beiden Parlamentskammern übernehmen könnten, immer wieder in den Zusammenhang mit dem Kommunismus.

Dazwischen gibt es allerhand Ehrungen für Veteranen  darunter mehrere, die im Zweiten Weltkrieg dienten. Sie wurden vor US-Flaggen gezeigt, die bedeutsame Momente der amerikanischen Geschichte symbolisieren sollten – so etwa die Flagge, die über dem Sarg des ehemaligen Präsidenten Abraham Lincoln drapiert war. Vor Trumps Rede hatte der Sänger Lee Greenwood seinen Hit »Gold bless the USA« intoniert.

Trump wechselt allerdings beständig in den Wahlkampfmodus und wirbt etwa für seinen »Save America Act«. Das Gesetz sieht neue Regeln für Wahlen vor und findet seit Monaten keine Mehrheit im Kongress. Zudem rühmte er sich seiner angeblichen politischen Errungenschaften in der zweiten Amtszeit.

Direkt im Anschluss an die Rede erleuchteten Hunderte Raketen den Himmel über der US-Hauptstadt. Laut den Veranstaltern sollte es das größte Feuerwerk der Geschichte sein: Die Rede war von 850.000 Pyroeffekten in 35 Minuten.

Das Feuerwerkspektakel bildete den Höhepunkt der mehrtägigen Feierlichkeiten, die eigentlich ganz anders hätten laufen sollen. Etliche Künstler*innen hatten Konzerte mit der Begründung abgesagt, die Veranstaltungsreihe sei ihnen zu politisch aufgeladen. Trump kündigte daraufhin an, stattdessen »die Nummer-eins-Attraktion auf der ganzen Welt« auf die Bühne zu bringen: sich selbst.


Klimawandel beeinträchtigt Feierlaune

Allerdings beeinträchtigt das Wetter die Feierlaune erheblich – nicht nur in Washington. Seit Tagen ächzt die US-Hauptstadt unter Temperaturen von fast 40 Grad. Auf die Hitze folgte am Abend dann der Donner: Wegen einer Unwetterwarnung wurde der Veranstaltungsort zwischenzeitlich sogar evakuiert. Tausende Besucher*innen mussten das Festgelände verlassen.

Seit Wochen hatte der Präsident bereits das 250. Gründungsjubiläum und die damit verbundenen Veranstaltungen genutzt, um vor allem sich selbst zu rühmen. Innenpolitisch steht er unter Druck, seine Beliebtheitswerte sind unter dem Eindruck des Iran-Kriegs deutlich gesunken.

Zur angeblich drohenden Übernahme des Landes durch die »Kommunisten« der Demokraten sagte Trump, das Land feiere am 4. Juli »den Triumph der Freiheit über die Tyrannei«. Bereits am Vorabend in einer Rede am Nationaldenkmal Mount Rushmore betonte er, die Amerikaner*innen würden sich die Freiheit nicht nehmen lassen. »Wir wollen keine Kommunisten in unserem Land«, die ein Krebsgeschwür seien. Er spielte damit auf jüngste Wahlsiege linksgerichteter Demokraten-Politiker*innen an. Seine jubelnden Anhänger*innen skandierten wie schon bei seinen Wahlkampfauftritten »USA, USA« skandierten. hatte er vor einer angeblichen »kommunistischen Bedrohung« in den USA gewarnt.

Trump würzte seine auf die Parteipolitik ausgelegte Rede mit patriotischen Appellen. »Wir werden immer an der Spitze stehen […] Wir werden unser Land niemals untergehen lassen. Wir werden immer die Besten sein.« Auf der anderen Seite verteidigte er den umstrittenen »SAVE America Act«, mit dem er ein strengeres Wahlgesetz durchsetzen will. Nach den Plänen sollen Wähler*innen bei der Registrierung für Bundeswahlen ein Dokument vorlegen, das ihre US-Staatsbürgerschaft belegt, wie zum Beispiel einen US-Pass oder eine Geburtsurkunde.

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