Liebe Freundinnen und Freunde von Sozialismus.de,

zum neuen Jahr haben in bisheriger Tradion die Redaktion der Zeitschrift und das Team des VSA: Verlags Grüße mit guten Wünschen für 2026 übermittelt. Als diese entstanden, war zwar schon klar, dass es in der internationalen Weltordnung nicht ruhig bleiben würde (siehe den Beitrag von Joachim Bischoff und Friedrich Steinfeld zur nationalen Sicherheitsstrategie der USA im aktuellen Januar-Heft), aber dass der US-Präsident nun gleich am 3. Januar Venezuela überfallen läßt, um Nicolás Maduro und seine Frau zu kidnappen und sich die Ölreserven zu sichern, lag doch außerhalb unseres Vorstellungsvermögens. Was das und auch die erneute mit massiven Drohungen verbundene Ankündigung bedeutet, auch Grönland zu vereinnahmen, werden wir weiter auf der Website kommentieren und in der nächsten Printausgabe genauer analysieren.

Zuvor jedoch eine knappe Vorstellung des aktuellen Heftes.
Herzliche Grüße
Redaktion Sozialismus.de

Das aktuelle Heft

Dass Reichtum und Armut international und auch in Deutschland weiter auseinandergehen, haben neuere Untersuchungen nachgewiesen, die die Redaktion in »Stoppt die Superreichen!« vorstellen. Joachim Bischoff hat sich das für die USA angeschaut: »Die Glorreichen Sieben und die KI-Blase«. In der Berliner Republik erweisen sich Wohnen und »Mieten als Treiber von Ungleichheit« und Armutsfaktoren, über die Bernhard Müller schreibt. »Am Ende des Jahres, das die Kanzlerschaft von Friedrich Merz brachte, steht [...] die Frage, ob der Hobbyflieger mit Flugschein nicht [...] als Bruchpilot weit vor dem Ziel landen wird«, stellt Klaus Lang in seinem Beitrag über Neoliberalismus, Sozialstaat und Rechtspopulismus fest und fragt: »Kippt die Union?«

Im zweiten Block werden weitere Fragen aufgeworden: »Europa im Niedergang, USA im Hoch und China im Vormarsch?« Bernhard Sander untersucht »Die soziale Lage und den Bruch der Volksfront in Frankreich«, Claus-Jürgen Göpfert war 30 Jahre nach dem Dayton/Paris-Friedensabkommen in Bosnien-Herzegowina: »Die Mörder trugen schwarze Stiefel«. Von dem Beitrag zur US-Sicherheitsstrategie war bereits die Rede und Wolfgang Müller verfolgt weiter, wie weit die Umsetzung des neuen Fünfjahresplans im Fernen Osten vorangeht: »Chinas Binnenkonsum hat oberste Priorität«.

Im Forum Gewerkschaften haben Torsten Müller und Thorsten Schulten das EuGH-Urteil zur Europäischen Mindestlohnrichtlinie bewertet: »Ein guter Tag für das Soziale Europa!« Ulrike Eifler diskutiert gewerkschaftliche Überlegungen zur »Industriepolitik – Die Bedürfnisse der Kolleg*innen in den Mittelpunkt stellen« und Stephan Krull hat eine klare These zum Zustand der Autoindustrie in Deutschland: »Kein Land in Sicht«. Die Rolle von Otto Brenner, Max Diamant und Jakob Moneta für »Ursprünge fortschrittlicher Migrationsarbeit der IG Metall« beleuchten Nihat Öztürk und Florian Weis.

Unter »Erinnerungen« bespricht diesmal Mario Keßler eine neue Biografie von Ronald Friedmann: »Ernst Thälmann ohne Glorienschein« und die Redaktion Sozialismus.de und das VSA: Team würdigen Rolf Becker, der am 12. Dezember 2025 im Alter von 90 Jahren verstorben ist: »Schauspieler, Gewerkschafter, politischer Aktivist«. Klaus Schneider hat den aktuellen Film des norwegischen Autors Joachim Trier »Sentimental Value« gesehen, der »die Widersprüchlichkeit und Ambivalenz von Menschen [zeigt], die uns oft mehr bestimmen als uns lieb ist«.

Aktuelle Kurzanalysen im Netz

Trump räumt in Venezuela auf

In der Nacht zum Samstag und am frühen Morgen haben die USA Ziele in Venezuela angegriffen, den dortigen Präsidenten Nicolás Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores gefangen genommen und in die USA verschleppt. Mehr...

