Liebe Leserinnen und Leser,

in einer Woche herrscht Klarheit darüber, wer die Nachfolge von Barack Obama antreten wird. Der von Inhalten entkoppelte Wahlkampf war bisher an Niveau- und Geschmacklosigkeiten kaum zu überbieten. Seinen besonderen Anteil daran hatte natürlich Donald Trump, der mit sich mit seinem Rabaukentum zuletzt nicht nur selbst demontierte, sondern auch seine republikanischen KollegInnen reihenweise vergrätzte. Durch die FBI-Ermittlungen in der E-Mail-Affäre wittert er jedoch plötzlich wieder seine Chance. Aber reicht das, um Hillary Clinton wirklich noch gefährlich zu werden? Die bläst zwar nicht in das gleiche populistische Horn, ist aber durch ihre Nähe zum Washingtoner-Establishment alles andere als beliebt.

Vor lauter »Clinton vs. Trump« wird jedoch schnell vergessen, dass es bei der Präsidentenwahl um nicht weniger geht als um die Zukunft der Hegemonialmacht USA. Eine Versachlichung der Debatte ist deshalb dringend notwendig. Einen Beitrag dazu leistet Heft 11 von Sozialismus.

Es grüßt die Redaktion

Das neue Heft

Trotz des Aufwärtstrends der amerikanischen Ökonomie konnte die US-Wirtschaft ihr Defizit in der Verteilungsgerechtigkeit nicht ausgleichen. Dies führte auch zu der spezifischen Gemengelage im Wahlkampf zwischen Clinton und Trump, die dadurch entstandenen innen- und außenpolitischen Verwerfungen und die ökonomischen Hintergründe zeigt Joachim Bischoff. Detlef Umbach wirft einen genaueren Blick auf Trumps Wählerklientel. Das Verhältnis von AfD und enthemmter Mitte beleuchtet Bernhard Müller. Auch sicherheitspolitisch scheint es in diesem Land immer autoritärer zuzugehen, Wilhelm Achelpöhler schreibt über die Pläne zum Einsatz der Bundeswehr im Inneren. Jutta Meyer-Siebert und Sybille Stamm führen in Auseinandersetzung mit dem Supplement zum Septemberheft die Debatte um das Verhältnis von Marxismus und Feminismus weiter.
Andreas Fisahn rezensiert zwei Bücher, die sozialwissenschaftlich eine Zeitdiagnose des gegenwärtigen Neoliberalismus liefern.
Wohin geht Europa, haben sich einige Autoren gefragt. Heinz Bierbaum schaut auf die europäische Sozialdemokratie, Klaus Busch u.a. fordern im Vorabdruck zu ihrer aktuellen Streitschrift grundsätzliche Reformen in der EU, Hinrich Kuhls beleuchtet die britischen Konservativen in Vorbereitung auf den Brexit und Pilawski/Politt geben einen Einblick in Polens Nationalkonservatismus aus ihrem Buch Polens Rolle rückwärts.
Im Forum Gewerkschaften schreiben Otto König und Richard Detje über den Bedeutungswandel des Streiks im autoritären Kapitalismus und über den langen Streik in Norddeutschland für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall vor 60 Jahren.
David Salomon zeigt uns die besondere politische Ästhetik von Peter Weiss und Mario Kessler schreibt über zwei Kommunistinnen und ihre unterschiedliche Suche nach Orientierung im Jahr 1956: Susanne Leonhard und Ruth Fischer. Er erinnert auch an den Faschismusforscher Kurt Pätzold.
Klaus Schneider hat sich das Unterschichtsdrama »American Honey« im Kino angeschaut.

Kommentare

Europa geht auch solidarisch!

Der Parteivorsitzende der LINKEN Bernd Riexinger hat ein zentrales politisches Problem aufgegriffen: »Die Auseinandersetzung um die Position der LINKEN zur EU hat durch den ›Brexit‹ neue Nahrung erhalten. Immer wieder wird die Forderung ›raus aus der EU‹ oder die eines Austritts aus dem Euro als eine linke Antwort formuliert. Mittlerweile ist den Meisten klar, dass die Brexit-Kampagne von nationalistischen und rassistischen Tönen dominiert wurde.« Mehr...

