14. Mai 2026 Redaktion Sozialismus.de: US-Kriegskosten steigen, Iran bleibt kampffähig

Patt im Iran-Krieg?

Foto: Screenshot tagesschau

Der Krieg begann Ende Februar mit Angriffen der USA und Israels auf Iran. Auch andere Länder in der Region sind von dem Konflikt betroffen. Die Staatsführung in Teheran hatte die Straße von Hormus nach Beginn der Angriffe Ende Februar weitgehend abriegeln lassen.

Durch sie exportieren die Golfanrainerstaaten in Friedenszeiten etwa ein Fünftel der weltweiten Erdöl- und Flüssiggasmengen. Die US-Kriegsmarine wiederum blockiert die iranischen Häfen, um Ausfuhren aus dem Iran zu verhindern. Derzeit gilt eine fragile Waffenruhe. Spätestens nach 60g Kriegstagen muss der amerikanische Präsident die Zustimmung des Kongresses einholen. Weil er davor zurückscheut, den Kongress damit zu befassen, hat Trump den Krieg für erledigt erklärt.

Die Hoffnungen auf ein Friedensabkommen haben zuletzt einen herben Dämpfer erlitten. Trump wies die Antwort Teherans zur Beendigung des Kriegs als »Müll« zurück. Er warnte, die seit dem 8. April geltende Waffenruhe werde nur noch künstlich am Leben gehalten. Iran drängt unter anderem auf ein Ende der Kämpfe an allen Fronten – einschließlich des Libanons, wo die israelische Rechtsregierung gegen die von Iran unterstützte Hisbollah-Miliz vorgeht. Das Regime in Teheran sieht sich im Kräftemessen mit Washington in der stärkeren Position – und spekuliert darauf, das Patt länger aushalten zu können.

Die Kosten für den Krieg der USA in Iran belaufen sich nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums bislang auf 29 Mrd. US-Dollar – ein Anstieg um vier Mrd. US-Dollar im Vergleich zu einer Schätzung von Ende April, wie der amtierende Finanzkontrolleur des Pentagons, Jules W. Hurst, vor Parlamentariern erklärt. Die neuen Zahlen umfassen Ausgaben für Reparatur und Ersatz von Ausrüstung sowie Betriebskosten. Später stellte Hurst dann klar, dass die 29 Mrd. US-Dollar noch keine Kosten beinhalteten, die für Reparaturen amerikanischer Einrichtungen anfallen würden, die im Zuge des Krieges angegriffen wurden, da man nicht wisse, »welchen Anteil unsere Verbündeten und Partner bei diesem Wiederaufbau übernehmen werden«.

Derzeit versucht das Pentagon, eine deutliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben genehmigt zu bekommen. Der Haushaltsentwurf der Trump-Regierung sieht für das Haushaltsjahr 2027 knapp 1,5 Bio. US-Dollar für Verteidigungsausgaben vor.


US-Munitionsvorräte aufgebraucht, Iran kampffähig

Die Munitions- und Raketenvorräte des US-Militärs sind nach Angaben des demokratischen US-Senators Mark Kelly in der CBS-Sendung »Face The Nation« stark aufgebraucht, US-Präsident Trump habe die USA in einen Krieg »ohne strategisches Ziel, ohne Plan, ohne Zeitplan« hineingezogen. Als Mitglied des Streitkräfte-Ausschusses hatte das Pentagon ihn über bestimmte Munitionsarten informiert – dazu gehörten etwa Angaben zu Raketen der Typen Tomahawk, ATACMS, SM-3 oder für Patriots. Es werde »Jahre« dauern, um diese Bestände wieder aufzubauen. Die USA wären womöglich im Falle eines längeren Angriffs nicht in der Lage, ihr Land zu verteidigen.