»Fundamente des Wohlstands« erneuern?

In seiner Neujahrsansprache warnt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor »Angstmachern« und »Schwarzmalern«. Deutschland sei kein Spielball der Großmächte: »Wir sind nicht Opfer von äußeren Umständen«. Mehr...

Metallarbeitgeber treiben den Widersinn auf die Spitze

Der größte Arbeitgeberverband Deutschlands in der Privatwirtschaft, der Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie, Gesamtmetall, hat einen neuen Präsidenten gewählt (eine Präsidentin gab es noch nie), der am 1. Januar 2026 sein Amt antreten wird.  Mehr...

Trumpiaden

Einschätzungen der Stabschefin im Weißen Haus, Susie Wiles, über die Crew aus dem innersten Machtzirkel – veröffentlicht im US-Magazin »Vanity Fair« – sorgen nicht nur in Washington aktuell für Rätselraten. Mehr...

Wir trauern um Rolf Becker (31.3.1935–12.12.2025)

Der Schauspieler, Gewerkschafter und politische Aktivist Rolf Becker ist am Freitag im Alter von 90 Jahren in einem Hamburger Hospiz gestorben. Wir trauern mit seiner Frau Sylvia Wempner und seiner Familie um einen engagierten Kollegen und Freund, der sich bis ins hohe Alter insbesondere in Hamburg St. Georg für den Stadtteil und vor allem seine Menschen engagierte. Mehr...

Der Bruch der Volksfront

Frankreich steht als zweitwichtigstes europäisches Land, in dem eine kapitalistische Produktionsweise herrscht, an einer Weggabelung. Bei jedem wichtigen politischen Tagesordnungspunkt stellt sich die Frage: Wird es zu einer Machtübernahme der rechts-identitären Bewegung Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen kommen oder steht das Land doch vor einem Wahlsieg der vereinten Linken? Jede Debatte im Parlament und in der Gesellschaft, zumal um den Haushalt, ist davon kontaminiert. Mehr...

Weitere Kommentare und Kurzanalysen gibt es hier.

Neue VSA: Bücher

Im Dezember sind erschienen:

Jan Schulze-Husmann/Peter Trinogga/Aktivenkreis Bundesanzeiger (Hrsg.): 
Streik doch einfach mit! 138 Tage Arbeitskampf beim DuMont-Konzern | WIDERSTÄNDIG
168 Seiten | € 14.00 | ISBN ISBN 978-3-96488-246-2

Klaus Weber: Kampfblatt des autoritären Liberalismus
Die Frankfurter Allgemeine als Wegbereiterin von »Kriegstüchtigkeit«
144 Seiten | € 14.80 | ISBN 978-3-96488-258-5

AG Antifaschistische Stadtgänge beim DGB Frankfurt
ANTIFASCHISTISCHE STADTRUNDGÄNGE
durch Frankfurt am Main
216 Seiten | Mehrfarbiger Druck | € 12.80 | ISBN 978-3-96488-263-9

Im Januar/Februar erwarten wir:

Garnet Alps/Carsten Maaß/Uwe Stoffregen: Gewerkschaft, ja bitte!
Ein Handbuch für Betriebsräte, Vertrauensleute und Aktive | 5. aktualisierte Ausgabe
Mit einem Vorwort von Ralf Reinstädtler (geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall)
480 Seiten | Hardcover | € 24.80 | ISBN 978-3-96488-250-9 

Rolf Rosenbrock: Selbstgestaltung und Soziale Arbeit
Erkenntnisse und Positionen zur Wohlfahrtspflege: gegen Armut und Opferschelte
160 Seiten | € 14.80 | ISBN 978-3-96488-260-8

Laura Bremert/Markus Hoppe/Bettina-Johanna Krings/Werner Schmidt (Hrsg.):
Der Betrieb als sozialer Ort im Umbruch
Kollegialität und Solidarität trotz Homeoffice, New Work und Agilität?
Band 3 der Schriftenreihe Input Consulting
192 Seiten | € 16.80 | ISBN 978-3-96488-247-9

David Harvey: Marx’ »Grundrisse« lesen
Ein Begleiter für Einsteiger und Fortgeschrittene
440 Seiten | € 29.80 | ISBN 978-3-96488-187-8

Ingar Solty: Innere Zeitenwende
Die Militarisierung des Alltags, von Wissenschaft und Kultur. Eine Flugschrift
120 Seiten | € 12.00 | ISBN 978-3-96488-259-2