Spardiktat – Belgien vor einer Linkswende?

Unbeeindruckt von schlechten Umfragewerten, den Spaltungstendenzen der flämischen Nationaldemokraten (N-VA) und der vierten Massendemonstration der Gewerkschaften Anfang Oktober hat sich die belgische Bundesregierung von Liberalen und flämischen Rechtsparteien auf einen Haushaltsentwurf verständigt, der den Vereinbarungen des Europäischen Fiskalpakts entspricht. Mehr...

Griechenland – wann endet die Tyrannei der Memoranden?

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras ist mit großer Mehrheit an der Spitze der linken Regierungspartei Syriza bestätigt worden. Er erhielt auf dem Syriza-Parteitag 93,5% der Stimmen. Auf dem ersten Parteitag dieser linken Sammlungsbewegung im Jahr 2013 war er mit 74% gewählt worden. Mehr...

Länderfinanzausgleich – Länder ringen Bund Kompromiss ab

Nach der Einigung über die Neuordnung des Länderfinanzausgleichs ab 2020 traten die 16 Länder und der Bund vor die Öffentlichkeit – wie erwartet alle 17 als Gewinner. Klar war für alle Beteiligten, dass kein Bundesland offensichtlich schlechter gestellt werden durfte, weshalb der Bund von Anfang an über acht Mrd. Euro mehr für den Ländertopf in Aussicht stellte.  Mehr...

Weitere Kommentare und Kurzanalysen gibt es hier.

Bei anderen entdeckt

Großbritannien: Planlos in den harten Brexit

Michael Krätke schreibt in Blätter für deutsche und internationale Politik über die Unfähigkeit der britischen Politik, einen Umgang mit dem Brexit zu finden.

Vom Trump befallen

In Le Monde diplomatique zeigt Serge Halimi, dass der Fall Trump auch nur ein Symptom der Krise des amerikanischen Modells ist.

Neue Bücher

Klaus Busch / Axel Troost /Gesine Schwan / Frank Bsirske /Joachim Bischoff /Mechthild Schrooten / Harald Wolf
Europa geht auch solidarisch!
Streitschrift für eine andere Europäische Union
88 Seiten | EUR 7.50 | ISBN 978-3-89965745-6

 

Freerk Huisken
Erziehung im Kapitalismus
Von den Grundlügen der Pädagogik und dem unbestreitbaren Nutzen der bürgerlichen Lehranstalten
Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe
472 Seiten | EUR 29.80 | ISBN 978-3-89965-691-6

 

Ulrich Brand /Helen Schwenken/Joscha Wullweber (Hrsg.)
Globalisierung analysieren, kritisieren und verändern
Das Projekt Kritische Wissenschaft
344 Seiten | EUR 24.80 | ISBN 978-3-89965-724-1

Anja Flach/Ercan Ayboga/Michael Knapp
Revolution in Rojava
Frauenbewegung und Kommunalismus zwischen Krieg und Embargo
Eine Veröffentlichung der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Kooperation mit TATORT-Kurdistan
360 Seiten | 3. aktualisierte Auflage | EUR 19.80 | ISBN 978-3-89965-736-4

Rolf Geffken
Kampf ums Recht
Beiträge zum komplizierten Verhältnis von Politik, Arbeit und Justiz
Mit einem Vorwort von Jörn Boewe
184 Seiten | EUR 16.80 | ISBN 978-3-89965-743-2

Theodor Bergmann
Der chinesische Weg
Versuch, eine ferne Entwicklung zu verstehen
160 Seiten | EUR 14.80 | ISBN 978-3-89965-744-9

 

Torsten Müller/Thorsten Schulten/Guy Van Gyes (Hrsg.)
Lohnpolitik unter europäischer »Economic Governance«
Alternative Strategien für inklusives Wachstum
328 Seiten | EUR 29.80 | ISBN 978-3-89965-704-3