Iran verfügt laut Bericht der »New York Times«, die sich auf Erkenntnisse von US-Geheimdienst-Mitarbeitern von Anfang Mai beruft, immer noch über etwa 70% seiner Bestände an mobilen Abschussrampen wie vor dem Krieg und ebenfalls ein umfangreiches Raketenarsenals. Demnach habe Iran auch wieder Zugang zum Großteil seiner unterirdischen Raketenlager.

Die »Washington Post« hatte bereits vergangene Woche über eine amerikanische Geheimdienstanalyse berichtet und ähnliche Zahlen genannt: Iran verfüge noch über etwa 75% seiner Vorkriegsbestände an mobilen Abschussrampen sowie etwa 70% seiner Raketen, zitierte die Zeitung einen amerikanischen Beamten. Dieser verwies auch auf Hinweise, dass die iranische Führung in der Lage gewesen sei, fast alle ihrer unterirdischen Lagerstätten wieder in Betrieb zu nehmen, einige beschädigte Raketen zu reparieren sowie einige neue Raketen fertigzustellen


US-Verhandlungsziel: Kapitulation des Iran?

Mit Blick auf die Ungewissheit über die Zukunft des Kriegs kritisiert die iranische Führung die Verhandlungsstrategie der USA, die keine echten Verhandlungen anstrebten, sondern die vollständige Kapitulation Irans, zitierte die iranische Nachrichtenagentur Isna Außenamtssprecher Esmail Baghaei. Dieser unterstrich in einem Interview mit dem indischen Magazin India Today Global, statt einer Geben- und Nehmen-Diplomatie verfolgten die USA mit ihren Forderungen die Unterordnung seines Landes. »Die USA sind die größte Bedrohung für Frieden und Sicherheit in der Welt.« Das iranische Angebot an Washington sei »großzügig und verantwortungsvoll«, während die USA unverantwortliche Forderungen für einen Waffenstillstand aufgestellt hätten.

Den USA gehe es nicht um eine friedliche Lösung, sondern um ein Kapitulationsdokument, schrieb auch der iranische Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi auf X. Der Standpunkt Irans sei eindeutig: Man wolle eine Beendigung der Kampfhandlungen, keine Wiederaufnahme des Konflikts, Entschädigungen, ein Ende der Blockade, eine Aufhebung von Sanktionen sowie die Achtung internationaler Rechte Irans.

Der US-Präsident dagegen hat die seit fast fünf Wochen dauernde Waffenruhe wegen der »dämlichen Vorschläge« aus Teheran zur Beendigung des Krieges öffentlich infrage gestellt. Er nahm Bezug auf das Verhandlungsdokument, das die iranische Seite übermittelt hatte. Schon zuvor hatte Trump die iranische Antwort auf seinen 14-Punkte-Plan für ein Kriegsende »völlig inakzeptabel« genannt. Er warf Iran vor, »Spielchen mit den Vereinigten Staaten zu treiben« und »über unser Land, das nun wieder großartig ist, zu lachen. Sie werden nicht mehr lachen!«


Atomprogramm als Hindernis

Trumps Vorschlag sieht eine erhebliche Eindämmung des iranischen Atomprogramms vor. Iran ist zwar offenbar zu Gesprächen über die Urananreicherung bereit, bleibt in wichtigen Punkten jedoch hart und geht Iran offenbar nur bedingt auf die Forderungen der USA ein. Laut dem Wall Street Journal soll Teheran es abgelehnt haben, bereits vor dem Beginn von Verhandlungen weitgehende Zugeständnisse zu machen oder gar die verbliebenen 400 Kilogramm an hochangereichertem Uran abzugeben. Ein Moratorium für die weitere Anreicherung von Uran lehne Iran jedoch nicht grundsätzlich ab, wolle eine kürzere Dauer als die von den USA geforderten 20 Jahre. Zudem sei man nicht bereit, die bestehenden Nuklearanlagen zu zerstören.

