13. Juli 2026 Redaktion Sozialismus.de: Die Straße von Hormus ist wieder zu
Pattkonstellation im Krieg zwischen USA und Iran
Die USA sowie sein Satellitenstaat Israel befinden sich seit Ende Februar 2026 im Kriegszustand mit Iran. Zwar haben die USA und Iran eine Waffenruhe vereinbart, doch Präsident Donald Trump hat diese Anfang Juli für beendet erklärt.
Vertreter aus Washington und Teheran hatten sich Ende Juni auf ein Rahmenabkommen geeinigt, das den Weg für ein dauerhaftes Ende des Kriegs ebnen sollte. Darin war vereinbart worden, innerhalb von 60 Tagen einen endgültigen Deal auszuhandeln. Das Abkommen beinhaltete auch die Forderung nach einer Öffnung der für den Handel wichtigen Straße von Hormus. Seither ist es immer wieder zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Ländern gekommen.
Das US-Militär hat laut eigenen Angaben eine erneute Angriffswelle gegen Iran bestätigt. Die Attacke sei ein Vergeltungsschlag für den Angriff auf ein weiteres Handelsschiff in der Meerenge gewesen. Die US-Streitkräfte griffen laut eigenen Angaben rund 140 iranische Militärziele mit Präzisionsmunition an, die von land- und seegestützten Kampfflugzeugen, Drohnen und Marineschiffen abgefeuert wurde. Zu den Zielen gehörten iranische Raketen- und Drohnenstellungen, Marineeinrichtungen, Munitionslager, Kommunikationsnetze und Küstenüberwachungsstandorte.
Irans Revolutionswächter (IRGC) haben ihrerseits Angriffe auf US-Militärbasen in mit den USA verbündeten Golfstaaten und Jordanien bestätigt. Die Luftstreitkräfte hätten in einer ersten Phase »wichtige militärische Infrastruktur und Anlagen« auf dem Luftwaffenstützpunkt Prince Hassan Air Base in Jordanien angegriffen. Sie behaupteten, mit mehreren ballistischen Raketen ein Kommando- und Kontrollzentrum sowie Hangars für MQ-9-Drohnen zerstört zu haben.
Als Grund für die Vergeltungsschläge nannten die Revolutionswächter angebliche Versuche der USA, dem Oman »seinen Willen aufzuzwingen«, indem sie mehrere Schiffe zur »illegalen Durchfahrt durch die südliche Straße von Hormus« angestiftet hätten. Dies sei durch die Reaktion der iranischen Marine verhindert worden. Zudem hätten die USA Ziele entlang der Südküste des Irans angegriffen. Die fortgesetzte Aggression der USA werde zu noch schärferen Reaktionen führen.
Infolge der erneuten militärischen Auseinandersetzungen werde die Meerenge bis auf weiteres und bis zum Ende der amerikanischen Eingriffe in der Region geschlossen bleiben. Die Durchfahrt sei verboten. Sollte der »Aggressor« neue Angriffe gegen Iran starten, hieß es an die USA gewandt, werde man mit weiteren Angriffen auf »feindlich Stützpunkte« in der Region reagieren.
Die USA dagegen fordern laut Medienberichten ein Bekenntnis Irans zu einer freien und sicheren Schifffahrt in der Straße von Hormus. Die iranische Führung solle öffentlich versichern, dass die Meerenge offen sei und man von Angriffen auf Handelsschiffe absehe. Welche Konsequenzen der iranischen Führung drohen, sollte sie der Forderung, die ihr über Vermittler zuging, nicht nachkommen, blieb wie so oft unklar.
Die Golfstaaten sind in diese Eskalation der kriegsführenden Parteien wieder hineingezogen worden. Der ehemalige Emir von Katar ist in der Nacht auf Sonntag verstorben. Daraufhin rief das Land eine viertägige Staatstrauer aus. Die Trauerfeierlichkeiten können nicht überdecken, dass dessen Lebenswerk zurzeit auf der Kippe steht. Zwar war die Absichtserklärung, die den Weg zu einem Friedensabkommen ebnen sollte, von Beginn an fragil, doch jetzt droht erneut ein längerer Rückfall in eine militärische Kriegsführung.
Und wieder geht es vor allem um die Straße von Hormus. Der für die Weltwirtschaft wichtige Wasserweg zwischen Oman und Iran wurde von Teherans Revolutionswächtern bereits nach Kriegsbeginn Ende Februar geschlossen. Seither gelang es den Amerikanern trotz dem Einsatz von Zuckerbrot und Peitsche nicht, die Iraner davon zu überzeugen, sie für den Verkehr wieder freizugeben.
