20. April 2026 Redaktion Sozialismus.de: Straße von Hormus bleibt dicht

Was will Iran?

Irans Parlamentssprecher Ghalibaf (Foto: Screenshot Al Jazeera)

Die USA, Israel und Iran hatten sich in letzter Minute auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand geeinigt, nachdem Donald Trump damit gedroht hatte, dass »eine ganze Zivilisation sterben wird«, falls keine Einigung erzielt werde.

Eine erhebliche Eskalation des Krieges – einschließlich der Bombardierung iranischer Kraftwerke und Brücken – wurde dank des von Pakistan vermittelten Abkommens damit vorübergehend abgewendet. Für weitere Friedensverhandlungen zwischen Iran und den USA bestehen nach Angaben aus Teheran allerdings nach wie vor große Differenzen. Man habe zwar Fortschritte erzielt, aber »es bestehen noch viele Differenzen, und einige grundlegende Punkte sind noch offen«, erklärt Irans Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf in einem Interview mit der staatlichen Nachrichtenagentur Tasnim.

Einige Streitpunkte seien zwar gelöst worden, andere Punkte blieben jedoch ungeklärt. Man sei noch »weit von einer endgültigen Einigung entfernt«. So sei die Entscheidung der USA, eine Blockade in der Straße von Hormus zu verhängen, töricht und ignorant gewesen, sagte Ghalibaf. »Wenn die Blockade nicht aufgehoben wird, wird der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zweifellos eingeschränkt sein.«

Ob es zur zweiten Verhandlungsrunde zwischen den USA und Iran kommt, ist offen: Die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna meldete, Iran lehne eine Teilnahme daran ab. Umgekehrt böten die USA laut Trump Iran ein »faires und vernünftiges Abkommen« an. Sollte Teheran ablehnen, würden die USA »jedes einzelne Kraftwerk und jede einzelne Brücke in Iran zerstören«.

Trumps Ankündigung kam zu einem Zeitpunkt, als die Schifffahrt in der Straße von Hormus nahezu vollständig zum Erliegen gekommen war. Iranische Streitkräfte hatten die Durchfahrt als Reaktion auf die USA-Blockade der Schiffe mit einem Stopp in iranischen Häfen wieder blockiert und umgehend einen Tanker und einen Frachter zur Umkehr gezwungen – am Tag darauf laut iranische Medien zwei weitere Tanker.

Die Schiffe traf Irans Angriff vollkommen unvorbereitet, denn er betraf offensichtlich auch solche, mit denen eine Durchfahrt zuvor abgesprochen war. Der indische Kapitän eines Tankers funkte am Samstag Irans Marine an und wiederholte mehrmals panisch, dass die iranischen Behörden ihm eine Genehmigung erteilt hätten, die Straße von Hormus zu passieren: »Mein Name ist der zweite auf eurer Liste – jetzt schießt ihr.« Am Sonntag ist der Verkehr in der Straße von Hormus nahezu vollständig zum Erliegen gekommen.

Mit dem Beschuss antwortet Teheran auf die seit vergangenem Montag geltende amerikanische Blockade von iranischen Häfen. Beide Länder erhöhen offenbar den Druck, um eine bessere Verhandlungsposition zu erreichen. Unter dieser Kanonenbootdiplomatie leidet die ganze Welt: selbst unter den Nachwehen des Kriegs dürften die globalen Lieferketten noch monatelang belasten.


Treibstoff für Flugzeuge und Schiffe wird knapp

Derzeit stauen sich rund 400 bis 500 Schiffe im Persischen Golf. Selbst wenn sich Iran und die USA in Verlängerung des Waffenstillstands auf die Öffnung der Straße von Hormus einigen würden, dürfte es lange dauern, bis der Tanker-Stau aufgelöst ist. Zwar ist nicht davon auszugehen, dass die Rohölpreise weiter massiv ansteigen, denn die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien exportieren kombiniert rund neun Mio. Barrel pro Tag über Pipelines, die nicht von der Blockade in Hormus betroffen sind.

Hart dürfte vor allem Europa allerdings der Mangel an Bunkertreibstoff für Frachtschiffe und Flugbenzin treffen. Diese wichtigen Treibstoffe werden auch knapp bleiben, wenn der Transit durch Hormus problemlos läuft. Denn diese Ölprodukte werden vor allem in Kuwait produziert. Dort ist die Produktion komplett zum Erliegen gekommen, da einerseits keine Pipelines für den Export existieren. Andererseits wurden die zwei größten Raffinerien des Landes während des Kriegs stark beschädigt und sind immer noch geschlossen.

