16. Mai 2026 Redaktion Sozialismus.de: Der Besuch von Donal Trump bei Xi Jinping

US-Dealmaker in der VR China

US-Präsident Donald Trump hat den chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping in Beijing besucht. Es war nach 2017 sein zweiter Staatsbesuch in China. Trump sprach zum Abschluss von »fantastischen Handelsdeals«, ohne allerdings Details zu nennen.

Zukunftsallianz USA–China?«

Xi Jinping blickte in seiner Rede beim Staatsbankett optimistisch in die Zukunft: Die Menschen Chinas und der USA könnten Hand in Hand gehen und so eine friedliche Neuordnung der politischen globalen Kräfteverhältnisse erreichen. Das Verhältnis beider Länder sei heute die wichtigste bilaterale Beziehung der Welt. »Wir müssen dafür sorgen, dass sie funktioniert, und dürfen sie niemals ruinieren.«

Eine solche Neuordnung könne als Leitlinie für die kommenden drei Jahre dienen – ein Hinweis darauf, dass China ein Interesse daran hat, auch die im Oktober 2025 vereinbarte Waffenruhe im Zollstreit zu verlängern. Auch Trump bezeichnete die Gespräche als »äußerst positiv und produktiv«, denn China und die USA hätten viel gemeinsam, etwa Werte wie harte Arbeit, Mut oder Leistung.

Chinas Staatschef griff eines seiner zentralen politischen Motive auf: Die Welt erlebe derzeit einen »großen Wandel, wie er nur einmal in hundert Jahren vorkommt«. Diese Formulierung drückt in der diplomatischen Sprache das Ende der von den USA dominierten Weltordnung nach dem Zweiten Weltkrieg aus. Nach der »New York Times« geht der Ausdruck auf einen Beamten der Qing-Dynastie zurück, der 1872 angesichts neuer Technologien von »großen Veränderungen, wie sie in dreitausend Jahren nicht gesehen wurden« sprach. China scheiterte konnte sich damals nicht gegen ausländische Mächte behaupten, diese Zeit wird in China bis heute als »Jahrhundert der Demütigung« bezeichnet. Mit der von Xi gewählten Botschaft soll zugleich deutlich gemacht werden, dass sich China nicht mehr von den USA dominieren lassen will.


Neuordnung der globalen Kräfteverhältnisse und die politischen Konflikte

Der chinesische Staatschef skizzierte die großen Bruchlinien und Gefahren der derzeitigen geopolitischen Spannungen und Gefahren. »Können China und die USA der Thukydides-Falle entgehen und zu einem neuen Paradigma der bilateralen Beziehungen finden?« Der griechische Historiker Thukydides hatte im 4. Jahrhundert v.u.Z. davor gewarnt, dass, wenn eine bestehende Großmacht sich durch eine neue aufstrebende Großmacht bedroht sehe, dies zu einem Krieg führen könne. Er hatte seinerzeit die Furcht Spartas vor der wachsenden Macht Athens im Blick.

Xi zeigte im Folgenden einen Weg auf, wie eine Eskalation der Konfrontation der beiden größten Volkswirtschaften der Welt vermieden werden kann. »Die Gemeinsamkeiten zwischen den USA und China überwiegen die Differenzen«, die vor allem wirtschaftliche Leistungsfähigkeit jedes Landes böten große Möglichkeiten für das jeweils andere. Auch die USA maßen im Vorfeld den ökonomischen Beziehungen ein hohes Gewicht bei, denn Trump wurde auf der seiner Reise von einer Wirtschaftsdelegation begleitet, zu der etliche Vorstandvorsitzende von großen Unternehmen gehörten (siehe weiter unten).

Gesprochen wurde von den beiden Repräsentanten der größten Volkswirtschaften natürlich auch über die politische Konfliktfelder, so über Taiwan und den Iran-Krieg. Die US-chinesischen Beziehungen hat Trump in einem auffallend positiven Licht dargestellt und sich weitgehend mit Äußerungen zu schwierigen Themen zwischen den Supermächten zurückgehalten.

Sehr viel klarer thematisierte Xi Jinping seine Haltung zu Taiwan. Die Insel wird seit Jahrzehnten eigenständig und in Abgrenzung zur Volksrepublik regiert, China sieht sie als Teil des eigenen Staatsgebiets und strebt nach eigenem Bekunden eine »friedliche Wiedervereinigung« mit dem Festland an. Die USA liefern Waffen in Milliardenhöhe an Taiwan.

