3. Mai 2026 Redaktion Sozialismus.de
US-Truppen raus aus Deutschland
Der amerikanische Präsident Donald Trump kündigte schon wiederholt eine Truppenreduktion in Europa und damit auch in Deutschland an. Nun hat US-Kriegsminister Pete Hegseth angeordnet, dass 5.000 von insgesamt rund 40.000 Soldat*innen innerhalb eines Jahres die Bundesrepublik verlassen sollen.
Es wird vermutet, dass zum einen das 2nd Cavalry Regiment zurückbeordert werden soll, das im bayrischen Vilseck stationiert ist. Zudem soll ein amerikanisches Bataillon mit Mittelstreckenwaffen, anders als geplant, doch nicht in diesem Jahr nach Deutschland verlegt werden. Ob es in einem anderen europäischen Land stationiert werden oder weiter in den USA bleiben soll, ist nicht bekannt.
Der bundesdeutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) zeigt sich wenig irritiert, das sei »absehbar« gewesen: »Wir Europäer müssen mehr Verantwortung für unsere Sicherheit übernehmen« übernahm er indirekt eine Forderung des US-Präsidenten. »Die Präsenz amerikanischer Soldaten in Europa und besonders in Deutschland ist in unserem Interesse und im Interesse der USA.«
Deutschland werde deshalb die Bundeswehr weiter aufrüsten. Nicht kommentiert haben weder Pistorius noch das Verteidigungsministerium, was es für Deutschlands »Abschreckungsfähigkeit« bedeuten würde, sollten die USA ihre Raketen und Marschflugkörper für sich behalten. Eigentlich sollten diese Mittelstreckenwaffen Russland vor einen Angriff abschrecken.
Trump hatte zuvor schon mehrfach beklagt, dass NATO-Staaten den Angriff der USA und Israel auf Iran nicht unterstützt hätten, und angedroht, dass die USA Streitkräfte aus Europa abziehen würden. Nun hat er den bundesdeutschen Kanzler ins Visier genommen- Friedrich Merz (CDU) hatte Anfang der letzten Woche erklärt: »Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung.« Die USA, so der Kanzler, könnten den Krieg nicht schnell zu Ende bringen, »weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht und die Amerikaner offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende Strategie haben«.
Danach war von dem »guten Verhältnis« zwischen ihm und Trump nicht mehr die Rede, denn letzterer ging persönlich auf Merz los: »Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!«, schrieb Trump auf der Plattform »Truth Social«. Es sei kein Wunder, »dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch in anderer Hinsicht!«. Sein Vorwurf gegenüber dem Kanzler: Dieser sei damit einverstanden, dass Iran Atomwaffen habe.
Die Reaktionen in Deutschland auf die Ankündigung der Truppenreduzierung ließen nicht lange auf sich warten, Während Verteidigungsminister Pistorius seine Anstrengungen durch den US-Präsidenten befördert sieht, formiert sich die bekannte politische Aufrüstungsclique. Der Grünen-Politiker Anton Hofreiter fordert mehr Tempo bei der Neuausstattung der Bundeswehr im Verbund mit den europäischen Partnern, denn der Teilabzug der USA bestätige eine beunruhigende Tendenz, die seit längerem zu beobachten sei: »Die USA unter Trump achten das transatlantische Bündnis wenig, sie ziehen sich aus Europa zurück und nähern sich Russland an.« Zwar sei der momentane Teilabzug für Europa zu verkraften, und man sei auf einem guten Weg, eigene Mittelstreckenwaffen produzieren zu können. Zudem könne Trump dank einem Kongressbeschluss keine Truppen in beliebiger Größenordnung aus Europa abziehen.
Sevim Dağdelen vom ansonsten kaum mehr wahrzunehmenden Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) begrüßte den angekündigten Teilabzug. Sie forderte, auch die verbleibenden US-Soldaten sollten abziehen »und die US-Atomwaffen gleich mitzunehmen«. Noch radikaler gerieren sich Vertreter der AfD. Die rechtsradikale Formation will diesen Truppenabzug in ein strategisches Gesamtkonzept einbauen und müsse sich auch zur Außenpolitik klar positionieren.
Im Vorfeld des Parteitages seines sächsischen Heimatlandesverbandes hatte AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla Ende März eine Ansage auch an die eigenen Mitglieder angekündigt, schließlich müsse man sich »zur Regierungspartei entwickeln«: »Regieren bedeutet auch riskieren. Wer nichts riskiert, wird auch nichts gewinnen«, sagte er dann vor den Delegierten. Seine zentrale Botschaft lautete: Die AfD dürfe sich nicht länger nur Protestpartei bleiben, sondern müsse den nächsten Schritt gehen und zur »echten Machtoption« werden.
Dafür braucht es aus seiner Sicht eine neue Haltung in der Partei, »die richtige Mischung aus Geduld und auch Ungeduld« sei entscheidend und forderte er mehr Entschlossenheit. Das große Ziel sei das Jahr 2029. Spätestens dann soll die AfD den Durchbruch schaffen – auf allen Ebenen und am besten dreifach regieren – im Land, im Bund und in den Kommunen. »Gewinnen und den Ministerpräsidenten stellen, […] den Kanzler stellen« – mit Sachsen als entscheidendem Ausgangspunkt, so Chrupalla.
Brisant wurde es dann bei der Außenpolitik. Immer wieder hatte der Chrupalla zuletzt außenpolitische Vorstöße unternommen und dabei selbst bei den eigenen Leuten für Irritationen gesorgt. So ist etwa Putin für ihn keine Gefahr, weil der ihm »persönlich nichts getan« habe, oder die NATO »diene zu stark amerikanischen Interessen«. Welche außenpolitischen Details im Gesamtkonzept der AfD eine Rolle spielen werden, ist noch nicht absehbar.
Die politische Kakophonie verdeutlicht: Im politischen Raum ist nicht zuletzt durch US-Ankündigung von konkreten Truppenreduzierungen angekommen, dass mit dem Agieren von Trump und seiner Regierung das Ende der amerikanischen Weltordnung und der US-Hegemonie weitere Konkretionen annimmt. Aber es gibt noch keine Konzeption, wie mit dem Ende des Westens und der aufgekündigten Führungsrolle der USA umgegangen werden soll.