Jürgen Bönig: Otto Meissner, Verleger nicht nur des »Kapital«. Ein 1848er in Hamburg, samt deren Wirtschafts-, Sozial- und Staatsgeschichte im 19. Jahrhundert
320 Seiten | Festeinband | farbige Abbildungen | € 26.80 | ISBN 978-3-96488-075-8

Veranstaltungen

Libertärer Autoritarismus: Wie neue faschistische Dynamiken entstehen
15. Januar 2026 | Hamburg | 19:00 Uhr | Barmbek BASCH, Wohldorfer Str. 30
Oliver Nachtwey stellt sein neues, gemeinsam mit Carolin Amlinger verfasstes Buch »Zerstörungslust – Elemente des demokratischen Faschismus« vor. Gestützt auf umfangreichen empirischen Recherchen, richten die Autor*innen ihren Blick auf jene Wähler*innen, digitalen Szenen und politischen Communities, die Donald Trump, Elon Musk oder der AfD folgen. Im Zentrum steht der libertäre Autoritarismus, eine Form autoritärer Politik, die demokratische Institutionen systematisch schwächt und zugleich individuelle Selbstermächtigung verspricht. Woher kommt die Lust an der Zerstörung? Warum wenden sich immer mehr Menschen aus der vermeintlichen Mitte Projekten zu, die demokratiefeindliche und faschistische Dynamiken befördern? Diese und andere Fragen wird der Wirtschaftswissenschaftler und Soziologe sowie Professor für Sozialstrukturanalyse an der Universität Basel an diesem Abend beantworten, zudem zentrale Thesen seiner Arbeit vorstellen und diskutieren, was diese neue autoritäre Versuchung für die Zukunft demokratischer Aushandlungsprozesse bedeutet.
Eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Hamburg.

Streik doch einfach mit
15. Januar 2026 | Köln | 19:30 Uhr | Buchsalon Ehrenfeld, Wahlenstr. 1
Die Kolleg*innen, die 138 Tage im Kölner Bundesanzeiger Verlag, der zum DuMont-Konzern gehört, gestreikt haben und darüber in dem gleichnamigen Buch berichten, stellen ihr Buch vor. Darin geht es unter anderem um die Weigerung eines staatlich beauftragten Unternehmens, das »hoheitliche Aufgaben« im Auftrag der Bundesministerien Justiz & Finanzen verrichtet, einen Haustarifvertrag zu vereinbaren und um dessen Umgang mit seinen Beschäftigten, von den Repressalien, mit denen die Streikenden zu kämpfen hatten und den Versuchen, deren Willen mit allen Mitteln zu brechen. Berichtet wird zugleich von der Entschlossenheit der Streikenden, von der gemeinsamen Entwicklung, die alle während dieser Zeit gemacht haben. Und es wird erklärt, warum der Widerstand weitergehen muss: Weil es in diesem Streik um mehr als nur ums Geld ging, es ging um nichts weniger als um Demokratie auch im Betrieb.

Weitere Buchvorstellungen sind in der 4. oder 5. Januarwoche in Berlin im ver.di-Buchcafé in der Bundesverwaltung, Paula-Thiede-Ufer 10 geplant. Genaueres zu Terminen und Uhrzeiten demnächst an dieser Stelle.

Die harte Arbeit der Kuriere
15. Januar 2026 | Frankfurt a.M. | 19:00 Uhr | Club Voltaire, Kleine Hochstr. 5
Wie Fahrrad-Boten um bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne kämpfen. Viele Menschen kochen nicht mehr selbst. Viele Menschen kaufen vieles nicht mehr selbst ein. Sie lassen sich Essen und anderes von Fahrradkurieren liefern. Dieser Markt ist in den zurückliegenden Jahren in Deutschland stark gewachsen, aber er ist auch besonders umkämpft. Die Arbeit der Menschen auf Rädern ist hart, die Löhne sind nicht gut. Über den Alltag der Fahrrad-Boten berichten in der Reihe »Göpferts Gäste« Mark Baumeister, Referatsleiter in der Zentrale der Gewerkschaft NGG in Hamburg, und betroffene Fahrer. Dabei geht es vor allem um die Auseinandersetzungen bei der Firma Lieferando, dem Marktführer in Deutschland. Dort haben sich Betriebsräte gegründet, die aktuell gegen landesweiten Stellenabbau und die Ausgliederung von Leistungen in schlechter bezahlende Subfirmen kämpfen. Das Gespräch führt der Autor Claus-Jürgen Göpfert.