Direkt nach dem freundlichen Empfang sprach Xi eine Warnung an die USA aus, wie der Sprecher des Außenministeriums Guo Jiakun der Presse erklärte. In seinen Gesprächen mit dem US-Präsidenten habe der chinesische Präsident darauf hingewiesen, dass die Taiwan-Frage das wichtigste Thema in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen sei. Werde sie richtig gehandhabt, würden die bilateralen Beziehungen insgesamt stabil bleiben. »Andernfalls komme es zu Auseinandersetzungen und Konflikten.«

Was den von den USA und Israel begonnen Angriff auf den Iran betrifft, hat die chinesische Seite die Forderung nach einer dauerhaften Waffenruhe erneuert. Die Schifffahrtswege sollten so schnell wie möglich wieder geöffnet werden, erklärte das Außenministerium mit Blick auf die Straße von Hormus. Es brauche eine umfassende und dauerhafte Waffenruhe, um die Wiederherstellung von Frieden und Stabilität in der Golfregion voranzutreiben.

Dieser Krieg, der niemals hätte passieren dürfen, müsse nicht weitergehen. Bald eine Lösung zu finden, nütze den USA, Iran sowie anderen Regionen und der gesamten Welt. China gilt als wichtigster Importeur von iranischem Öl und ist daher besonders an einer Öffnung der Meerenge interessiert. US-Außenminister Marco Rubio hatte zuvor in einem Interview mit NBC News gesagt, man habe China allerdings nicht um »irgendetwas« gebeten.


Absatzmarkt China und US-Oligarchen in Aktion

China hat laut einem Interview des US-Präsidenten mit dem Sender Fox News Interesse am Kauf von Öl aus den Vereinigten Staaten bekundet. Die Volksrepublik hatte bereits kleinere Mengen Öl aus den USA eingeführt, bevor Trump im vergangenen Jahr Zölle verhängte. Außerdem wolle China auch wieder Sojabohnen kaufen, nachdem es im Handelsstreit die Einfuhr von Sojabohnen stark zurückgefahren und sich stattdessen vermehrt Brasilien zugewandt hatte.

Die chinesische Regierung hat in der Vergangenheit bei bilateralen Gipfeln immer wieder mögliche Käufe von Flugzeugen als Verhandlungsmasse eingesetzt. Diesmal ging es darum, dem amerikanischen Flugzeughersteller Boeing 200 Verkehrsflugzeuge abzukaufen und um die Wiederaufnahme von Lieferungen von Flugzeugtriebwerken des amerikanischen Herstellers GE Aerospace an China, die USA im Rahmen des Handelsstreits suspendiert hatte.

China benötigt die Triebwerke für sein Verkehrsflugzeug C 919, für das der staatliche Flugzeughersteller Comac trotz beachtlichen Fortschritten noch immer auf Technologie aus dem Ausland angewiesen ist. Sollten die USA die Lieferungen nicht bald wieder aufnehmen, könnte die Produktion bei Comac zum Erliegen kommen. Eine Aufhebung des Lieferstopps im Gegenzug für ein Entgegenkommen Chinas an anderer Stelle wäre für Trump relativ unproblematisch.

Der US-Präsident wurde auf seiner China-Reise von immerhin 16 Vorstandsvorsitzenden großer Unternehmen begleitet: Cristiano Amon (Qualcomm), Tim Cook (Apple), Lawrence Culp Jr. (GE Aerospace), Larry Fink (BlackRock), Jane Fraser (Citigroup), Jensen Huang (Nvidia), Ryan McInerney (Visa), Sanjay Mehrotra (Micron Technology), Michael Miebach (Mastercard), Elon Musk (Tesla und SpaceX), Kelly Ortberg (Boeing), Stephen Schwarzman (Blackstone), Brian Sikes (Cargill), David Solomon (Goldman Sachs) und Jacob Thaysen (Illumina). Jensen Huang, CEO des Chipkonzerns Nvidia, sollte ursprünglich nicht mitreisen und stieß erst später zu der Delegation– ein Hinweis darauf, dass China und die USA sich auf Lockerungen der Exportbeschränkungen für Nvidia-Chips einigen könnten.

»Viele wollten mit mir nach China kommen, aber ich wollte keine zweit- oder drittrangigen Wirtschaftsvertreter, ich habe nur Top-Executives mitgebracht«, sagte Trump bei der Vorstellung seiner Begleiter, und diese wollten über Geschäfte reden. Der chinesische Ministerpräsident Li Qiang traf sich dann mit Elon Musk, Tim Cook, Jensen Huang und weiteren führenden US-Unternehmern und rief sie dazu auf, ihre Präsenz in China auszubauen.