Offenbar gehen die iranischen Machthaber immer noch davon aus, einen größeren Spielraum als Trump zu haben, der bereits die Midterm-Wahlen im November im Blick hat. Zwar setzt die amerikanische Blockade von iranischen Häfen das Land unter Druck. So lag die Teuerungsrate im April zwischen 67% und 73,5% höher als im Vorjahresmonat. »Aber Iran steht noch nicht vor dem Kollaps«, sagt der iranische Historiker Rouzbeh Parsi von der Universität Lund.

Sollte die amerikanische Blockade andauern, würde die iranische Führung im schlimmsten Fall Subventionen erhöhen oder sogar Lebensmittel rationieren, wie auch schon während des Kriegs gegen den Irak zwischen 1980 und 1988, meint Parsi. »Die Regierung wird sagen, dass es sich in einer akuten Ausnahmesituation befinde und die Einschränkungen temporär seien.« Grundsätzlich sei derzeit noch kein existenzieller Mangel in Iran sichtbar. »Die Probleme können durch Umverteilung noch aufgefangen werden.«


Gehen die Kampfhandlungen wieder los?

Aus Parlamentskreisen in Teheran hieß es am Dienstag, dass die iranische Regierung ein Wiederaufflammen der Kampfhandlungen für wahrscheinlich halte. Es ist unklar, wie der Schwebezustand, in dem weder Krieg noch Frieden herrscht, aufgelöst werden kann. Trump hatte auch angekündigt, erneut Ziele in Iran zu bombardieren, falls Teheran dem amerikanischen Vorschlag nicht zustimme. Gleichzeitig hat er aus den anfangs genannten Gründen den Krieg formal für beendet erklärt.

Beobachter*innen gehen nicht davon aus, dass erneute Bombardierungen die iranische Position grundlegend verändern werden. Sollten die USA Irans Industrie und weitere zivile Infrastruktur zerstören, könnte es zwar tatsächlich zu Engpässen kommen. Doch die iranische Führung dürfte eher noch kompromissloser auftreten.

Zudem wäre damit zu rechnen, dass die Golfstaaten den Großteil der iranischen Vergeltungsschläge zu spüren bekommen würden – allen voran die Vereinigten Arabischen Emirate. Iran hat durchaus Optionen, den Konflikt weiter eskalieren zu lassen, es könnte die Energieinfrastruktur am Golf ins Visier nehmen oder sogar versuchen, die Huthi in Jemen zu einer Sperrung der Meerenge von Bab al-Mandab am Roten Meer zu bewegen. Die weltweiten Energiepreise würden noch weiter in die Höhe schnellen.

Was im Inneren der iranischen Führung wirklich vor sich geht, lässt sich kaum beurteilen. Rouzbeh Parsi glaubt jedoch nicht, dass sie mit dem derzeitigen Schwebezustand zufrieden ist: »Die Iraner können keine Friedensdividende in Form von Sanktionsaufhebungen einstreichen, und sie haben keinen Krieg, in dem klar ist, wie sie agieren können.« Parsi geht daher davon aus, dass es einige Mitglieder aus dem inneren Machtzirkel gibt, die einen erneuten Waffengang bevorzugen. »Sollten die Verhandlungen sowieso nirgendwo hinführen, könnte Iran den USA so immerhin noch mehr Schaden zufügen und die Abschreckung wiederherstellen.«

Während Trump trotz mitunter anders klingender Rhetorik bisher eine Rückkehr zum Krieg scheut, sieht es bei seinem engsten Verbündeten im Nahen Osten anders aus. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte dem Fernsehsender CBS am Sonntag, der Krieg mit Iran sei »nicht vorbei« und es gebe »noch viel Arbeit zu erledigen«.

Mehr als einen Monat nach Beginn der Waffenruhe ist unklarer denn je, wie sich die Krise am Persischen Golf beilegen lässt – zumal keine der Kriegsparteien zu einem Rückzieher bereit ist.

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