Warum Marxismus?
21. Januar 2026 | Berlin | 19:00 Uhr | Rosa-Luxemburg-Stiftung, Mathilde-Jacob-Saal, Straße der Pariser Kommune 8A
In Zeiten wachsender sozialer Ungleichheit, ökologischer Krisen und politischer Unsicherheiten erlebt die kritische Gesellschaftsanalyse nach Marx eine neue Aktualität. Doch was bedeutet Marxismus heute? Welche Antworten kann er auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts geben? Welche Begriffe müssen heute hinterfragt oder neu interpretiert werden? Wie kann sich der Marxismus als lebendige Denktradition weiterentwickeln? Wie kann Marx heute dazu beitragen die Welt nicht nur neu zu interpretieren, sondern auch zu verändern? Der Brumaire-Verlag hat die auf 36 Bände angelegte Reihe «Edition Marxismen» mit dem Autor Ingar Solty gestartet, um zentrale Denker*innen des Marxismus auf ihre Relevanz für heute zu befragen.  Mit dem Abschluss des ersten Teils der Edition diskutieren diese Fragen Ingar Solty (Autor der »Edition Marxismen« und Referent für Außen- und Sicherheitspolitik der Rosa-Luxemburg-Stiftung), Bafta Sarbo (Sozialwissenschaftlerin und Autorin, langjährige Teamerin der Marx-Lesekreise der Rosa-Luxemburg-Stiftung) und Nadja Rakowitz (Politologin und Medizinsoziologin,  arbeitet für den Verein demokratischer Ärzt*innen und ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Rosa-Luxemburg-Stiftung). Moderieren wird Joana Georg. Eine Anmeldung ist erwünscht unter linksbuendig@rosalux.org.

Karl Marx: Die Revenuen und ihre Quellen
27. Januar 2026 | Hamburg | 18:30 Uhr | LAB, Hansaplatz 10
Erster Termin des Lesekreises mit Joachim Bischoff zu »Das Kapital - Dritter Band. Der Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion«. Der Lesekreis diskutiert den inneren Zusammenhang der entfremdeten und verselbstständigten Formen des Kapitals, der in der Formel von der »ökonomischen Trinität« – Boden/Grundrente, Kapital/Zins und Arbeit/Arbeitslohn – zum Ausdruck kommt. Unter dieser Oberfläche des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses fasst sich die komplexe und verborgene Struktur der modernen bürgerlichen Gesellschaft zusammen. Nach der Entschlüsselung der verdinglichten und mystifizierten gesellschaftlichen Verhältnisse kann nach Marx auch die allgemeine politische Form des Souveränitäts- und Abhängigkeitsverhältnisses erfasst werden, also die spezifische bürgerliche Staatsform. Der Kurs wendet sich an diejenigen, die sich gemeinsam die Kapitalismuskritik von Marx aneignen und darüber diskutieren wollen, er trifft sich 14-täglich. Größere Vorkenntnisse sind nicht vorausgesetzt.
Anmeldung erbeten unter info@rls-hamburg.de.

Friedensbewegung und soziale Frage
31. Januar 2026 | Aachen | 15:00 Uhr | Café Barrierefrei (ehemals Kennedygrill), Elsassstr. 57, Hintereingang
Vortrag & Diskussion mit Ulrike Eifler. Wie von manchen Beobach­ter*innen schon seit einiger Zeit befürchtet, plant die Bundesregierung zur Finanzierung ihres Hochrüstungskurses inzwischen harte Einschnitte ins soziale Netz und zu den Leidtragenden zählen neben Bürgergeldempfänger*innen, Pflegebedürftigen und Geflüchteten auch ganz normale Beschäftigte, die auf Feiertage verzichten und insgesamt länger arbeiten sollen. Vor diesem Hintergrund könnten auch und gerade die Gewerkschaften ein Interesse daran haben, den unmittelbaren Zusammenhang von Friedenspolitik und sozialer Sicherheit stärker als bislang hervorzuheben. Diese Position zumindest vertritt Ulrike Eifler. Die Friedensfrage als soziale Frage und die Rolle der Gewerkschaften möchten wir gemeinsam beleuchten und diskutieren. Ulrike Eifler ist Gewerkschafterin in Würzburg, Sprecherin des Bundesarbeitskreises Betrieb und Gewerkschaft der Partei Die Linke und Herausgeberin des Buches »Gewerkschaften in der Zeitenwende« (VSA: Verlag 2025).
Eine Veranstaltung der VVN-BdA Aachen und VHS Aachen in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW.

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