China möchte auf eine Lockerung der amerikanischen Exportbeschränkungen für Hochtechnologieprodukte hinwirken. Im Bereich KI sind die USA und China erbitterte Konkurrenten. Mit Exportbeschränkungen für KI-Chips versucht Washington, die Volksrepublik auszubremsen. Anfang des Jahres hatte Trump zwar die Auflagen gelockert, verlangte aber von amerikanischen Unternehmen eine Abgabe von 25% auf Chipverkäufe nach China. Damit signalisiert er, dass er auch bei KI offen für Deals ist. Noch haben amerikanische Firmen die leistungsfähigeren Produkte. Aber China holt auf. Die chinesische Führung strebt eine weitere Aufweichung der Exportbeschränkungen an und könnte im Gegenzug einen leichteren Zugang zu kritischen Rohstoffen anbieten.

Chinas Versprechen, mehr ausländische Geschäfte zu begrüßen, kommt nach Jahren der eskalierenden Handelsspannungen mit den USA, einschließlich des Schritts der Trump-Regierung im vergangenen Jahr, die Zölle auf chinesische Importe nach und nach auf bis zu 125% zu erhöhen. Dennoch sehen US-Unternehmen Chinas wachsende Mittelschicht und massive Verbraucherbasis weiterhin als Wachstumsmärkte. »Die beiden Seiten diskutierten Möglichkeiten, die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Ländern zu verbessern, einschließlich der Ausweitung des Marktzugangs für amerikanische Unternehmen nach China und der Erhöhung der chinesischen Investitionen«, sagte ein Beamter des Weißen Hauses in einer Auswertung der Treffen.


Anzeichen von Versöhnung?

Basierend auf den Gesprächen mit den CEOs, könnte China mehrere Schritte unternehmen, um die wirtschaftlichen Spannungen mit den USA zu lindern, so Analysten der Eurasia Group, einer politischen Risikoberatung. »Wir gehen weiterhin davon aus, dass beide Seiten verstärkte Handels- und Zollanpassungen in nicht sensiblen Sektoren ankündigen, einschließlich chinesischer Käufe von US-Landwirtschaftsprodukten (einschließlich Rindfleisch), Boeing-Flugzeuge und Energie«, heißt es in einem Bericht. China könnte zudem die Beschränkungen für ausländische Finanzdienstleistungsunternehmen lockern, kartellrechtliche Barrieren senken oder dem Elektroautohersteller für Tesla grünes Licht geben, um das vollständig autonome Fahren einzuführen.

Die Reise könnte sich bereits für einige der CEOs in einem Ausbau der Geschäfte ausdrücken. Laut Fox News-habe China zugestimmt, 200 Boeing 737 Max-Jets zu kaufen, verglichen mit einem früheren Deal für 50. Vorerst blieben solche Geschäfte allerdings nur mündliche Verpflichtungen, ohne Garantie, dass sie zustande kommen. So verpufften entsprechende Zusagen nach Trumps China-Reise im Jahr 2017 zu Schiefergasentwicklungs- und Chemieproduktionsprojekten in West Virginia aufgrund zunehmender Spannungen zwischen den USA und China in den folgenden Jahren.

Handelszölle sind Trumps bevorzugtes Instrument zur Durchsetzung seiner wirtschaftspolitischen Agenda. In Bezug auf China schwankten diese in den vergangenen anderthalb Jahren erheblich: Im Mai 2025 erreichte die US-Einfuhrabgabe für die meisten chinesischen Waren einen Höchststand von 145%, ging jedoch später wieder zurück. Auch China hat Gegenmaßnahmen ergriffen. Als Reaktion auf Trumps Fentanyl-Zölle belegte die Volksrepublik die Einfuhren amerikanischer Autos, landwirtschaftlicher Maschinen und Erdgas mit Strafzöllen von 10% bis 15%.

Im Zuge der Auseinandersetzung war der bilaterale Güterhandel eingebrochen. Da die Pause im Zollstreit bis November läuft, ist es offen, ob Xi und Trump noch vorher eine längerfristige Vereinbarung treffen.

Chinas Ministerpräsident Li Qiang sagte gleichwohl mit Blick auf die Zukunft, China und die USA seien durchaus in der Lage, weiterhin Freunde und Partner zu sein und gemeinsamen Erfolg und Wohlstand zu erreichen. »Die gesunde Entwicklung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen setzt voraus, dass sich unsere Regierungen aufeinander zu bewegen, und sie erfordert die gemeinsamen Anstrengungen aller Bereiche der Gesellschaft, um sie voranzutreiben.«

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