Termine

4. bis 6.11. | Berlin | Rosa-Luxemburg-Stiftung, Franz-Mehring-Platz 1
9. Marx-Herbstschule: Marx‘ Begriff der Revolution
2017 jährt sich ein Ereignis zum hundertsten Mal, dessen Folgen das »kurze 20. Jahrhundert« (Iván T. Berend) beherrschten: die Russische Revolution. Der Jahrestag ist Anlass für die Marx-Herbstschule, sich einem Begriff zuzuwenden, der eine der treibenden Kräfte für die Beschäftigung mit Marx auf den Punkt bringt, nämlich dem Begriff der »Revolution«.

 

5.11. | Nürnberg | Künstlerhaus im KunstKulturQuartier, Königstr. 93
Linke Literaturmesse
12:00 Uhr | Diese Wirtschaft tötet
Kirchen gemeinsam gegen Kapitalismus. Papst Franziskus macht klar: »Diese Wirtschaft tötet«. Auch der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) forderte im November 2013 eine »Wirtschaft im Dienst des Lebens«. Diese Ökumene der Kirchen gegen den Kapitalismus ist jedoch weitgehend unbekannt. Simon Wiesgickl stellt das von ihm gemeinsam mit Franz Segbers herausgegebene Buch Diese Wirtschaft tötet vor, in dem erstmals in deutscher Sprache die profiliertesten Autoren innerhalb dieser antikapitalistischen Sichtweise versammelt sind.

 

13:00 Uhr | Im Multiversum des Kapitals
Wer herrscht wie, wer protestiert, wer nicht und warum nicht? Fragend schreitet Raul Zelik voran und interveniert in theoretische und kulturelle Fragen, die nicht nur Linke beschäftigen. Seine neueste Essaysammlung beschäftigt sich mit der Kluft zwischen der radikalen theoretischen Kritik einerseits und der Praxis vieler linker Bewegungen und Initiativen innerhalb der bestehenden Verhältnisse andererseits. Zugrunde liegt ihr die Frage, was radikale Theorie zu den politischen Auseinandersetzungen der Gegenwart an Problembewusstsein und Antworten beisteuern kann.

 

8.11. | Halle/Saale | 18:00 Uhr | Kulturtreff Halle-Neustadt, Am Stadion 6
(Innere) Sicherheit ist eine soziale Frage
Im Zentrum der autoritären Rhetorik der AfD steht neben sozialer Demagogie die Sicherheitsfrage. Die Linke vergisst zu oft, dass die Frage der Sicherheit selbst eine soziale Frage ist bzw. als solche gestellt werden kann, ja muss. Deshalb müssen linke Antworten auf diese Frage entwickelt werden. Diskussion mit Ingar Solty, RLS Berlin.

 

8.11. | Hamburg | 18.15 Uhr | ErzWiss. Hörsaal Uni Hamburg, Van-Melle-Park 8
Kritik des Nationalismus
Diskussionsveranstaltung mit Renate Dillmann in der Vortragsreihe »What's left?« vom AStA Hamburg. Olympiasieger und ihre Landsleute vor den TV-Geräten sind bisweilen zu Tränen gerührt, wenn die nationale Hymne gespielt und die nationale Flagge gehisst wird. Gleichzeitig wird vor einem hässlichen Nationalismus gewarnt. Den sehen Politiker, die deutsche Öffentlichkeit, aber auch linke Antifa-Leute am Werk, wenn im Namen einer angeblich gefährdeten deutschen Nation demonstriert, Ausländer schikaniert und Heime angezündet werden. Renate Dillmann geht den Fragen nach: was Nation (im Unterschied zum Staat) ist, warum moderne Bürger ihre Nation lieben, auch und gerade wenn sie ihre Regierung kritisieren, warum die Unterscheidung zwischen Patriotismus und Nationalismus sachlich ein Unding ist, praktisch aber ein Dauerthema und wo es anzusetzen gilt, wenn man Nationalismus bekämpfen will.