Die Effekte seien schon jetzt spürbar, sagt der Rohstoffexperte der geopolitischen Beratungsfirma Eurasia Group, Henning Gloystein. In Süd- und Südostasien seien bereits Flugverbindungen gestrichen und Schiffsrouten eingestellt worden. »Auch in Italien sehen wir bereits Beeinträchtigungen an Flughäfen. Und es besteht die berechtigte Sorge, dass die Kerosinbestände im Juni oder Juli sehr niedrig sein werden – gerade zur Feriensaison.« Gloystein geht davon aus, dass schon bald einige Flugverbindungen in Europa eingestellt werden.

Sollte der Treibstoff für Frachtschiffe zudem weiterhin knapp bleiben, ist mit Preissteigerungen für alle Güter zu rechnen – die globale Schifffahrt wäre vielleicht sogar noch schlimmer betroffen als während der Covid-Pandemie. »Wir gehen davon aus, dass die Preise noch bis 2027 auf einem höheren Niveau bleiben«, sagt der Experte.


Iran hält an einem Zehn-Punkte-Plan fest

Die Weltwirtschaft dürfte die Talfahrt fortsetzen, falls sich Iran und die USA in Pakistan nicht einigen können. Der bereits erwähnte iranische Parlamentssprecher und Chefunterhändler Ghalibaf dämpfte zudem die Hoffnung auf einen raschen Durchbruch. Irans Regierung hatte die eigenen Forderungen nicht direkt öffentlich gemacht. Nachrichtenagenturen, die den Revolutionsgarden nahestehen, berichteten jedoch bereits über Details.

Inzwischen hat auch der Nationale Sicherheitsrat des Landes in einer »Siegeserklärung« aufgelistet, um welche zehn Punkte es geht:

  • Die USA sollen sich gegenüber Iran verpflichten, »Aggressionen« einzustellen
  • dauerhafte Kontrolle über die Straße von Hormus
  • das Recht auf Urananreicherung müsse akzeptiert werden
  • alle Primärsanktionen gegen Iran sollen enden.
  • auch alle Sekundärsanktionen sollen beendet werden
  • alle Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, die Iran betreffen, sollen aufgehoben werden
  • alle Resolutionen des Führungsgremiums der Internationalen Atomenergiebehörde gegen den Iran sollen enden
  • Iran verlangt Kompensationszahlungen für dem Land entstandene Schäden
  • US-Truppen sollen sich aus »der Region« zurückziehen
  • der Krieg soll an allen Fronten enden, auch für den »heroischen islamischen Widerstand im Libanon«.

Verhandlungen sollen nach iranischer Vorstellung nur auf dieser Grundlage geführt werden. Die Forderungen sind weitreichend und betreffen zum einen die jahrzehntelange internationale Isolation des Landes. Die wichtigsten Punkte bleiben jedoch Irans Urananreicherung sowie die Kontrolle über die Straße von Hormus. Das iranische Raketenarsenal sowie die Unterstützung des Regimes für islamistische Milizen im gesamten Nahen Osten scheinen nicht mehr auf der Traktandenliste zu stehen.

Iran signalisierte jedoch zugleich, dass es sein Miliznetzwerk insgesamt nicht freiwillig aufgeben werde. Am Sonntag traf Ismail Ghani, Chef der Kuds-Einheit der Revolutionswächter, laut arabischen Medienberichten in Bagdad ein. Dort soll der für die Auslandsoperationen Irans zuständige Generalmajor hochrangige irakische Politiker sowie proiranische Milizenführer getroffen haben. Man will offenbar das Potenzial für eine aggressive Außenpolitik trotz der erlittenen Verluste aufrechterhalten bzw. erneuern.

Noch ist der Krieg im Nahen Osten nicht beendet – in wenigen Tagen könnten wieder Raketen fliegen und US-amerikanische und israelische Bomben auf die zentrale Infrastruktureinrichtungen Irans fallen, was nach internationalem Recht Kriegsverbrechen wären. Doch selbst wenn in Islamabad neue Verhandlungen stattfinden und sich die USA und Iran einigen sollten, scheint die Region nicht auf wirklich stabilere Zeiten zuzusteuern.

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