Iran betrachtet den Wasserweg inzwischen als Faustpfand und will zukünftig eine Maut für die Durchfahrt verlangen. Da dies für die Amerikaner inakzeptabel ist, kam es nach Wochen der trügerischen Ruhe zuletzt wieder zu Gefechten. Man werde mit den Luftschlägen nicht aufhören, ehe der Wasserweg frei sei, hieß es aus Washington, auch wenn Iran weiterhin Raketen und Drohnen auf Länder in der Region abfeuert, in den es US-Militärstützpunkte gibt.
Laut Insider-Information sollten im Anschluss an die Rahmenerklärung und die Freigabe der Straße von Hormus die USA ihre Seeblockade iranischer Häfen aufheben, eingefrorene iranische Gelder in Milliardenhöhe freigeben und Sanktionen gegen iranische Ölexporte aussetzen. Dass es auf dem von den USA vorgeschlagenen Weg einer 60 Tage andauernden Verhandlungsphase zu einer vorläufigen Vereinbarung für einen dauerhaften Frieden kommen könne, bezweifelten viele Beobachter. Denn eine Lösung der schwierigen Punkte, darunter fallen das Atomprogramm oder die Unterstützung der Hisbollah im Libanon und der Huthi-Rebellen durch Iran, sei in dem kurzen Zeitraum sehr unwahrscheinlich zu vereinbaren. »Eine Art Waffenstillstand« gebe es bereits seit April 2026 und der Schwebezustand zwischen Krieg und Frieden werde sich vermutlich fortsetzen.
Was das Atomprogramm betrifft, pochen die USA auf einen Abbau des Programms und die Zerstörung von hochangereichertem Uran, das Ausgangsstoff für Atombomben ist. Der Iran dagegen will das Material in verdünnter Form behalten. Ein weiterer Aspekt, der die Verhandlungen innerhalb von 60 Tagen erschweren dürfte, ist die heiße Phase des Midterm-Wahlkampfs in den USA., in dem Trump und die Republikaner sich von der Öffnung der Straße von Hormus und damit geringeren Preisen für Benzin und Dinge des täglichen Bedarfs sich Rückenwind versprachen.
Dass der gegenseitige heftige Beschuss erneut in einen erklärten Krieg mündet, ist trotz der Eskalation eher unwahrscheinlich. Weder Präsident Trump, der in der Heimat mit fallenden Beliebtheitswerten zu kämpfen hat, noch die Führung in Teheran finden derzeit einen Weg, den Stillstand militärisch zu durchbrechen. Stattdessen wirkt der gegenseitige Beschuss wie eine Art Verzweiflung, weil die militärische Pattsituation von keiner Kriegspartei zu durchbrechen oder überwinden ist.
Nachdem bei der Trauerfeier für den getöteten obersten Regionsführer Ali Chamenei mehrfach Morddrohungen gegen Trump aufgetaucht waren, schreibt er auf Truth Social: »1.000 Raketen sind schussbereit und auf die Islamische Republik Iran gerichtet. Tausende weitere werden unmittelbar folgen, sollte die iranische Regierung ihre weltweit ausgesprochene Drohung wahr machen, den amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika – in diesem Fall mich! – zu ermorden oder einen Mordanschlag zu versuchen.«
Bereits bei seinem Auftritt am Rande des NATO-Gipfels redete er sich in Rage und überzog er die iranische Führung mit heftigen Beleidigungen: »Ich will mit ihnen nichts mehr zu tun haben. Sie sind Abschaum. […] Sie sind kranke Menschen. Sie werden von kranken Menschen angeführt. Und sie sind bösartige, gewalttätige Menschen.« Weitere Gespräche seien »Zeitverschwendung«, »Sie sind Lügner. […] Irgendetwas stimmt mit denen nicht. Sie sind verrückt.«
Mit radikalen Beschimpfungen der iranischen Führung und der Unbeherrschtheit des US-Präsidenten hat er erneut Hürden für weitere Verhandlungen aufgebaut. Es folgte die bereits beschriebene erneute Eskalation des Konflikts mit Angriffen unter anderem auf Flugabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen und Boote der iranischen Revolutionsgarden. Gleichzeitig setzten die USA zuvor ausgesetzte Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft. Die politisch-militärische Pattsituation dürfte anhalten.