 

9.11. | Berlin | 18:00 Uhr | RLS Salon, Franz-Mehring-Platz 1
Brasilien: Was bleibt von 14 Jahren PT-Regierung?
Wie hat sich die brasilianische Gesellschaft in 14 Jahren Regierung unter der Führung der Arbeiterpartei (PT) gewandelt? Warum hat die PT trotz sozialpolitischer Erfolge an Unterstützung verloren? Welche Chancen auf eine ökonomisch-gesellschaftliche Transformation hat die brasilianische Linke verpasst? Diskussion mit Joachim Wahl und Christian Russau, dessen Buch Abstauben in Brasilien. Deutsche Konzerne im Zwielicht gerade erschienen ist.

 

15.11. | Elmshorn | 19:00 Uhr | Industriemuseum, Catharinenstr. 1
16. 11 | Hamburg | 19:00 Uhr | Georg-Asmussen-Haus, Böckmannstr. 3–4
Tom Strohschneider in Elmshorn: Europa, die Krise und die Linken
Europa erlebt derzeit einen weiteren Aufstieg der Rechten, die EU steht nach Brexit und dem Vorgehen gegen die SYRIZA-Regierung vor dem Scheitern. Die sozialen, ökologischen und ökonomischen Herausforderungen schreien jedoch mehr denn je nach radikaler Veränderung. Was heißt das? Und welche Chancen hat eine solidarische Mehrheit, auch politisch wirksam zu werden? Tom Strohschneider, Chefredakteur der linken Tageszeitung »neues deutschland« und Autor der beiden VSA: Flugschriften Linke Mehrheit? und What‘s left?, versucht Antworten. Eine Veranstaltung im Rahmen von »nd unterwegs«.

 

17.11. | Senftenberg | 19:00 Uhr | Bürgerhaus Wendische Kirche, Badestr. 10
Meinungsfreiheit. Pressefreiheit. Lügenpresse?
Im Gespräch geht es um die aktuellen Reizworte »Pressefreiheit«, »Lügenpresse« und »Meinungsfreiheit«, die einer genaueren Betrachtung unterzogen werden sollen. Eine Veranstaltung mit Dr. Volkmar Schöneburg, MdL (Medienpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Landtag Brandenburg) und Tom Strohschneider (Journalist, Chefredakteur des »neuen deutschland«)

 

9.12 | Hamburg | 19:00 Uhr | Uni, Allende-Platz 1, Raum 250

Politisches Denken im 20. Jahrhundert
Frank Deppe, Professor em. an der Universität Marburg, spricht über maßgebliche politische Denkrichtungen im 20. Jahrhundert und ihre gesellschaftlichen Bedingungen, die er in seinem gerade in einer Neuausgabe erschienenen Standardwerk Politisches Denken im 20. Jahrhundert (4 Bände in 5 Büchern) ausführlich dargelegt hat. Deppe, ehemaliges Mitglied des SDS, promovierte bei Wolfgang Abendroth über den französischen Sozialisten, Aktivisten und Theoretiker des Aufstands Louis-Auguste Blanqui. Er hielt von 1972 bis 2006 den Lehrstuhl für Politikwissenschaft an der Universität Marburg. Eine gemeinsame Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Hamburg in Kooperation mit Professor Olaf Asbach, Institut für Politikwissenschaft, Universität Hamburg und dem VSA: Verlag.

Zu diesem Newsletter

Sie erhalten diese E-Mail, weil Sie sich für den kostenlosen Bezug der »SozialismusNews« angemeldet haben. Sie können Ihr Abonnement jederzeit beenden. Wenn Sie das Abonnement ändern oder löschen möchten, klicken Sie bitte hier und beachten Sie die Hinweise zur weiteren Vorgehensweise. E-Mails an die Absenderadresse werden nicht gelesen. Wenn Sie die Inhalte dieser Information kommentieren möchten, senden Sie bitte eine E-Mail an redaktion@sozialismus.de.

© 2016 Redaktion Sozialismus