14. Januar 2010 Redaktion Sozialismus / VSA: Team / WISSENTransfer

Heinz Brakemeier

Am Dienstag den 12. Januar 2010 verstarb in Frankfurt am Main Heinz Brakemeier. In Heinz Brakemeiers politischem Leben nach 1945 bündelten sich zentrale Konstellationen der westdeutschen Nachkriegslinken. Als im weitesten Sinne Angehöriger der "Flakhelfergeneration" gehörte Heinz seit 1949 in Frankfurt am Main zu den Aktivisten der ersten Stunde im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS).

Heinz Brakemeier avancierte zu einem der eifrigsten Verfechter eines prononcierten gesellschaftskritischen Linkskurses von SDS und SPD, der sich zugleich an einer Rekonstruktion der in den 1950er Jahren noch verschütteten Marxschen Theorie des Kapitals zu orientieren habe.

Auf diesem Hintergrund beförderte Heinz auch den Brückenschlag des kritischen Teils der westdeutschen Studenten zur Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung, damals in erster Linie zur IG Metall und zum Engagement in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit unter Otto Brenner. Als Kritiker des Godesberger Programms im Umkreis von Wolfgang Abendroth und Aktivist des SDS, gegen den die SPD-Führung 1961 einen Unvereinbarkeitsbeschluss durchdrückte, wurde Heinz dann Sekretär der Sozialistischen Förderergesellschaft der Freunde und ehemaligen Mitglieder des SDS.

Auch in seinem politisch-theoretischen Engagement als Hochschullehrer an der Frankfurter Universität drängte Heinz Brakemeier zum einen immer wieder auf einen Brückenschlag der Kritischen Theorie Adornos und Horkheimers hin zu den politischen Tagesfragen und der Parteienkonstellation in der Bundesrepublik, zum andern bezog er aus seiner Affinität zur Kritischen Theorie einen dauerhaften antistalinistischen Impuls, den er zugleich immer wieder produktiv bis in die Jahre nach 1989 in die Ausarbeitung einer modernen Sozialismuskonzeption umzusetzen versuchte: "Eine Assoziation freier Individuen als gesellschaftliches Gesamtsubjekt und Elemente einer gesamtwirtschaftlichen Planung in der 'Marktwirtschaft'" war eine seiner letzten größeren Publikationen, erschienen im VSA: Verlag im Jahr 2004.

Diese gelebte Zeitzeugenschaft im Spannungsfeld von SDS, SPD, Gewerkschaften, Frankfurter Schule und konstruktiver Kritik am Realsozialismus von der Nachkriegszeit der 1950er Jahre über die APO-Zeit der 68er-Bewegung hinweg bis zur Perestroika, dem Untergang des Staatssozialismus und den rot-grünen Zumutungen für einen kritischen und politisch engagierten Sozialisten bleibt nun Bestandteil des kollektiven historischen Gedächtnis der politischen Linken hierzulande.

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